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17.04.18: Lord Finesse @ Karlstorbahnhof Heidelberg

Lord_Finesse-1

»Brothers better lounge when I pass through town
(You better recognize) Don’t know? Better ask around«

Fast drei Jahrzehnte HipHop hat Lord Finesse inzwischen auf dem Buckel. Als Kopf der New Yorker Super-Group D.I.T.C. ist er maßgeblich für den Boom-Bap-Sound der 90er Jahre mitverantwortlich. Smoothness zelebrierte Lord Finesse mit seinem butterweichen Rhyhme-Flow schon lange auf Beats bevor Kendrick Lamar die Grundschule besuchte. Auch auf die deutsche HipHop-Szene hatte er einen mehr als prägsamen Einfluss.

Einlass 20 Uhr / Beginn 21 Uhr
Eintritt AK 22€, VKK 18€ + VVK-Gebühr
Ticketlink: http://bit.ly/lordfinesse1704

Sein Erstlingswerk „Funky Technician“ schlug 1990 kräftig Wellen. Zwei Jahre später meldet sich Finesse mit „Return of the Funky Man“ zurück, weitere vier Jahre später folgt „The Awakening“, auf dem unter anderem der Evergreen Hip 2 da Game erschien. Dessen Instrumental gefiel Mac Miller so gut, dass er 2012 ungefragt in seinem Song Kool Aid & Frozen Pizza verwendete.

Als Producer arbeitete Lord Finesse unter anderem mit Szene-Größen wie Dr. Dre, Biggie und Big L. Dass seine Tracks auch heute noch erstaunlich fresh klingen, stellt er jetzt endlich wieder live unter Beweis. Im April verschlägt es ihn zum ersten Mal überhaupt nach Heidelberg. Im Gepäck hat Finesse keinen geringeren Turntablist als DJ Boogie Blind von The X-Ecutioners. Don’t miss!

Neues Video von A.G. (D.I.T.C.)

Mit neuer Haarpracht und extrem entspannt mit Blunt in der Hand präsentiert Andre the Giant von D.I.T.C. sein neues Video Off The Wall. Das Stück ist eine Hommage an die einflussreichsten Rapper in A.G.’s Leben. Gerade erst erschien mit Everything’s Berri (2010) sein neues Album.

A.G. – Off The Wall

O.C. & A.G.: „Oasis“

Vor geraumer Zeit haben sich die renommierten Rapper O.C. und A.G. zusammengetan, um das bedeutende New Yorker HipHop-Kollektiv D.I.T.C. mit dem gemeinsamen Album Oasis wiederzubeleben. Für Laien mag das nach einem wenig schmackhaften Akronym-Salat klingen, Liebhaber des 90er Boom Bap Sounds hingegen horchen hier erwartungsvoll auf. Nach dem Tod von Big L 1999 und der unglücklichen musikalischen Entwicklung Fat Joes, scheinen Omar Credle und Andre Barnes prädestiniert dafür zu sein, um die Diggin’ in the Crates-Truppe wieder zu altem Ruhm zu führen. Obwohl Buckwild und Diamond D bei diesem Spektakel leider nicht partizipieren, haben mit Show und Lord Finesse dennoch zwei der hauseigenen D.I.T.C.-Mitglieder als Produzenten für Oasis fungiert. Spätestens nach den Hardcore-Rapsalven und messerscharfen Cuts im Intro verfliegen dann auch die letzten Britpop-Melodien, die einem bei der Betitelung Oasis automatisch durch den Kopf rauschen. Mit Keep It Going knüpft direkt eines der besten Stücke des Albums an. Sowohl A.G. als auch O.C. gelingt es, die eingängigen Beats mit ihrem gewaltigen Slowflow zu kontrollieren. Überraschend enttäuschend hingegen sind die klanglosen Arrangements von Lord Finesse. Während Give It Back und Get Away von wenig Innovation zeugen, ist Alpha Males nichts anderes, als eine abgeschwächte Kopie von Hungry, das No I.D. 1997 bereits für Common genial inszeniert hat. Auch die Produktionen von E Blaze und A.G.’s langjährigem Gefährten Show sind extrem simpel gestaltete Loops, die nur wenig Freiraum für Abwechslung bieten. Nichtsdestotrotz liefern Andre und Omar mit Oasis druckvollen Boom Bap ab, der allerdings noch nicht genug Schlagkraft besitzt, um direkt an die glorreichen 90er Veröffentlichungen der D.I.T.C.-Clique anzuknüpfen.

Fat Joe: „J.O.S.E. 2“ (Jealous One’s Still Envy)

Joey Don’t Do It. Aber er hat es doch getan: mit Jealous One’s Still Envy 2 liegt nun schon die zweite Fortsetzung des Fat Joe Klassikers Jealous One’s Envy (1995) vor. Ungeachtet von Joeys musikalisch ohnehin fragwürdiger Entwicklung, hält dieser Longplayer keinesfalls das, was eine Fortsetzung von legendären Tracks wie The Shit Is Real oder Fat Joe’s in Town eigentlich verspricht. Wer hingegen auf Auto-Tune steht und gerne sinnfreien Clubsound in seinem Lowrider pumpt, der sollte sich das neue Album von Joey Crack unbedingt besorgen. Die Single Aloha, die es schon vorab als Videorelease zu sehen gab, ist mehr als bezeichnend für den Kurs der gesamten Platte. Im Video feiert der Fat Gangsta gemeinsam mit dem Akon-Abklatsch P Pleasure eine niveaulose Beachparty auf Hawaii, während im Hintergrund anspruchslos aneinander gereihte Synthesizer niederprasseln. Der echte Akon hat mit dem Stück One dann auch noch einen Auftritt auf J.O.S.E. 2, weitere Gäste sind Lil Kim, Lil Wayne und T-Pain. Allein für diese Auswahl sollte Fat Joe bei dem New Yorker Künstlerkollektiv D.I.T.C. einen Ausschluss auf Lebzeiten bekommen. Einziger Lichtblick in der Featureliste ist Raekwon, dem hingegen gerade die Fortsetzung seines epochalen Werkes Only Built 4 Cuban Linx gelungen ist, der auf Ice Cream allerdings auch nicht dazu in der Lage ist bedeutende Akzente zu setzen. Großen Anteil an der fehlgeleiteten Atmosphäre von J.O.S.E. 2 hat der nicht wirklich kreative Executive Producer Rico Love, der mehr Ohrenterror fabriziert als würdigen Sound für den Kopf der Terror Squad. Music ist am Ende das einzige Stück, auf dem sich Fat Joe nachdenklich präsentiert, der Rest ist eine ungenießbar aufbereitete Cocktailmischung, die für einen gewaltigen Kater nach dem Hören sorgt.

Andreas Margara (11. Dezember 2009)

A.G. & Party Arty (im Cafe Central Weinheim)

A.G.

Bei der Arbeit zu Lord Finesse’s Debütalbum „Funky Technician“ lernt A.G. (Andre the Giant) den Deejay und Producer Showbiz kennen. Sie schließen sich zusammen und veröffentlichen 1992 ihre erste EP „Soul Clap“. Wenig später erscheint mit der LP „Runaway Slave“ ein zeitloser Rapklassiker. Darüber hinaus setzt das Duo aus der Bronx auch die Kollaboration mit Finesse fort. Um diesen Künstlerkreis formiert sich mit den weiteren namhaften Mitgliedern Fat Joe, Diamond D, Big L, O.C. und Buckwild allmählich die legendäre New Yorker Diggin’ In The Crates Crew. Als erste Soloscheibe in Albumlänge erscheint von A.G. 1999 „The Dirty Version“, sieben Jahre später legt er mit Get Dirty Radio“ nach. Es ist an der Zeit, dass sich der D.I.T.C.-Giant Andre Barnes mal wieder auf einen seiner äußerst seltenen Europabesuche begibt.

Das optimal gefüllte Cafe Central erweißt sich dabei einmal mehr als perfekte Location und bietet einen ansprechenden Rahmen für HipHop abseits des Mainstream. Die Erwartungen an den Auftritt sind heute spürbar hoch, da A.G.’s Stellung im HipHop einen besonderen Status einnimmt und er inhaltlich oft gegen Rap-Ausverkauf schießt. Nicht umsonst zählt er wegen seiner realen Attitüde zu den am meist gesampleten Emcees: „Showin’ all these corny motherfuckers what hiphop supposed to sound like…”

Nach kleinem Deejay warm-up mit MoeRockZ zeigt sich relativ spät erst der Support Act 950 Plus aus Orlando. Musikalisch von Reggaton und garderobentechnisch massiv von Glitzermode beeinflusst, erweist sich die aufgedrehte Latino Connection eher als Fehlschlag für den Start. Die Crowd, die sichtlich von Kopf bis Fuß auf knochentrockenen Underground Rap eingestellt ist diskreditiert das Duo auch weitgehend und hält sich mit der Partizipation noch sehr zurück. Die nächste Enttäuschung ist DJ D-Flow, der kaum nachkommt die gebrannten CD’s im Player zu wechseln. Erster Lichtblick dann, als dessen Ghetto Dwella Partner und Powerpaket Party Arty aka P. 80 aus dem Backstage auf die Bühne stürmt und gewaltig abrockt. Die anfängliche Begeisterung über die authentisch aggressive Live-Membran reißt allerdings auch hier schnell ab, da trotz der mittlerweile vier Mann auf der kleinen Bühne alles im Voll-Playback von CD abgespielt wird. Eine fake Rapshow vom feinsten!

A.G. of DITC

Gerade in dem Augenblick, als man mit dem Gedanken spielt das Szenario schnellstmöglich zu verlassen, drückt D-Flow erneut die Playtaste und das von Jake One produzierte Instrumental von If I Wanna läuft ein. Dazu erscheint der kleinwüchsige Riese aus der Bronx. Die Rettung?

Die A.G. Tracks sind live und die Menge steigert sich um fast 100 %. Der nächste Song Frozen ist wieder vom Album „Get Dirty Radio“, den kein geringerer Produzent als Madlib verwirklicht hat. Leute mit Show & AG Shirt haben Glück und werden eingeladen die Show nun von der Bühne aus mit kühlem Bier zu verfolgen. A.G. ist derweil fleißig am D.I.T.C. repräsentieren und lässt sich alle Crew Mitglieder aufzählen. Gewidmet wird die Feier natürlich auch dem verstorbenen Big L. Trotz der hin und wieder kritischen Kontrolle auf Playback ist die Stimmung jetzt auf dem absoluten Höhepunkt. Eingeleitet mit dem Night Time Mix von Next Level folgt ein ausführliches Showbiz & A.G. Medley das es in sich hat und die Gehörgänge ordentlich durchwäscht. Textsicher kann das Publikum bei Fat Pockets mitwirken, nach einem ordentlichen Soul Clap wird der gleichnamige Track der EP gespielt.

Party Arty

Als Folge einer weiteren offensichtlichen Playback Performance von P. 80, ertönen anschließend neben vermehrten Buuh!-Rufen auch laute Fuck the Playback!-Schreie aus den letzten Reihen. Daraufhin eilt A.G. mit dem Mic bis nach hinten um im direkten Angesicht zu beweisen, dass er live performt. Eine ehrenvolle Aktion, die aber nichts daran ändert, dass das Publikum durch das komplette Playback der anderen Rapper um sein Geld gebracht wird. Das ist schon gar nicht zu akzeptieren, wenn man sich auf der Tour im Untertitel mit angeblichen Oldschool Mic Skills brüstet. Nächstes Beispiel sind die Acapella vorgetragenen Reime, die zwar als improvisierte Freestyles bezeichnet werden, seltsamerweise dann aber von einem Back-up Emcee gedoublet werden. Das unterstreicht die Arroganz, die amerikanische Acts in Europa leider zu häufig an den Tag legen. Da bei Rap-Auftritten anstrengende Tanzchoreografien wie im Pop ausbleiben, sind Voll-Playbacks auf keinen Fall zu rechtfertigen. HipHop lebt und fällt mit der Show und den Improvisationen eines Live-Emcees. A.G. hat sehr viel für HipHop getan und sollte da mit seiner Erfahrung ein Vorbild sein. Auch klar ist allerdings, dass ein Party Arty mit seiner enormen Stimmgewalt allerhöchstens einen einzigen Tourtermin durchsteht.

Als nächster Track folgt mit A Giant By Design wieder Material vom neuen Album. Die Trackauswahl ist heute ausgesprochen gut und auch die Emcees zeigen sich engagiert der Menge einzuheizen. Zum Schluss gibt’s noch einen D.I.T.C. Allstar-Track bevor alle Beteiligten wieder in der Zauberkugel verschwinden. Statt der gewohnten Abmoderation der Playback Show durch Mareike Amado erscheint dann überraschend nochmal DJ MoeRockZ, um echte Turntable Skills zu präsentieren. In einem an den Auftritt anschließenden Gespräch äußert A.G. nochmal Verständnis für die Unzufriedenheit einiger Konzertbesucher und entschuldigt das Ganze mit Stimmproblemen. Obwohl man sich sicher mehr von dem Auftritt eines A.G.’s gewünscht hätte, kann man doch nicht ganz unzufrieden den Heimweg antreten.

Nachtrag: Party Arty ist am 4. Dezember 2008 verstorben (Rest in Peace!)

Andreas Margara (6. Mai 2007)

Party Arty (R.I.P.) – Everyday

A.G.: „Get Dirty Radio“

ag_getdirtyradioEbenso wie man als Football-Fan in New York nicht an den Giants vorbeisehen kann, ist es wortsportlich gesehen unmöglich den South Bronx Lyricist A.G. aka Andre the Giant einfach außer Acht zu lassen. Denn zusammen mit seinem an Produktionsskillz reichlich gesegnetem Partner Showbiz, stellt er einen undenkbar wichtigen Einfluss für zahlreiche Rapper weltweit dar. Den Grundstein legt das dynamische Duo 1991 mit ihrer ersten EP-Veröffentlichung „Party Groove/Soul Clap“, ehe ein Jahr später mit dem ersten Long Player namens „Runaway Slave“ gleich fulminant nachgelegt wird. Als Teil der D.I.T.C. (Diggin’ In The Crates) Crew um Rapgrößen wie Lord Finesse, Diamond D, Fat Joe, O.C., Big L (R.I.P.) und Buckwild reift der Style von Show & A.G. für die weiteren Meilensteine „Goodfellas“ 1995 oder dem ersten Solo Album Andre’s „The Dirty Version“ von 1999.

Ende 2006 steht nun mit „Get Dirty Radio“ der nächste Solo Joint von A.G. in den Läden. Gleich beim einleitenden Track Frozen darf Beatbastelgenie Madlib vom Stones Throw Label sein Know-how präsentieren, dazu aussagekräftige A.G. Lines im Stile von: […]“born in 7ths month, even my mom couldn’t hold me“[…]. If I Wanna, das mit einem eingängigen Piano Loop und mächtig Bassline von Jake One arrangiert wurde, markiert dann gleich das erste absolute Highlight der Platte und wird sich selbst im oberen Volumebereich erst richtig gerecht.

Während A.G. gekonnt mit seinen Versen zur Schau stellt, dass er am Mic überhaupt nichts von seiner Freshness eingebüsst hat, lässt Madlib im dritten Track erneut die Beats knocken. Gefeaturet werden hierbei Aloe Blacc und Party Arty, aus dem unmittelbaren D.I.T.C. Umfeld, wobei nun schon zum zigsten Mal Big L als Vocal-Cut zu hören ist. Etwas erschreckend dann, als klar wird, dass für A Giant By Design tatsächlich Boy George und sein Culture Club mit Do You Really Want To Hurt Me als Sample dienen. Einen tieferen Blick in DJ Designs Plattenkiste möchte man sich da vielleicht lieber ersparen. Im Endeffekt erscheint der Track im Gesamten dann doch noch als recht abgerundet, leitet aber eine kleine Tiefphase des Albums ein und kann das bisher sehr hohe Level nicht halten. Steil aufwärts geht es dann erst wieder mit dem nächsten Stück, welches auch wieder von DJ Design produziert wurde: Triumph.

Das Ende des Albums gestaltet sich mit eingängigem Lord Finesse Beat zu We Don’t Care und Show’s Soundkonstruktion mit Streicher Loop zu The Struggle wieder klar in der obersten Niveaustufe. Auch der verstorbene J Dilla ist mit einer qualitativ gewohnt hohen Produktion gefeaturet, auf der A.G. die Spuren des HipHop durch die Verkettung einprägsamer Rapzeilen verfolgt und aufzeigt. Krönender Abschluss nach den gecutteten Shout Outs bildet DJ Designs Neuarrangement vom Klassiker Next Level. Ansprechend-pumpende Beats und dazu klassischer Eastcoast Rapstyle machen das Album zu einem richtig guten Gesamtwerk, das auf jedenfall zu empfehlen ist.

Splash! 2006 (in Chemnitz)

seeedAm 4. August startete mit dem Splash! in Chemnitz bereits zum neunten Mal das größte HipHop und Reggae Festival Europas. Location hierfür war wie immer das Festivalgelände am Stausee Rabenstein. Nachdem sich im Jahr zuvor vor allem Gummistiefel an Stelle von hellen Sneakern bewährt hatten, versprachen die Wettervorhersagen diesmal trotz bewölktem Himmel angenehmstes Festivalwetter für das Wochenende. Wer rechnet auch schon mit Sintflut-artigen Regenströmen Anfang August?

Zu schönstem Sonnenschein am Festivalvortag hieß es dann Zelt aufbauen, um bei ersten „Helga“-Rufen die gute Stimmung auf den Campingplätzen aufzunehmen und zu genießen. Getrübt wurde die Laune hier und da nur durch die Massenpräsenz der Securities, welche sich wie Ruff Ryders auf ihren Quads über das Gelände bewegten, um verbotene Promo-CD’s, Cans oder Flyer einzukassieren und Platzverweise anzudrohen und zu erteilen. Wohl kaum ein Grundgedanke der auf Kommunikation ausgerichteten HipHop Philosophie.

Freitags eröffneten dann Snaga & Pillath musikalisch das Splash!, wobei Olli Banjo gegen Nachmittag wohl das erste Highlight der bisherigen Festivitäten darstellte. Maeckes & Plan B durften dann zeitgleich mit Prinz Pi performen, ehe mit Keith Murray der erste große US-Act auf der Mainstage anstand. Unterstrichen von immer wieder aufkommenden Regenschauern standen dann die Detroiter Rapper von Slum Village auf der Bühne, natürlich um J Dilla zu widmen und eine bunte Mischung an Tracks von all ihren Alben zu spielen. Höhepunkt des nicht gerade ausgefeilten Auftritts markierten Things You Do und der Titel I Don’t Know, bei dem sonst der ebenfalls bei diesem Splash! beschäftigte Jazzy Jeff gefeaturet wird. Dann die Timetable Änderung auf der Mainstage, bei der die Youngbloodz D4L ersetzten. Auf der MZEE Stage startete unterdessen „His Madnezz“ Pal One aus Mannheim durch, während sich der Topf mit Liveband auf der Hauptbühne schon einreimte. Blumentopf, die zweifelsohne zu den besten Live-Crews in Deutschland gehören, lieferten eine gewohnt gute Performance mit Freestyleeinlagen ab. Neben den obligatorischen Partytracks, wie Party Safari, gab es auch Horst vom neuen Album zu hören. Getoppt wurde das Ganze allerdings problemlos von der darauffolgenden elfköpfigen Seeed Posse von der Spree. Bei den roten Outfits angefangen bis hin zum besonders pumpenden Basssound, der sich von allem bisher auf dem Splash! dargebotenem deutlich absetzte, stimmt bei der Show der Jungs alles. Ob Aufstehn!, Schwinger, Tight Pants, Ding oder die Zugabe Dickes B, die Dancehall-Caballeros ließen keinen ihrer Hits aus und gaben dazu gleich nochmal zahlreiche Rewinds und Remix Versionen zum Besten. Grund genug den Abend danach im trockenen Dancehall Tent bei Phlatline Sound aus Chemnitz, Soundbwoys Destiny und Soca Twins ausklingen zu lassen, da das Coke dj-culture Tent mit Jazzy Jeff und Mad Skillz komplett aus allen Nähten zu platzen drohte.

Bei einer frischen Brise Regen begann der Samstag für uns dann mit dem dänischen ONE-MC-ONE-DJ Power-Team Static & Nat Ill. Zuvor hatten dort schon die Asphaltliteraten komplett in schwarz gekleidet für satanischen Flair gesorgt. Um so himmlischer harmonierten dann Stat und Nat, die sich wie gewohnt in absoluter Topform präsentierten. Danach folgte das MZEE Freestyle Battle, moderiert vom cholerischen Royal Bunker Chef Staiger. Das Reimniveau pendelte allerdings zwischen schwach und mittelmäßig hin und her und plätscherte wie der endlose Regen vor sich hin. Scratch von der Roots Crew beatboxte sich währenddessen munter auf der Mainstage den Applaus des Publikums herbei. Nächster Höhepunkt an diesem Tag war die Saian Supa Crew, die nicht umsonst ein Dauerabo zur mitreißendsten Live-Crew in Europa hat.

splash2

Nicht untypisch für diesen extrem verregneten Tag erscheint dann, dass Curse Sinnflut nicht gegen den starken Regen ankommt und nur wenige Zuschauer vor die Bühne lockt. Als die in Splash!-Müllsäcke eingepackten Juelz Santana Fans dann noch die Nachricht ereilt, dass jener in diesem Jahr nicht performen wird, ist das Unglück perfekt. Das änderte jedoch nichts an Gentlemans guter Laune, der mit seiner Far East Band und seinem jamaikanischem Patois für positive Vibrations sorgte und einen sehr gelungenen Auftritt, unter anderem mit Dem Gone und Leave Us Alone, ablieferte. Am Ende tauchte noch D-Flame aus der Frankfurter Nordwest Stadt als Special Guest für zwei kleine Features auf, ehe das Feld für Fat Joe geräumt wurde. Überrascht davon, dass Fat Joe sogar Tracks von seinem ‘93er Album Represent (Flow Joe) abfeiert, ging der Abend dann für uns erneut im kuschlig-trockenen Ragga Tent bei Pow Pow Movement und Soundquake Soundsytem zu Ende.

Sonntag: Sieben Uhr früh, in unserem Zelt steht das Wasser Zehn cm hoch. Alle Klamotten, Schlafsäcke und Handtücher sind nass. Überall sind Matsch und eingesunkene Gummistiefel zu sehen. Die Meisten Festivalbesucher reisen in Katerstimmung und in immer weiter strömendem Regen ab. Ein Vergleich zu Woodstock behalte ich mir zwar vor, aber matschiger kann es wohl kaum gewesen sein. Wie die Kollabo bei splash! meets classic oder die Auftritte von Booba, Texta, Joy Denalane, Jan Delay, Fiva & Radrum an diesem Tag noch ausgesehen haben,  weiß ich deshalb leider nur vom Hörensagen.

Andreas Margara (21. August 2006)