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22.09.17 DJ Shadow live @ Alte Feuerwache Mannheim

djshadow_credit_derickdailyDJ. Produzent. Plattensammler. Pionier. Der gebürtige Kalifornier Josh Davis alias DJ Shadow ist seit über zwanzig Jahren einer der innovativsten und einflussreichsten Persönlichkeiten im amerikanischen HipHop. Mit nur einer einzigen Platte machte sich Shadow für die Szene unsterblich. Sein Debütalbum „Endtroducing…..“ von 1996 gilt als ein Meilenstein des instrumentalen HipHop. Es war die erste Platte, die komplett aus Samples bestand.

>> Konzertbericht von 2011: DJ Shadow in der Alten Feuerwache Mannheim <<

22. September 2017 Alte Feuerwache Mannheim
Einlass: 20 Uhr Beginn: 21 Uhr
Tickets sind für 25€ zzgl. Geb. online unter www.schoneberg.de und an ausgewählten VVK-Stellen erhältlich.

Die Liste der Künstler, mit denen Shadow im Laufe seiner Karriere bereits gearbeitet hat, liest sich lang und hochkarätig: Thom Yorke (Radiohead), Richard Ashcroft (The Verve), Mike D (Beastie Boys), Little Dragon und viele mehr. Da ist die Feature-Wahl auf seiner Single „Nobody Speak“ aus seinem neusten Album „The Mountain Will Fall“ (Mass Appeal Records) auch keine Überraschung mehr: das US HipHop-Duo Run The Jewels mit den Rappern Killer Mike und El-P.

„Was dieses Album letztlich ausmacht, sind die ganzen neuen Einflüsse, die ich dafür einbezogen habe. Ich wollte mich wegbewegen von der Wahrnehmung als der ’Sample Guy’. Dies ist kein reines Sample Album“, berichtet Josh Davis über sein mittlerweile fünftes Album, auf dem auch der deutsche Pianist und Komponist Nils Frahm zu Gast ist.

Legendär sind auch die Liveperformances von DJ Shadow, einem audio-visuellen Gesamtkonzept, bei dem er seine Tracks an Turntables, Samplern und Effektgeräten live de- und re-konstruiert und das Ganze mit opulenten Visuals spektakulär umrahmt. Er ist und bleibt „the DJ’s DJ“.

Zack de la Rocha »Digging for Windows«

Während seine einstigen Rage Against the Machine Mitstreiter Tom Morello (Gitarre), Tim Commerford (Bass) und Brad Wilk (Drums) mittlerweile gemeinsam mit den beiden MCs Chuck D (Public Enemy) und B-Real (Cypress Hill) als Prophets of Rage durch die USA touren („Make America Rage again“), haut Zack de la Rocha den von Beat-Mastermind El-P produzierten Joint »Digging for Windows« raus.

El-P (Klub-K Heidelberg)

El-P ist die Speerspitze des Independent-Rap. Egal ob als langjähriger Rapper, Produzent oder Labelboss von Definitive Jux – immer wieder hat er Wege gefunden, um sich mit seiner Musik vom Mainstream abzusetzen. Mit seinem neuen Album „Cancer for Cure“ im Gepäck hat El-P eine ausgedehnte Europa-Tour gestartet, die den Kreativkopf mit seiner Live-Band auch nach Heidelberg führte.

Innovative Samples, fiese Basslines und knochentrockene Reime zeichnen das Album Funcrusher Plus aus, das El-Pmit seiner Company-Flow-Posse 1997 veröffentlichte. Heute zählt das kompromisslose Werk unter HipHop-Kennern zu den Meilensteinen der Rap-Geschichte. Aufgrund von Differenzen mit ihrem Plattenlabel trennten sich Company Flow um die Jahrtausendwende von Rawkus Records und lösten sich kurz darauf sogar auf. El-P gründete daraufhin sein eigenes Label Def Jux, das zu einer legendären Plattform für alternative Künstler erwuchs und namhafte Rap-Acts wie RJD2, Cannibal Ox, Murs, Aesop Rock, C-Rayz Walz oder Mr.Lif hervorbrachte. Wahlweise trat El-P in dieser Zeit als Produzent oder Gastrapper selbst in Erscheinung.

Fünf Jahre war es still um das Mastermind aus Brooklyn, New York, ehe im Sommer das lang erwartete Album Cancer For Cure erschien, für das El-P unter anderem mit Paul Banks von Interpol oder Nick Diamonds von der kanadischen Indieband Islands zusammenarbeitete. Unterstützt von einer Live-Band präsentierte der US-Rapper seinen neusten Streich im gut gefüllten Klub-K in Heidelberg.

Unverschämt Untergrund

Den Startschuss seiner unkonventionellen Performance legte El-P aka El Producto mit The Full Retard, einem Track, der nicht nur Dank des abgedrehten Videos bei YouTube schon über eine halbe Million Mal angesehen wurde. Trotz der ungewohnt großen Aufmerksamkeit klingt der Sound mit seinem kantigen Beat aus futuristischen Synthesizern und roughen Raps irgendwie unverschämt nach Untergrund-Avantgarde. Diese typische anti-Mainstream-Attitüde übermittelte El-P, der mit bürgerlischem Namen Jaime Meline heißt, bei seinem Auftritt immer wieder mit bodenständigen Statements und seiner kumpelhaften Aura.

El-P – The Full Retard

Drones Over Bklyn, Sign Here und For My Upstairs Neighbor (Mums The Word) waren weitere Stationen in El-Ps subversivem Soundgewitter, das er nach feinster Public-Enemy-Manier in einem klirrenden Elektro-Noise-Hagel ergehen ließ. Klassischen Oldschool-Flavor versprühte der progressive New Yorker zwischendurch mit einer Hommage an HipHop-Vorreiter wie Slick Rick und A Tribe Called Quest, ehe er mit seiner von Science-Fiction geprägter David-Lynch-Metaphorik und seinem lakonischen Straßenköter-Flow wieder zurück in die Zukunft beamte.

Fehlende Klassiker

Intensiv und bassgewaltig setzte der 37-jährige El-P seine Performance in Szene. Leider fiel der an Company Flow gewidmete Teil des Auftritts mit Vital Nerve äußerst kurz aus, so dass am Ende nach etwas weniger als einer Stunde schon Schluss war – ohne dass die obligatorischen Klassiker End to End Burners oder 8 Steps to Perfection überhaupt gespielt wurden. Schade.

Mr.Lif & Akrobatik (Cafe Central Weinheim)

perceptionistsVerfilzte Bob Marley-Matte und intellektuelle Brille sind die äußeren Erkennungszeichen von Jeffrey Haynes. Packt der kleine Mann alias Mr.Lif allerdings das Mic an, zeichnet er sich durch inhaltsschwere Reime und eine hoch politisierte Einstellung aus. Zusammen mit seinem Bühnenpartner Akrobatik und DJ Fakts One bildet er das dynamische Raptrio The Perceptionists, mit denen sich Lif zur Zeit auf gemeinsamer Euro-Tour befindet.

Steht im Café Central in Weinheim HipHop auf dem Plan, dann ist Plattenleger Mawdee zur warm-up Beschallung fest hinter den 1&2’s verankert. Verstärkung erhielt der Resident-DJ diesmal von den Freestylern Geronimo MC aus der Karlsruher Fächerstadt und Lookey Strike aus Heidelberg. Als frisch gekürter Battleking und Besitzer des „Golden-Mic“, das es jeden ersten Montag im Monat im eins-gegen-eins Duell im Cave54 zu gewinnen gibt, hat Lookey schon häufiger sein Improvisationstalent unter Beweis gestellt.

Als erster Act an diesem Abend erschien schließlich Eternia, ein kanadischer female-MC, der auch schon auf dem diesjährigen HipHop Kemp seine Skills präsentieren konnte. Für Fans des weiblichen Sprechgesangs sicher eine Attraktion, besonders die aktuelle Single Evidence vom Album It’s Called Life (2005) haftet sich mit einem eingängigen Beach Boys-Sample aus Good Vibration im Gehörgang fest.

AKROBATIK

Mit The Smile Rays aus Jacksonville durfte anschließend die eigentliche Perceptionist-Vorgruppe die Bühne betreten. Die Beats der Crew schraubt DJ Batsauce, das Gros der Rapparts steuert MC Therapy bei, während Daisey das Ganze gesanglich verstärkt. Durch den Einsatz verschiedener instrumentaler Elemente klingt der Sound der Smile Rays jazzig angehaucht bis experimentell. Mit einer ordentlichen Show präsentierte sich das Trio insgesamt als solide Vorband.

Zu fortgeschrittener Stunde erklommen dann Mr.Lif und seine muskelbepackte Perceptionist-Hälfte Akrobatik die Stage, um im gut gefüllten Central einen zeitlich relativ kompakten Auftritt zu zeigen. Für die zwei besonders talentierten Exemplare des Bostoner Sammelsuriums für hochkarätigen Underground-Rap, hat kein geringerer als das Mastermind El-P zirka zu einem Drittel der Album-Produktionen der Beiden beigetragen und das hochangesehene Black Dialogue (2005) gleich auf seinem hauseigenen Label „Definitive Jux“ veröffentlicht. Die gemeinsamen Tracks davon bildeten das Herzstück der Show, für Solotracks wurde bis auf Akrobatiks A To The K kaum Platz eingeräumt. Doch der von Illmind produzierte Banger hat es in sich und treibt jede noch so schwerfüßige Crowd an. Auch die Perceptionists-Fans im Central ließen sich heute mitreißen und feierten genauso das pumpende Blo und die Aufforderung Let’s Move ab.

lifMr.Lif, den wir von den Studioaufnahmen her wortgewaltiger und im Besonderen in einer tieferen Tonlage erwartet hatten, ließ durch seine emotionsgeladene Performance jeden skeptischen Gedanken vergessen. Perceptionists-Produzent und DJ Fakts One ließ neben bei nicht nur die Platten rotieren, sondern schaltete sich hin und wieder als Backup ins Geschehen ein. Den Höhepunkt markierte am Ende die Bush-kritische Anklage Memorial Day, mit dem der Wort-Akrobat und Lif ein dickes Ausrufezeichen hinter den von Barack Obama geforderten „Change“ setzten.

Andreas Margara (6. September 2008)