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Georgia Anne Muldrow: „King’s Ballad“

Durch den Einfluss ihrer musikalischen Eltern wurde Georgia Anne Muldrow im Jazz sozialisiert, findet sich aber immer häufiger als Komplement auf diversen Rap-Scheiben, wie jüngst bei Mos Def oder den Platinum Pied Pipers, wieder. Obwohl ihr mittlerweile viertes Album „King’s Ballad“, eine Hommage an den verstorbenen Michael Jackson ist, klingt ihr Sound alles andere als poppig. Vielmehr kommt ihre funky Melange aus Jazz und Neo-Soul kantig und unorthodox daher. Angefangen bei dem behutsamen Muntermacher Indeed, über das von einer Gospelorgel angetriebene Tribute für den King of Pop, bis hin zu Westcoast-Soulvibes, erfindet sich die einstige First Lady des Stones Throw Labels immer wieder selbst neu. Unterstützung bekommt sie dabei gleich mehrfach von Dudley Perkins, mit dem Georgia besonders schön auf der G-Funk-Nummer Summer Love harmoniert. Ansonsten zeigt sich die experimentelle Künstlerin als vielseitig begabt, wenn sie in fließendem Wechsel als Produzentin, Rapperin und Sängerin für ihre innovativen Funk-Balladen auftritt. So schnell macht ihr das keiner nach, auch wenn sie sich die Aussage gefallen lassen muss, dass Erykah Badu ihr so manches vorgemacht hat.

Andreas Margara (7. Februar 2010)

für HHV-Magazin 1/2010 und hhv.de

De La Soul (Halle-02 Heidelberg)

de_la_soulHipHop wird langsam erwachsen. Die Jugendkultur ist klammheimlich gealtert und hat die pubertäre Phase längst hinter sich gebracht, wie am Beispiel von De La Soul zu sehen ist. Ganze 20 Jahre ist es mittlerweile her, dass die drei Rapper ihr bahnbrechendes Album „3 Feet High and Rising“ veröffentlicht haben. Anno 1989 also schon bereichern Posdnuos, Trugoy the Dove und Maseo die HipHop-Community mit Spaß, Styles und Sozialkritik. Ans Aufhören denkt das routinierte Trio zum Glück noch lange nicht. Die Jubiläumstour ließen wir uns natürlich nicht entgehen – bereits zum dritten Mal waren wir von regioactive.de bei einem Live-Gig von De La Soul dabei!

Im Vorprogramm traten zunächst Frogg auf – ein neues hitverdächtiges Projekt aus den Reihen von Seeed. Verstärkt werden der Saxophonist Mo Delgado und DJ Luke dabei von der englischen Sängerin Mills. Das extrem hörenswerte Endprodukt klingt wie experimenteller HipHop – Tracks wie Bitch oder Shut Tha Fuck Down sind nicht allein nur offensiv betitelt. Aus New York hatten De La Soul außerdem noch ihren beleibten Freund Billy Ray mitgebracht, der mit Cut the Check und Sprinkle me auf ebenso eindrucksvolle Weise seine Visitenkarte in der Heidelberger Halle-02 ablieferte.

Da „3“ seit 3 Feet High and Rising die „magische Zahl“ ist, traten die Plugs diesmal wieder vollzählig in Heidelberg auf und gaben mit Oooh! gleich den Millenniums-Hit von Art Official Intelligence: Mosaic Thump (2000) zum Besten. Wenn Maseo im nächsten Jahr Geburtstag feiert, dann haben alle drei Rapper bereits die 40 überschritten, was einer energiegeladenen De­-La-Show am heutigen Abend aber keinen Abbruch tat.

Natürlich hat sich bei der 20-jährigen Bandgeschichte von De La Soul jede Menge Hitmaterial angesammelt, das den Fans jetzt geballt auf die Ohren geklatscht wurde. Dass De La mit hohem Einsatz spielen, wissen Rap-Fans nicht erst seit Stakes is High. Für den Chorus bekamen die Plugs dennoch jede Menge Unterstützung in der gut gefüllten Halle. Danach wurde mit der Wochenend-Hymne Saturday aus dem Mittwoch eben mal ein Samstag gemacht.

Souverän spielten die Wegbereiter der afrozentristischen Native-Tongue-Bewegung ihre gut strukturierte und spaßige Show ab. Wenn man mal genau auf den Text von Ego Trippin’ achtet, fallen sofort die vielen Verse auf, die in anderen Rap-Songs als Word-Cuts wiederverwertet wurden. Pos’ Vorahnung „Every word I say should be a HipHop quotable“ (Stakes is High) scheint sich demnach allmählich zu verselbstständigen. So wirklich ausgelassene Partystimmung wollte mitten in der Arbeitswoche einfach nicht aufkommen, obwohl die Voraussetzungen mit Feten-Klassikern wie Me, myself and I oder Ring, Ring, Ring (Ha, Ha, Hey) eigentlich bestmöglich waren.

Durch den Einsatz elektronischer Elemente für ihre letzten Werke hat De La’s auf Jazz und Soul-Samples basierender Groove einen neuartigen Einschlag bekommen. Einer dieser plastischeren – dafür umso punchenderen – Beats ist Rock Co.Kane Flow aus Jake One’s Produktionsschmiede. Die Plugs lieben es die Boxen live damit überzustrapazieren und ihren Fans damit einzuheizen. Am Ende ihrer nur knapp einstündigen Performance verließen die drei New Yorker die Halle mit dem Native-Tongue-Allstar-Track Buddy wieder ziemlich schnell. In einer kompakten Vorstellung haben De La Soul kurz aber überzeugend verdeutlicht, dass HipHop zwar älter geworden aber noch nicht in die Jahre gekommen ist.

Andreas Margara (20. September 2009)

Jungle Brothers feat. De La Soul & Q-Tip – How Ya Want It

Mos Def: „The Ecstatic“

mos_def-the_ecstatic_bAls Mos Def 1999 mit seinem Soloalbum Black on both Sides debütierte, präsentierte er sich lyrisch als neuer Stern am Himmel der afrozentristischen Native-Tongue-Posse um Rap-Crews wie De la Soul und A Tribe Called Quest. Mit lukrativen Filmrollen an der Seite von Robert de Niro, Bruce Willis und Eddie Murphy galt seine Motivation fortan aber vielmehr der Schauspielerei, als dem Rappen. Das belegten auch seine unausgereiften Nachfolgeralben The New Danger und True Magic. Zehn Jahre nach seinem Entrée in die Rap-Arena will Mos nun mit The Ecstatic wieder musikalisch verzücken. Produktionstechnisches Geleit bekommt er dabei von keinen Geringeren als der Elite auf diesem Gebiet um Oh No, Alchemist, Madlib, Havoc und The Neptunes. Textlich präsentiert sich der zum Islam konvertierte Mos verstärkt politisch. So prangert er mit Workers Comp unter anderem die ansteigenden Arbeitslosenzahlen an, oder thematisiert in Auditorium gemeinsam mit Slick Rick die problematische Resozialisierung von aus dem Irakkrieg heimgekehrten US-Soldaten. Für No Hay Nada Mas lässt Baby Grand den Beat entspannt baumeln, während Mos seine Zeilen dazu lässig auf Spanisch vorsingt. Roses hingegen ist ein Piano-Stück, bei dem Georgia Anne Muldrow, die First Lady des Stones Throw Labels, den Gesang beisteuert und Def sich wieder auf das Rappen konzentriert. Absolutes Highlight von The Ecstatic ist der Track History, bei dem die Black Stars Talib Kweli und Mos Def endlich wieder aufeinander treffen. Bis auf die weniger gelungene Kweli-Line „I’m down with the crew like Mussolini in Italy“, überzeugt besonders der urtypische J Dilla Beat mit einem erdigen Basslauf und einem netten Vocal-Sample von Mary Wells. Mit gleich einer ganzen Palette an Styles feiert Mighty Mos ein eindrucksvolles Comeback im Rapgame.

Mos Def feat. Talib Kweli – History

Andreas Margara (25. August 2009)

Talib Kweli presents Idle Warship (Alte Feuerwache Mannheim)

resZwei dunkelhäutige Schönheiten und der Conscious-Rap-Star Talib Kweli zierten bis vor kurzem noch jede Menge Flyer und Plakate im ganzen Land. Der Grund: die Drei traten unter dem Projektnamen Idle Warship auf zwei exklusiven Konzerten in Hamburg und Mannheim auf. Was genau von dem Trio musikalisch zu erwarten war, blieb zunächst noch ungewiss. Eine geballte Ladung Black Music schien sich jedenfalls schon abzuzeichnen.

Seit der Veröffentlichung des Albums Black Star (1998) zusammen mit Mos Def hat die „Native Tongue-Posse“ mit Talib Kweli eine starke neue Stimme erhalten. Über soulig bis jazzige Beats mit entspanntem Groove gleitet der Rapper mit unnachahmigem Flow hinweg und schafft es dabei sogar noch intelligente Texte mit politischen Statements anzureichern. Produzent Hi-Tek und Talib sind ein eingespieltes Team, in regelmäßigen Abständen sorgen sie für hochkarätigen Sound. Idle Warship nennt sich das neue, von Talib Kweli als Spaß-Projekt initiierte, Unternehmen zusammen mit den Sängerinnen Res und Graph Noble. Mit einer vierköpfigen Band-Armada zieht das „nutzlose Schlachtschiff“ derzeit durch die Gewässer Europas und legte auch in der Mannheimer Feuerwache an.

Überraschend und dennoch zur Freude der zahlreichen Fans, legte der frisch verheiratete Rapper gleich mit einem seiner eigenen Stücke los: Get ‚Em High von Kanye Wests College Dropout. Getoppt wurde das ganze anschließend noch durch Too Late von seinem bekannten Kollabo-Album Reflection Eternal (2000) mit Hi-Tek. Vermeintliche Verstärkung gab es im weiteren Verlauf dann von den Chanteusen Res aus Philadelphia und der Kanadierin Graph Nobel. Out of This World lautete der Titel des ersten gemeinsamen Songs, doch mit dem bewährten Kweli-Sound hatte das wenig gemein. Obwohl der New Yorker Rapper sein neues Projekt im Vorfeld gern als gebündelte Black-Music-Troika anpries, schien sich deren Einfluss lediglich aus der vollen Bandbreite der Pop-Geschichte zu nähren.

idle-warshipMusterbeispiel dafür ist Steady, eines der ersten Stücke aus der jungen Idle Warship Bandhistorie. Hier werden die Synthesizer von Corey Harts Sunglasses At Night mit Sweet Dreams der Eurythmics zusammengeschustert, woraus am Ende ein tanzbares Disco-Fun-Monster erwächst. Von Elementen der Black Music natürlich (fast) keine Spur. Selbstverständlich ist an den Stimmen der bezaubernden Res und an den teilweise abgefahrenen Rap-Parts von Graph Noble rein gar nichts auszusetzen. Dennoch hätte man sich bei diesem 80er-Revival weniger Talib Kweli als vordersten Protagonisten gewünscht. Weiter ging die Party-Polonese mit der Auskopplung Black Snake Moan – ein komplettes Idle Warship-Album (Party Robot) ist bereits für Ende diesen Jahres angekündigt. Als wird man nicht schon durch die Radio-Boxen hemmungslos mit Beggin von dem Norwegischen Black Eyed Peas-Verschnitt Madcon gejagt, gab es anschließend noch das Idle Warship-Cover direkt aus der Frontalen.

Für Abhilfe sorgte danach Graph Nobel mit genialer Sangeskunst und ihrem Solo-Song I’m on fire. Relativ abrupt lief das Party-Schiff dann in den Hafen ein und schickte Talib Kweli wieder als Solo-Künstler auf Landgang. Mit Live-Band im Rücken und als sein eigener DJ verblüffte er mit The Blast – einem weiteren Meisterwerk von Reflection Eternal. Danach stellte der 34-jährige Talib Greene bisher noch unveröffentlichtes Material der neuen Kweli/Hi-Tek-Kollabo vor, ehe er mit Get By einen seiner größten Hits überhaupt abfeuerte. Spätestens bei dem Black Star-Track Definition schmolz dann schließlich auch das Eis bei den bis dato noch etwas unbeeindruckten HipHop-Heads.

Den Rest der sehr kurz geratenen Darbietung verköstigte DJ Talib Kweli noch mit Platten aus seinem eigenen Koffer und ließ dazu B-Boys aus dem Publikum auf der Bühne breaken. Erfüllt wurden die großen Erwartungen an den kleinen Mann mit der flinken Zunge sicherlich nicht, dafür zündete das Überraschungspaket Idle Warship einfach zu wenig.

Andreas Margara (20. Juni 2009)

Black Star (Talib Kweli & Mos Def)Definition