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05.04.17: Masta Ace live @ Karlstorbahnhof Heidelberg

AceMasta Ace, wer sich die letzten 20 Jahre mit Hip Hop beschäftigt hat, kennt die New Yorker Rap-Legende. Nur wenige haben es wie Masta Ace verstanden Aktualität und positive Strömung mit Dirtyness, Street- und Old School–Flavour in Einklang zu bringen.

Eintritt: AK 20 € | VVK 17 € + Gebühr
Einlass 20 Uhr | Beginn 21 Uhr
Ticketlink
Support: Def3 (CAN)

Gemeinsam mit Big Daddy Kane, Biz Markie, Craig G, MC Shan und Kool G Rap kreierte Masta Ace bis Ende der 80er Jahre auf Cold Chillin’-Records, das als hoffnungsvolles HipHop-Pendant zu Motown-Records galt, unter Produktion Marley Marls den legendären Sound der Juice Crew. Marley Marl produzierte dann 1990 auch „Take A Look Around“, das Debüt-Album von Masta Ace.

El-P (Klub-K Heidelberg)

El-P ist die Speerspitze des Independent-Rap. Egal ob als langjähriger Rapper, Produzent oder Labelboss von Definitive Jux – immer wieder hat er Wege gefunden, um sich mit seiner Musik vom Mainstream abzusetzen. Mit seinem neuen Album „Cancer for Cure“ im Gepäck hat El-P eine ausgedehnte Europa-Tour gestartet, die den Kreativkopf mit seiner Live-Band auch nach Heidelberg führte.

Innovative Samples, fiese Basslines und knochentrockene Reime zeichnen das Album Funcrusher Plus aus, das El-Pmit seiner Company-Flow-Posse 1997 veröffentlichte. Heute zählt das kompromisslose Werk unter HipHop-Kennern zu den Meilensteinen der Rap-Geschichte. Aufgrund von Differenzen mit ihrem Plattenlabel trennten sich Company Flow um die Jahrtausendwende von Rawkus Records und lösten sich kurz darauf sogar auf. El-P gründete daraufhin sein eigenes Label Def Jux, das zu einer legendären Plattform für alternative Künstler erwuchs und namhafte Rap-Acts wie RJD2, Cannibal Ox, Murs, Aesop Rock, C-Rayz Walz oder Mr.Lif hervorbrachte. Wahlweise trat El-P in dieser Zeit als Produzent oder Gastrapper selbst in Erscheinung.

Fünf Jahre war es still um das Mastermind aus Brooklyn, New York, ehe im Sommer das lang erwartete Album Cancer For Cure erschien, für das El-P unter anderem mit Paul Banks von Interpol oder Nick Diamonds von der kanadischen Indieband Islands zusammenarbeitete. Unterstützt von einer Live-Band präsentierte der US-Rapper seinen neusten Streich im gut gefüllten Klub-K in Heidelberg.

Unverschämt Untergrund

Den Startschuss seiner unkonventionellen Performance legte El-P aka El Producto mit The Full Retard, einem Track, der nicht nur Dank des abgedrehten Videos bei YouTube schon über eine halbe Million Mal angesehen wurde. Trotz der ungewohnt großen Aufmerksamkeit klingt der Sound mit seinem kantigen Beat aus futuristischen Synthesizern und roughen Raps irgendwie unverschämt nach Untergrund-Avantgarde. Diese typische anti-Mainstream-Attitüde übermittelte El-P, der mit bürgerlischem Namen Jaime Meline heißt, bei seinem Auftritt immer wieder mit bodenständigen Statements und seiner kumpelhaften Aura.

El-P – The Full Retard

Drones Over Bklyn, Sign Here und For My Upstairs Neighbor (Mums The Word) waren weitere Stationen in El-Ps subversivem Soundgewitter, das er nach feinster Public-Enemy-Manier in einem klirrenden Elektro-Noise-Hagel ergehen ließ. Klassischen Oldschool-Flavor versprühte der progressive New Yorker zwischendurch mit einer Hommage an HipHop-Vorreiter wie Slick Rick und A Tribe Called Quest, ehe er mit seiner von Science-Fiction geprägter David-Lynch-Metaphorik und seinem lakonischen Straßenköter-Flow wieder zurück in die Zukunft beamte.

Fehlende Klassiker

Intensiv und bassgewaltig setzte der 37-jährige El-P seine Performance in Szene. Leider fiel der an Company Flow gewidmete Teil des Auftritts mit Vital Nerve äußerst kurz aus, so dass am Ende nach etwas weniger als einer Stunde schon Schluss war – ohne dass die obligatorischen Klassiker End to End Burners oder 8 Steps to Perfection überhaupt gespielt wurden. Schade.

Jungle Brothers (Karlstorbahnhof Heidelberg)

Mit afrozentrischen Texten und jazzlastigen Beats brachten die Jungle Brothers Mitte der 1980er Jahre frischen Wind in den New Yorker Großstadtdschungel und die dortige HipHop-Community. „Native Tongue“ nannte das Dreigespann Mike Gee, Baby Bam und DJ Sammy B diese neue Bewegung, in die sich auch Crews wie De La Soul und A Tribe Called Quest einreihten. Nach langer Abstinenz haben sich die Jungle Brothers nun mit einer Reunion-Tour erstmals wieder auf deutschen Bühnen zurückgemeldet.

“Gestatten Sie, mein Name ist Frederick Hahn. You see, they call me a Star but that’s not what I am”. Mit diesem berühmten Chorus aus Kapitel 1 stellte sich Torch, der Urvater des Deutschrap, 1993 der Szene vor und ebnete von der Heidelberger Wiege aus den Weg für HipHop in Deutschland. Dabei waren auch die Jungle Brothers indirekt involviert, da der zugehörige Cut aus ihrem Track Straight out the Jungle entnommen wurde und Kapitel 1 erst den letzten Schliff verleiht. Passenderweise leitete das Trio aus New York 18 Jahre später mit genau eben jenem Stück ihren Auftritt im Heidelberger Karlstorbahnhof ein. Mike Gee, Baby Bambaataa und DJ Sammy B – eine halbe Ewigkeit standen die Dschungelbrüder in dieser Konstellation nicht mehr zusammen auf der Bühne. Wie in alten Tagen harmonierte das Dreigestirn, einzig der mittlerweile (mehr als nur) graumelierte Baby Bam schien aufgrund des nur mäßig besuchten Konzerts etwas antriebslos. Zuweilen nutzte er die Show für ausgedehnte Spaziergänge zum Soundmann und durch das Publikum oder setzte sich phlegmatisch auf den Bühnenrand. Because I Got it Like That und On the Run waren weitere Stationen durch den 1988er Oldschool-Klassiker Straight out the Jungle, ehe es mit dem Beatbanger How Ya Want It (We Got It) zwangsläufig zum ersten Höhepunkt kam. Das Native-Tongue-Stück ist 1997 durch eine Zusammenarbeit mit dem befreundeten De-La-Soul-Trio entstanden.

Allein durch einen Blick auf das von 16 bis 46 Jahren wild zusammengewürfelte Publikum ließ sich die Vielseitigkeit der charismatischen Rapper ablesen. Neben einer Manifestation von Entertainment-Qualitäten klassischer Oldschool HipHop-MC’s von Gee und Bam bereitete der quirlige Sammy B seinen beiden Frontmännern ein wechselndes Soundgewand aus Rap und Drum’n’Bass. Jungle Brother, das unter anderem schon von den Stereo MC’s geremixt wurde, ist durch Aphrodites Version im erhöhten BPM-Bereich längst zu einem Kulthit in der Jungle-Szene avanciert. Nicht nur durch ihren zu Anfangszeiten erhöhten Jazz Einfluss gelten die Jungle Brothers als Initiatoren von Fusion im Bereich der Rapmusik. Das mit dem House-Produzenten Todd Terry gemeinsam produzierte I’ll House Youist z.B. einer der ersten Kreuzungsversuche der heutzutage omnipräsenten Strömung namens „HipHouse“.

Demnach haben die Jungle Brothers ein schier unerschöpfliches Repertoire an Styles, aus dem sie heute mehr als anderthalb Stunden fleißig schöpften. Freestyles von Baby Bam – dessen Künstlername eine Anspielung auf den HipHop-Gott Afrika Bambaataa ist – und Cuts von dem mit flinken Fingern agierenden Sammy B rundeten den Auftritt ab. Für den Stimmungsbarometer gab es mit dem gute-Laune-Song V.I.P. am Ende einen der kommerziell erfolgreichsten Hits der JB’s. Schluss war allerdings noch nicht, denn mit Brain hatte sich das Trio noch ein absolutes Highlight aufgespart. Mit seiner balsamierten Drumkomposition ist der leicht verjazzte Beat so butterweich, dass man sich am liebsten reinlegen möchte. Mike Gee versteht das Ganze mit seiner sanft-brummenden Membran zu veredeln – eine gelungene Schlussnote. Ein für einen Mittwochabend anständiger Auftritt mit vielen positiven Energien ging damit zu Ende. „Make HipHop not War“ gab Mike Gee deshalb als passende Schlussparole mit auf den Nachhauseweg. Recht hat er.

Andreas Margara (9. September 2011)

Jungle Brothers – Straight outta Jungle

EPMD (Karlstorbahnhof Heidelberg)

Mehr als 20 Jahre sind die beiden HipHop-Schwergewichte von EPMD („Erick and Parrish Making Dollars“) schon im Business aktiv. Sieben Alben haben sie in dieser Zeit veröffentlicht und damit gleich mehrere Generationen von Rappern wie Masta Ace, 2Pac oder die Stieber Twins aus Deutschland beeinflusst. Nachdem PMD Anfang des Jahres bereits mit einer Solo-Show in Weinheim vorbei geschaut hatte, legte er diesmal gemeinsam mit seinem Reimpartner Eric Sermon in Heidelberg nach.

Eröffnet wurde der Abend im randvollen Heidelberger Karlstorbahnhof von dem Kölner Rap-Duo Projekt Gummizelle. Die ihrem Namen nach scheinbar wahnsinnigen Newcomer entpuppten sich auf der Bühne als tiefsinnige Talente in punkto Rap. Überzeugen konnten PG außerdem mit knackenden Boom Bap Beats und einem Live-DJ, der weit mehr als nur einen Play-Knopf bedienen kann. Wenn sie weiter „hart hustlen“ wird sicher bald noch einiges von den Jungs zu hören sein. Das neue Album Kannste jeden fragen sollte definitiv schon mal vorgemerkt werden.

Nach einer kurzen Pause hieß es dann „Relax your mind let your conscience be free / And get down to the sound of EPMD“ – Erick und Parrish standen nun auf der Bühne und gingen mit You gots to chill und Strictly Business gleich in die Vollen. Unbekannte B-Seiten braucht das dynamische Duo aus New York als Lückenfüller gar nicht erst aufzufahren: EPMD haben genug Klassiker im Repertoire, um ein ganzes Wochenende zu füllen. Im Zickzack nahmen die Führungsköpfe der Hit Squad das Publikum mit auf eine Safari durch ihre Diskographie von Strictly Business (1988) über Business As Usual (1990) bis hin zu Back in Business (1997). Zwischendurch ließen es sich die beiden 1968 geborenen Vorreiter des HipHop nicht nehmen, den einen oder anderen Scherz auf Kosten ihres (un)jugendlichen Alters zu machen. Stolz verkündete Eric Sermon, dass er die Goldene Ära repräsentiert, die er mit Acts wie Run DMC, LL Cool J oder Public Enemy geprägt hat. Kostproben gab es mit Knick Knack Patty Wack oder The Big Payback gleich hinterher. Schade nur, dass die Soundanlage im Karlstorbahnhof heute nur suboptimal ausgelegt war.

Nach 20 Minuten verschwanden die stark außer Atem geratenen Rapper zum ersten Mal hinter der Bühne. Bei ihrer Rückkehr gab es zur Entspannung eine knapp zehnminütige Reminiszenz an diverse verstorbene Musiker, bei der das Publikum aufgefordert wurde mit einem Peace Zeichen Respekt an Michael Jackson, Teena Marie, 2Pac, Nate Dogg, Biggie und etliche weitere zu zeigen. Am Ende roch die nett gemeinte Aktion ein bisschen nach Zeitspiel, bis PMD mit Rugged-N-Raw endlich wieder einen Track performte. Etwas zu früh gefreut hatten sich einige Kanye West Fans, als der DJ Gold Digger einspielte. Schon nach wenigen Sekunden wurde der Clubhit abgebrochen, denn Sermon wollte damit nur klarstellen, dass EPMD die wahren Gold Digger sind und bereits 1990 den Song mit ähnlicher Sample-Basis produziert hatten.

Im Anschluss reihte sich ein Beatbrett an das nächste: Rampage, Richter Scale und D-D-D-D-D-Da Joint. EPMD mussten das Mic nur kurz in die bouncende Menge halten und schon bekamen sie textsicher die Lyrics zu ihren Titeln entgegen geschmettert. Danach holten sich die New Yorker gleich Verstärkung aus dem Publikum auf die Bühne und ließen die Fans zu Head Banger auf Augenhöhe abdrehen. Leider wurden alle Stücke nur in gekürzter Fassung präsentiert, weshalb die Show schon nach einer dreiviertel Stunde zu Ende war. EPMD live zu erleben ist wie einer Geschichtsstunde in Sachen HipHop beizuwohnen. Und eine Geschichtsstunde geht eben nun mal 45 Minuten!

Andreas Margara (17. Juni 2011)

EPMD – You Gots To Chill

Gil Scott-Heron ist tot

„The Revolution will not be televised“, erklärte Gil Scott-Heron Ende der 60er Jahre in einer seiner berühmten Spoken Word Darbietungen, die als Vorstufe des Sprechgesangs – des Rhythm And Poetry (Rap) – angesehen werden. Scott-Heron ließ die Politik, den Protest und die Philosophie der Straßen in seine Songs einfließen. Ein explosives Gemisch aus Funk, Jazz, Blues und natürlich Soul, das der schwarzen Bevölkerung in den USA und weltweit ein Sprachrohr verlieh. Gruppen wie Grandmaster Flash & the Furious 5, Public Enemy und die spätere Native Tongue Bewegung haben auf seine Vorarbeit aufgebaut. Erst im letzten Jahr feierte Scott-Heron mit I’m New Here (2010) sein viel gefeiertes Comeback nach 16 Jahren ohne Albumveröffentlichung. Auf einer Europareise sei der Wegbereiter des Rap schwer erkrankt, berichtete eine Freundin des Sängers der Nachrichtenagentur AP. Nach seiner der Rückkehr ist Gil Scott-Heron gestern in einem Krankenhaus in New York im Alter von 62 Jahren gestorben. Rest in Peace!

Gil Scott-Heron – Me And The devil

Andreas Margara (28. Mai 2011)