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01.07.17: Illa J live @ Karlstorbahnhof Heidelberg

0008478972_10Noch immer vergeht keine Rap-Show, ohne dass von der Bühne nicht mindestens einmal der Name J Dilla ausgerufen wird – im Publikum trägt ohnehin jeder Dritte ein T-Shirt mit der Aufschrift „Dilla changed my life“. Dass Illa J mehr ist als Dillas jüngerer Bruder, stellte John Derek Yancey bereits mit dem Album „Yancey Boys“ (2008) unter Beweis.

Frisch bei Jakarta Records unter Vertrag und mit neuem Album „Home“ (2017) im Gepäck, kommt der Rapper, Produzent und Multi-Instrumentalist nun nach Heidelberg. Eine Prise Motown-Soul, gemischt mit smoothen HipHop-Beats aus Detroit garniert Illa J wahlweise mit Gesang und Raps. Im Schlepptau hat er obendrein FunkLogik & Poetik Force.

Einlass 20.00 / Beginn 21.00
Eintritt AK 19 €, VVK 16 € + VVK-Gebühr
Tickets:: http://bit.ly/ILLAJ0107

Elzhi & Band (Ziegler Heidelberg)

Als “Detroit’s Best Kept Secret” geht Elzhi seit diesem Jahr beim besten Willen nicht mehr durch. Mit Elmatic (DOWNLOAD: HIER), seiner Hommage an Nas’ legendäres Debütalbum Illmatic hat der Rapper nicht nur HipHop-Fans in Euphorie versetzt, sondern Lob von höchster Stelle erhalten: Pete Rock, Large Professor und DJ Premier sind alle hellauf begeistert, was der MC aus Detroit zusammen mit der Band Will Sessions für das Remake arrangiert hat. Die Elmatic-Tour ließ ich mir natürlich nicht entgehen und schaute im Ziegler in Heidelberg vorbei.

Vor drei Jahren, als Elzhi schon einmal in Deutschland auf Tour war, wurde überhaupt erst der Grundstein für das Projekt Elmatic gelegt. DJ House Shoes hatte dem Rapper mit der flinken Zunge damals für Freestyle-Einlagen Instrumentals von Illmatic zugespielt. Ehlzi, der Illmatic in seiner Jugend scheinbar gehört hat bis die Nadel eine Furche in das Vinyl gezogen hat, sprühte daraufhin seine Lyrics wie Feuer über die zeitlosen Beats. Obwohl damit die Idee für eine Neuauflage von Illmatic geboren war, veröffentlichte 2010 stattdessen zunächst Fashawn seine „Ode to Illmatic“. Während er die Beats von Illmatic einfach eins zu eins übernommen hatte, entschied sich Elzhi hingegen dafür, die Meisterstücke aus dem Produktionskasten von DJ Premier, Large Professor oder Pete Rock in Nuancen neu zu arrangieren und das ganze mit der Detroiter Band Will Sessions live einzuspielen. Das Ergebnis klingt so, als wäre Ehlzi die Reinkarnation des 20-jährigen Nas.

Zusammen mit DJ House Shoes und Live-Band eröffnete Elzhi mit – wie konnte es anders sein – The Genesis die Show. Trotz Wochentag war das Heidelberger Ziegler komplett gefüllt. Wann sonst hat man auch schon mal die Chance den 20-jährigen Nas live zu sehen? Mit dicker Hornbrille und der Kapuze tief im Blickfeld, reimte sich der Wortakrobat aus Motown munter über seine Neuadaptionen der Illmatic-Hymnen Halftime, Represent oder Memory Lane. In puncto Schnelligkeit und Reimschemata jagt Elzhi mit verblüffender Ähnlichkeit über die Klangteppiche wie Nas. Auch inhaltlich greift er immer wieder Details von Nas’ Lyrics auf und schickt beispielsweise bei The World Is Yours einen Nachruf an seinen verstorbenen Slum-Village-Produzenten J Dilla an Stelle von Ill Will raus. Nicht zuletzt waren es jedoch besonders die bekannten Samples, die das frenetische Publikum en masse nach vorne peitschten.

Mit C.R.E.A.M. gab es zur Abwechslung auch mal eine kleine Verneigung von Elzhi an die Herren vom Wu-Tang Clan, diesmal allerdings mit Original-Lyrics. Nach einem kurzen musikalischen Exkurs zu seinem Soloalbum The Preface (2008) krönte Elzhi seine respect-to-a-classic Performance mit Life’s a Bitch, It Ain’t Hard To Tell und One Love. Neben dem durchweg überzeugenden Auftritt stellte sich am Ende nebenbei bloß mal wieder kurz die Frage, warum zum Teufel US-Rapper bei ihren Auftritten in Deutschland ihre Acapellas immer als „Freestyles“ verkaufen müssen? Doch na ja, spätestens mit der Zugabe Detroit State of Mind, das an diesem Abend spontan zu Heidelberg State of Mind avancierte, waren derartige Fragen längst verflogen. Eine andere Frage drängte sich jedoch auf: Wann erscheint eigentlich die erste Hommage an Fenster zum Hof?

Andreas Margara (28. September 2011)

Elzhi – Halftime

Sylvia Robinson, die ‚mother of hiphop‘, ist verstorben

Beim Aufbau des New Yorker Plattenlabels Sugar Hill Records Anfang der 1970er Jahre war Sylvia Robinson die treibende Kraft. Erst Dank dieser neuartigen Plattform konnte der Weg für die Veröffentlichung der bahnbrechenden HipHop-Meilensteine Rappers Delight von der Sugar Hill Gang und The Message von Grandmaster Flash & the Furious 5 bereitet werden, die beide schon bald dort erschienen. Aufgrund ihres Engagements wurde Robinson deshalb auch ‚mother of HipHop‘ genannt. Selbst ins Rampenlicht rückte die Sängerin unter ihrem Vornamen „Sylvia“ mit schlüpfrigem Schlafzimmer-Soul. Pillow Talk (1973) oder das von J Dilla für Crushin‘ gesamplete Sweet Stuff (1974) gehören zu Robinsons bekanntesten Hits. Am 29. September 2011 ist die Mutter des HipHop im Alter von 75 Jahren gestorben.

Andreas Margara (30. September 2011)

Sylvia – Sweet Stuff

Lone Catalysts (Cafe Central Weinheim)

Lockerleicht klingt der HipHop-Sound des schwergewichtigen „Lone Catalysts“ Tandems. Grundlage dafür ist vor allem die unverkennbare Vorliebe des Beat-Produzenten J.Rawls für Jazz-Samples. Rapper J.Sands versteht es die verjazzten Kopfnickerkompositionen mit äußerst geschmeidigem Flow zu dekorieren. Obwohl Sands diesmal ohne seinen Partner Rawls im Cafe Central in Weinheim angereist war, entpuppte er sich auch alleine als würdiger Partykatalysator.


Die Betonung lag heute deutlich bei „Lone“ Catalyst in Weinheim – selten wirkte ein Künstler so alleine gelassen. Die Vorgruppe in Form von F.Stokes war kurzfristig abgesprungen, J.Rawls von vornherein schon abgemeldet und so standen am Ende nicht einmal Plattenteller und Mixer auf der Bühne aufgebaut. Ein MC und ein Mic, mehr nicht. Für musikalische Untermalung sorgte der zum „DJ Wiegand“ umfunktionierte Tontechniker des Centrals mit einer fortlaufenden Beat-CD.

Während Schalke bei der Championsleague-Übertragung im Vorraum zum 3:1 einnetzte, bereitete der trotz widriger Umstände gut gelaunte J.Sands mit dem Stück Away From Home den lyrischen Anstoß für seinen Auftritt. Dass der Rapper aus Pittsburgh herausragende Entertainment-Skills hat, ist spätestens seit seiner „Sands on Sports“ Video-Show, bei der er mit illustren Gästen wie z.B. Pharoahe Monch Football und Baseball Ereignisse kommentiert, bekannt. Auch heute sprühte Sands vor Kreativität und Energie. Abwechselnd stellte er Tracks vom letzten Lone Catalysts Album Back To School (2009) und seiner The Breaks Reihe vor, auf denen er über bekannte Instrumentalstücke der HipHop Geschichte wie Nas’ One Love oder KRS One’s A Friend reimte.

Auf seine häufig eingestreuten „Lone-to-da-cata“-Rufe bekam er von dem etwas spärlich gesäten aber loyalen Publikum stets die Antwort „Cata-to-da-lysts“. Genau wie sein „Slightly Stoopid“-T-Shirt und seine übergroße „J.Sands“-Gürtelschnalle ließ er in seine Show neben Oldschool-Flavor auch eine angenehme Brise Comedy einfließen. Mit diesen Qualitäten und den überragenden Beats im Rücken nahm der Abend schließlich doch noch einen positiven Verlauf. Kein Wunder, die Produktionen von J.Rawls sind so locker, die würden sogar in Milch schwimmen. Neben World Famous gab es vom neuen Silberling u.a. noch Let’s Get To That, A Different World, bevor Sands sich dran machte einige seiner Kollaborationen zu präsentieren. Zu den Highlights zählten When The Clock Ticks, das er zusammen mit den Jazz Liberatorz aufgenommen hat oder Due Process, bei dem Rapstar Talib Kweli und Rubix aus dem direkten Umfeld des Wanna BattleKollektivs beteiligt sind.

Zwar dreht es sich inhaltlich bei J.Sands oft um den Konsum von Grass, doch versteht es der College-Absolvent diese Anspielungen intelligent zu verpacken. Nach weit mehr als einer Stunde schloss Sands seine sehenswerte Einmann-Show mit einem seiner spontanen Freestyles ab.

Andreas Margara (11. März 2011)

Lone Catalysts – Renaissance

Guilty Simpson: „OJ Simpson“

Den etwas Älteren dürfte O.J. Simpson noch als einer der bekanntesten Fluchtwagenfahrer der 90er Jahre in Erinnerung sein, den ganz Alten vielleicht sogar als Football Runningback der 70er. Geneigte Liebhaber des amerikanischen Sprechgesangs werden hingegen wissen, dass es sich bei OJ Simpson 2010 um eine labelinterne Kollaboration zwischen Otis Jackson aka Madlib und dem mit reichlich Skills gesegneten Rapper Guilty Simpson handelt. Wie in einem Blaxploitation-Film setzt Regisseur Madlib seinen Protege hier gekonnt in Szene. Die knappe Spielzeit der 24 Stücke, viele Interludes und Soulsamples zeugen von der gewohnten Verspieltheit des Stones Throw Künstlers. Am Ende sind es gerade mal elf Titel, die als eigentliche Tracks durchgehen – die haben es dafür in sich. Da sich die adäquate Beschreibung von Madlibs Beats kniffliger gestaltet als DNA zu entschlüsseln, gibt es an dieser Stelle nur den Hinweis, dass Lib es mit scheinbar simplen Samplefetzen versteht eine kurios-geniale Soundstruktur zu errichten. Diese klingt dermaßen komplex, dass man sich fragt, wie tief unter der Erde sich OJ’s berühmter Produktionskeller eigentlich befindet. J Dillas persönlicher Lieblingsrapper Guilty Simpson würzt das ganze mit seinem ureigenen Monotonie-Flow, der neben unbändiger Lässigkeit besonders gut den rüden Flavor der Straßen Detroits transportiert. Auf kraftvolle Weise, wie man das sonst von Sean Price kennt, gelingt es Simpson dabei die vertrackten Beats zu packen und sich einzuverleiben. Vom Titelstück OJ Simpson, das mit seinem eingängigen Pressbeat ein echter Kopfnicker ist, bis zum komplett verschrobenen Outside, bei dem sich der Kopf vielmehr schüttelt, ist große musikalische Vielfalt geboten.

Andreas Margara (13. Mai 2010)

Illa J, Frank Nitt & DJ J-Heart (Karlstorbahnhof Heidelberg)

Noch immer vergeht kein Rap-Konzert, ohne dass von der Bühne nicht mindestens einmal der Name J Dilla ausgerufen wird – im Publikum trägt ohnehin jeder Dritte ein T-Shirt das auf die Koryphäe anspielt. Janet Jackson (Got till it’s gone) und The Pharcyde (Runnin’) wussten die außergewöhnlichen Skills des Produzenten aus Detroit schon früh zu schätzen. Viele ihrer Beats tragen die unnachahmlich smoothe Handschrift Dillas, der die Basslines butterweich ebnet und mit peitschenden Snares kombiniert. Die Erwartungen sind also dementsprechend hoch an jemanden, der sich in die direkte Nachfolge eines solch einflussreichen Künstlers stellt.

Mit dem Album Yancey Boys (2008), auf dem Illa J Rap und Gesang auf unveröffentlichte Beats seines verstorbenen Bruders zum Besten gab, gelang es dem mittlerweile 23-jährigen jedoch, die Kritiker mit seinem Talent zu überzeugen. Auf seine erste Europa-Tour brachte Illa J seinen Homie Frank Nitt vom Duo Frank-N-Dank mit. Eröffnet wurde der Abend im leider nur mäßig besuchten Karlstorbahnhof von der sympathischen DJane J-Heart, die es sich nicht nehmen ließ, ihr Set mit der Burnereinlage Escape zu beginnen und damit gleich einen Gruß in Richtung Stieber Twins rauszuschicken.

Frank Nitt hielt es dann ebenfalls für angemessen mit einer deutschen Produktion einzusteigen: er wählte She Likes Me, mit dem er auf dem Album von DJ Sepalot (Blumentopf) vertreten ist, als Opener. Nachdem knappe zehn Minuten auf seiner bombastischen Glitzeruhr vergangen waren, war der gut aufgelegte Frank fürs erste schon wieder verschwunden und Illa J’s  Showtime begann. Verunsichert betrat der jüngere Yancey zunächst die Bühne, Standfestigkeit verliehen ihm nur seine überdimensionalen Jordan-Stiefel in Mondfahrer Optik. Das snarelastige Stück Timeless vom Yancey Boys Album sorgte dennoch für weit verbreitete Heiterkeit im Saal.

Nach jeweils drei Tracks klatschte sich das rappende Tagteam stets zum Wechsel ab. Jetzt war der kleinwüchsige Mann mit der obligatorischen Detroit Tigers Cap wieder an der Reihe. Schnell entfaltete Nitty seine großen Entertainment Qualitäten, während Illa J hingegen einen verschüchterten Eindruck hinterließ. Ein Großteil der Frank-N-Dank Titel stammt auch aus dem Klanglabor von Dilla – der heute natürlich omnipräsent war, so auch mit dem nachfolgenden Pause. Während J-Heart im Hintergrund Regie führte, trieb Frank Nitt das Publikum an und leitete die Show. Doch auch Illa fing langsam an zu überzeugen. Nach All Good und R U Listenin‘, bereitete er besonders den anwesenden Frauen eine große Freude mit dem soulvollen Stück Sounds Like Love, wo er auch seinen Gesang einfließen ließ.  Zwischendurch streute Yancey sogar noch einen eigenen Teil für J Dillas frühere Crew Slum Village ein, bei der er unter anderem die Klassiker Players und Raise it up performte.

Nachdem Yancey Boys von Illa J bereits bei dem legendären Plattenlabel Delicious Vinyl von Michael Ross erschien, hat sich nun auch Frank Nitt mit L.O.V.E. in die unmittelbare Release-Historie von Masta Ace, Young MC und Tone Loc einreihen dürfen. Das Stück wurde von Rap-Urgestein DJ Quik von der Westcoast produziert und kam auch live gut an, was die nickenden Köpfe bestätigten. Zum Abschluss des Abends, der ganz in Erinnerung an Jay Dee stand, gab es passender Weise noch die Homage To Dilla, bei der Frank Nitt und Illa J nochmals gemeinsam auf der Bühne standen.

Andreas Margara (10. Dezember 2009)

Illa J feat. Debi Nova – Sounds Like Love