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15.10.16: Homeboy Sandman live @ Alte Feuerwache Mannheim

hsandmanSpätestens mit seinem dritten Werk „The Good Sun“ überzeugt Homeboy Sandman nicht nur Underground-Nerds und Blog-Surfer, sondern auch das Stones Throw-Oberhaupt Peanut Butter Wolf: „Es gibt ganz klar gewisse Nuancen, die an die Golden Era erinnern, aber ich sehe Sandman nicht als einen Rapper an, der in dieser Zeit feststeckt. Er ist eben progressiv.“ Welche Qualitäten führen zu dem Signing? „Selbstvertrauen. Wortspiel. Energie. Positive Einstellung.

Im Rahmen von Enjoy Jazz kommt der Rapper am 15. Oktober 2016 nach Mannheim in die Alte Feuerwache.

EINLASS 20.00 UHR / BEGINN 21.00 UHR
VVK 15 € (ZZGL. GEBÜHREN) / AK 18 €
TICKETS

 

Homeboy Sandman – Unforgettable 

Action Bronson (Alte Feuerwache Mannheim)

Action Bronson ist der gefeierte HipHop-Newcomer der letzten beiden Jahre. Zum ersten Mal begab sich der New Yorker mit den albanischen Wurzeln auf kleine Europa-Tour – in Deutschland gastierte er nur in Mannheim und Berlin. In der Alten Feuerwache haben wir uns angeschaut, was das Überraschungspaket zu bieten hat.

action-bronson-not-enough-words

Lights, camera, action! Um kurz nach 21 Uhr stand er auf der Bühne der Alten Feuerwache: Action Bronson. Der Mannheim-Termin des Newcomers war einer seiner ersten in Europa überhaupt, weshalb er in der gut gefüllten Halle mit umso größerer Spannung erwartet wurde. Den kalten Temperaturen setzte das Rap-Schwergewicht aus Queens, New York lediglich ein labbriges Shirt und Knickerbocker entgegen. Mit seinen Händen klammerte er sich an einen großen Tonkrug – über den Inhalt wurde im Publikum wild spekuliert.

Vom Koch zum Rap-Newcomer

Kleiner als erwartet, aber mit umso mächtigerer Wampe, eröffnete Bronson sein Set. Als Opener wählte er Gateway To Wizardry von seinem Mixtape Rare Chandeliers, das er erst in diesem Jahr gemeinsam mit Produzentenkoryphäe Alchemist aufgenommen hat (und nun auf seiner Webseite zum kostenlosen Download anbietet).

Vor seiner Karriere als Rapper – er hat mittlerweile einen Vertrag bei Warner Bros Recors unterschrieben – arbeitete der 29-jährige Ariyan Arslani als Gourmet-Koch in New York. Noch immer spielt das Kochen eine zentrale Rolle in den Lyrics von Action Bronson. Well-Done (2011) heißt zum Beispiel auch sein zweites Album, das musikalisch komplett von Statik Selektah umgesetzt wurde und das besonders durch seine samplebasierten Beats besticht. Neben seinem markanten Flow, der bisweilen an Ghostface Killah vom Wu-Tang Clan erinnert, fällt Bronson vor allem durch seine wildwüchsige Schifferkrause in stechendem Rot auf, bei der selbst ein Pierre Vogel blass vor Neid wird.

Action Bronson & Statik Selektah – Not enough words

Auf Tuchfühlung mit dem Rauschebart

Auf Tuchfühlung mit dem Rauschebart konnten die Fans dann schon beim nächsten Track gehen: Mit „fuck the stage, we’re outta here!“ verabschiedete sich Action von seinem DJ, begab sich in die Crowd und präsentierte Pouches of Tuna mal eben direkt neben dem überraschten Soundmischer.

Kaum zurück im Scheinwerferlicht, tauchte er nach Barry Horowitz und seinem Part aus Elimination Chamber von Domo Genesis & Alchemist schon wieder ab, um einen Rollstuhlfahrer durch den Raum zu geleiten. Nur wenig später konnte man Bronsolini bereits an der Bar treffen, wo er sich mitten in der Show eine Cola orderte. Not Enough Words und Shiraz leiteten schließlich das Ende der außergewöhnlichen Veranstaltung ein, bevor der extrem bodenständig auftretende Bronson ausnahmslos alle dazu einlud, den Backstage-Bereich zu stürmen.

Als Fazit der Performance bleibt zumindest eine Erkenntnis: Schön, dass es 2012 scheinbar wieder möglich ist, auch eine große Location wie die Alte Feuerwache mit erstklassigem (Untergrund-)Rap zu füllen. Mehr davon!

Elzhi & Band (Ziegler Heidelberg)

Als “Detroit’s Best Kept Secret” geht Elzhi seit diesem Jahr beim besten Willen nicht mehr durch. Mit Elmatic (DOWNLOAD: HIER), seiner Hommage an Nas’ legendäres Debütalbum Illmatic hat der Rapper nicht nur HipHop-Fans in Euphorie versetzt, sondern Lob von höchster Stelle erhalten: Pete Rock, Large Professor und DJ Premier sind alle hellauf begeistert, was der MC aus Detroit zusammen mit der Band Will Sessions für das Remake arrangiert hat. Die Elmatic-Tour ließ ich mir natürlich nicht entgehen und schaute im Ziegler in Heidelberg vorbei.

Vor drei Jahren, als Elzhi schon einmal in Deutschland auf Tour war, wurde überhaupt erst der Grundstein für das Projekt Elmatic gelegt. DJ House Shoes hatte dem Rapper mit der flinken Zunge damals für Freestyle-Einlagen Instrumentals von Illmatic zugespielt. Ehlzi, der Illmatic in seiner Jugend scheinbar gehört hat bis die Nadel eine Furche in das Vinyl gezogen hat, sprühte daraufhin seine Lyrics wie Feuer über die zeitlosen Beats. Obwohl damit die Idee für eine Neuauflage von Illmatic geboren war, veröffentlichte 2010 stattdessen zunächst Fashawn seine „Ode to Illmatic“. Während er die Beats von Illmatic einfach eins zu eins übernommen hatte, entschied sich Elzhi hingegen dafür, die Meisterstücke aus dem Produktionskasten von DJ Premier, Large Professor oder Pete Rock in Nuancen neu zu arrangieren und das ganze mit der Detroiter Band Will Sessions live einzuspielen. Das Ergebnis klingt so, als wäre Ehlzi die Reinkarnation des 20-jährigen Nas.

Zusammen mit DJ House Shoes und Live-Band eröffnete Elzhi mit – wie konnte es anders sein – The Genesis die Show. Trotz Wochentag war das Heidelberger Ziegler komplett gefüllt. Wann sonst hat man auch schon mal die Chance den 20-jährigen Nas live zu sehen? Mit dicker Hornbrille und der Kapuze tief im Blickfeld, reimte sich der Wortakrobat aus Motown munter über seine Neuadaptionen der Illmatic-Hymnen Halftime, Represent oder Memory Lane. In puncto Schnelligkeit und Reimschemata jagt Elzhi mit verblüffender Ähnlichkeit über die Klangteppiche wie Nas. Auch inhaltlich greift er immer wieder Details von Nas’ Lyrics auf und schickt beispielsweise bei The World Is Yours einen Nachruf an seinen verstorbenen Slum-Village-Produzenten J Dilla an Stelle von Ill Will raus. Nicht zuletzt waren es jedoch besonders die bekannten Samples, die das frenetische Publikum en masse nach vorne peitschten.

Mit C.R.E.A.M. gab es zur Abwechslung auch mal eine kleine Verneigung von Elzhi an die Herren vom Wu-Tang Clan, diesmal allerdings mit Original-Lyrics. Nach einem kurzen musikalischen Exkurs zu seinem Soloalbum The Preface (2008) krönte Elzhi seine respect-to-a-classic Performance mit Life’s a Bitch, It Ain’t Hard To Tell und One Love. Neben dem durchweg überzeugenden Auftritt stellte sich am Ende nebenbei bloß mal wieder kurz die Frage, warum zum Teufel US-Rapper bei ihren Auftritten in Deutschland ihre Acapellas immer als „Freestyles“ verkaufen müssen? Doch na ja, spätestens mit der Zugabe Detroit State of Mind, das an diesem Abend spontan zu Heidelberg State of Mind avancierte, waren derartige Fragen längst verflogen. Eine andere Frage drängte sich jedoch auf: Wann erscheint eigentlich die erste Hommage an Fenster zum Hof?

Andreas Margara (28. September 2011)

Elzhi – Halftime

Gorillaz: „The Fall“

„Einmal Gorillaz zum mitnehmen, bitte!“ So in etwa könnte man sich den Drive-Thru-Aufnahmeprozess des neuen Gorillaz Album The Fall am trefflichsten vorstellen. 15 Tracks sind entstanden, als die Band letztes Jahr quer durch die Vereinigten Staaten getourt ist und dabei immer mal wieder Stücke mit ihrem iPad aufgenommen hat. Vom einstigen Crossover aus Indie-Rock und experimentellem HipHop ist dabei wenig übrig geblieben. Experimenteller Elektro trifft es im Falle von The Fall besser. Während sich im Eröffnungsstück Phoner To Arizona ein Delphin telefonisch um eine Stelle bei den Gorillaz zu bewerben scheint aber nicht ganz bis zu Damon Albarn durchkommt, überzeugt Revolving Doors mit dem urtypischen Gorillaz-Sound, bei dem Innovation auf Melancholie trifft. Ein Ohrwurm, der sich festsetzt und so schnell nicht mehr loslässt. Bei Hillbilly Man, auf dem die Klampfe von Mick Jones (The Clash) zu hören ist, machen sich erstmals die Einflüsse des Tourens bemerkbar, die auf The Fall immer wieder zum tragen kommen. Wie knallige Fahrzeuge oder Lichter von Städten wie Detroit, Dallas, Amarillo und Phoenix rauschen diese am Fenster des Tourbusses vorbei. Zu oft klingen die verspielten Arrangements jedoch nur nach lückenfüllenden Interludes. Musikalisches Gesamtkonzept: Fehlanzeige. Bis auf Albarns Gesang fehlt es an den charakteristischen Gorillaz-Merkmalen und leider auch an Glanzpunkten. Einen der wenigen aber bedeutenden Gastauftritte markiert Soulsänger Bobby Womacks Kontribution bei Bobby in Phoenix. Disharmonisch und streckenweise chaotisch kreuzen sich die Spuren, um kurz nach dem Einklang abgewürgt zu werden (California & the Slipping of the Sun). Passenderweise endet das Gorillaz-Experiment mit unerklärlichem Gejodel (Seattle Yodel), was für die Beteiligten vermutlich ein aberwitziger Insider-Gag ist, den gemeinen Hörer aber allenfalls zurück zu Revolving Doors skippen lässt.

Andreas Margara (4. Mai 2011)

Gorillaz – Revolving Doors