Kategorie: Breakbeat

DJ Shadow (Alte Feuerwache Mannheim)

Die Welt ist eine Scheibe – alles im Leben von Josh Davis dreht sich um das schwarze Vinyl. Besser gesagt lässt er das Vinyl drehen, wenn er als DJ Shadow an gleich vier Plattentellern steht und auflegt. Obwohl seine Musik häufig als experimenteller Instrumental-HipHop bezeichnet wird, passt der Kalifornier in keine Schublade. Umso besser scheint sein Sound aber in eine Kugel zu passen, in der er sich bei seinem Set in der Alten Feuerwache in Mannheim präsentierte. 

DJ Shadow wuchs in einer Ära auf, als dem DJ innerhalb der Rap-Gruppe noch eine ganz besondere Bedeutung beigemessen wurde. Zum Maßstab für den Vinyl-Junkie wurden Plattenleger wie Jam Master Jay (Run DMC), Terminator X (Public Enemy) oder Eric B (Rakim), die alle Turntablism als Kunst betrieben. Von daher verwundert es nur wenig, dass DJ Shadow das Publikum in der Alten Feuerwache am heutigen Abend zunächst wie ein Theaterschauspieler begrüßte und viel Spaß mit der Vorstellung wünschte, ehe er in einer geheimnisvollen Zauberkugel verschwand, die auf der Bühne installiert war. Unterstützung bekam Shadow von einem Techniker, der einzig für die anspruchsvollen Visualisierungen mit angereist war. Mit diesen wurden ein Backdrop und die schneeweiße Kugel abgestimmt zu den Klängen bestrahlt – ein audiovisuelles Happening, das vom Farbenspiel her einem LSD-Rausch in nichts nachstand.

Musikalisch ist DJ Shadow nur schwer auszumachen, da er sich keinen Einflüssen verweigert und von Dub, HipHop, Rock, Funk bis hin zu Schnipseln aus Filmen und Soundtracks alles querbeet in seinen hauptsächlich auf Samples basierenden Stücken mit einbaut. Für sein Debütalbum Endtroducing (1996), das auf dem scheuklappenfreien Label Mo’Wax erschien, erhielt er mit nicht weniger als 500 verwendeten Samples sogar einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde. Das Werk gilt als Meilenstein des Instrumental-HipHops. Heute wurde das Mannheimer Publikum Zeuge, wie der „King of Diggin“ – in Anspielung auf seinen siebten Sinn die richtigen Samples auszugraben – live mit den Versatzstücken von Rage Against The Machine, James Brown, Bob James, Pink Floyd und natürlich vielen Rap-Classics arbeitete.

Neben seinem Equipment, das in der Regel aus zwei MPC 3000, vier Plattenspielern und einer Korg Triton (Synthesizer-Workstation) besteht, hatte DJ Shadow heute noch ein Schlagzeug in seiner Kugel, mit dem er ab und an ein paar der Drums live einspielte. Die drehbare Kugel gewährte entweder auf der einen Seite Einblicke auf DJ Shadows Plattenteller oder wurde von einem Videobeamer bestrahlt, dann verschwand der DJ und die Kugel drehte sich auf die andere Seite. Obligatorische Scratch-Routines und messerscharfe Cuts zeichnen die Sets des 38-jährigen aus. Musikalisch zog Shadow das Tempo allmählich an und beschleunigte die BPM auf mehr als die im TripHop üblichen 80 Schläge, so dass die Party bald schon einer Drum’n’Bass Veranstaltung glich. Zwischendurch musste man sich immer wieder vor Augen führen, dass hier nur ein Mann allein agierte, der aber phasenweise wie ein komplettes Soundsystem klang und von der vollen Halle wie eine Rockband abgefeiert wurde.

Wie der Mann aus Kalifornien verkündete, ist sein neues Album The Less You Know The Better bereits abgemischt. Um seiner unkonventionellen Arbeitsweise treu zu bleiben wird das Werk in einer geremixten Version zunächst auszugsweise als EP (Gotta Rokk) veröffentlicht. Erste Kostproben präsentierte DJ Shadow bereits am heutigen Abend. Mit seinem eindrucksvollen Mash-up-Set stellt Shadow jegliche Konventionen in den Schatten. Haufenweise Breaks und Improvisationen an den Decks, die Davis wie ein Instrument beherrscht, zeigen die Möglichkeiten und Kunstform des Turntablism auf. Nach der Zugabe wartete mit DJ Shortkut von den Beat Junkies bereits der nächste Turntable-Techniker für die Aftershow-Party auf. Die Welt ist eine Scheibe. Oder vielleicht doch eine Zauberkugel?

DJ Shadow (Auszug aus Scratch)

LTJ Bukem & MC Conrad (Halle02 Heidelberg)

lth_bukemLTJ Bukem ist der Superstar unter den Drum’n’Bass Deejays. Zum festen Inventar bei seinen beliebten Live-Performances gehören zwei Turntables und sein treuer Weggefährte MC Conrad – ein volles Haus ist ohnehin garantiert, wenn er gebucht ist. Mit seinem atmosphärischen Sound, bei dem sich die rasselnde Bassline entspannt über die jazzigen Wurzeln lehnt und bis in soulige Gefilde vordringt, erreicht das Mastermind ein breites Publikum, das sich auch aus Bewunderern abseits des Jungles zusammensetzt.

Nach einjähriger Abstinenz, meldeten sich Bukem und Conrad nun wieder für eine exklusive Deutschland-Session in Heidelbergs Halle02 aus dem United Kingdom zurück. Relativ zeitig betrat der Mann mit der extravaganten Brillenkollektion gegen 1 Uhr die Bildfläche. Nachdem Mic-Titan Conrad seine gigantische Statur mit einem lässig geschulterten Handtuch geschmückt hatte, konnte die Show starten. In ungewöhnlicher Weise zogen es die beiden Akteure dabei vor, von einer völlig abgedunkelten Bühne aus zu agieren. Das Spotlight war allein auf die Tanzfläche gerichtet, welche die aus den verschiedensten Himmelsrichtungen angereisten Jungalists für ihre wilden Tänze als Manege nutzen konnten.

Als Vertreter des Atmospheric Drum’n’Bass gelingt es LTJ immer wieder, live einen ganz besonderen Partyvibe zu kreieren, bei dem die verschiedenen Stilrichtungen zu einem durchdringenden sphärischen Klima zusammenfließen. In perfektem Zusammenspiel mit Conrad, der das Ganze mit seinem ureigenen MC-Skills übersät, erklingt dadurch ein spezieller Sound. 1991 hat Bukem in London – der Heimatstadt des Breakbeat – das für die Szene bedeutungsvolle Label „Good Looking Records“ gegründet und damit eine Plattform für seine Produktionen geschaffen.

458Die buntgemischte Feiergemeinde steht an diesem Abend sinnbildlich für die experimentierfreudigen Klangfarben aus Bukems Plattenkoffer, mit dem er problemlos jedes Tanzbein in Bewegung setzt. Bekannt ist der Londoner für seine extrem ausgedehnten Sets – auch heute umgeht der Zeiger fast drei Runden auf dem Ziffernblatt.

Mit seinen 41 Jahren beweist der Vater der Progression Session heute einmal mehr, dass er ein äußerst routinierter Club-DJ ist, dessen leichteste Übung es ist, die Menge mit lockerem Liquid Jazzstep ordentlich zum schwitzen zu bringen. Alles in allem hat Bukem eine perfekte Selection gemixt, bei der Conrad sich teils passiv zurückgenommen und dafür in den richtigen Augenblicken von seiner Qualität Gebrauch gemacht hat. Zwei Vollprofis, die ihr Handwerk astrein beherrschen.

Andreas Margara (7. Juni 2008)

Luna C (Rude 7 Mannheim)

bild3Mit der Gründung des legendären „Knite Force“-Plattenlabels 1992 und seinen stilprägenden Veröffentlichungen im Happy- und Hardcore-Breakbeat, hat Luna-C maßgeblichen Einfluss auf das derivative Drum’n’Bass-Genre ausgeübt. Von England bis nach Japan hat das rare „Knite Force“-Vinyl längst Kultstatus und wird bei Internetauktionshäusern auf bis zu dreistellige Beträge hochgehandelt. Mittlerweile lebt der Brite mit dem wertvollen Plattenkoffer in den USA, doch es gelang der Mannheimer Irie Bizness Crew, ihn für eines seiner seltenen Live-Sets zu buchen.

Für den lokalen Support im Rude7 sorgte die Irie Bizness Crew selbst und ließ die Deejays Flip und Double M zu anfangs die Nadeln in die Rillen legen. Als kleines Gimmick am Rande wurden die – aus allen Himmelsrichtungen angereisten – Oldskool-Jungalists dazu mit der Zeichentrickfilmübertragung des Dschungelbuchs verköstigt. Gegen halb Zwei übernahm dann der kahlrasierte Luna-C die Decks, um die Mannheimer Massive mit einem zweistündigen Set bis zur Ekstase zu animieren. Die Frage, ob Luna den musikalischen Schwerpunkt auf seine neuesten Produktionen – die eher härteren Kalibers sind – oder auf die klassischen Happy Breakz legt, beantwortete der Jungalistic Man relativ schnell mit einer erlesenen Plattenwahl aus den frühen Neunzigern. Die schnellrasselnden Drumparts steuerte sogar der eigens für die Show engagierte Live-Drummer Drumstick von den Iries bei.

901662868_l1Hold Your Hands To Heaven und Aphrodite’s Ready or Not-Tune in der Drum’n’Bass-Version, bildeten den schweißtreibenden Auftakt des Auftritts. Hände-in-die-Luft war fortan ohnehin Programm. Natürlich durfte auch die ehrwürdige Piano Progression in Lunas Set nicht fehlen. In nahtlosen Übergängen schloss sich ein Klassiker an den Nächsten an und der Zeitreise zu den ersten Jungle-Partys in den Neunzigern stand nichts mehr im Wege. Sogar vor Manu Chao und Nirvana machte Luna nicht halt und ließ die Snare kompromisslos über die adaptierten Vocals rollen.

Klirrende Drumsamples, schnelle Pianoparts und eine gepitchte Frauenstimme sind das ultimative Knite Force Rezept, bei dem kein Tanzbein mehr stillstehen bleibt. 6 Days von Jimmy J & Cru-L-T und Perfect Dreams von DJ Force & The Evolution, markierten schließlich das Highlight der überragenden Auswahl des Ex-Freunds der Oldskool-First-Lady DJane Simone.

bild11Doch vorbei war die Oldskool-Party noch lange nicht, denn mit dem bewährten Gespann Shar-Pei & Systec standen gegen kurz nach Drei schon die Nächsten Deejays in den Startlöchern. Mit ihren eindrucksvollen Breakbeat-Sets können sich die Beiden problemlos mit den englischen Top-Acts messen. Als Inhaber des Labels Dragon Technicals Records sorgen Shar-Pei & Systec exklusiv für die mittlerweile seltenen Produktionen nach klassischem Muster. Letzter in der Bedienungsreihe der 1210er war P.o.D, der zum Ausklang noch ein letztes Set servierte.

Am Ende bleibt eine fast durchweg positive Oldskool-Party zu resümieren, die von der super Stimmung und dem hervorragenden Line-Up getragen wurde. Einzig die dilettantisch waltenden Türsteher des Rude7 erwiesen sich einmal mehr als Partybremse, indem sie unter anderem anstandslos WC-Türen aufbrachen und andere fragliche Aktionen durchführten.

Andreas Margara (11. Mai 2008)

milk: jetzt! (im Rude 7 und 7er Mannheim)

milkIm Jubiläumsjahr der Stadt Mannheim expandiert die TDK Time Warp von der ultimativen Techno-Party zu einem einwöchigen internationalen Festival für Jetztmusik und Medienkunst. Zum Auftakt am 24. März, hatten sich die Organisatoren daher etwas ganz besonderes überlegt: unter dem Namen milk: jetzt!, wollten sie den legendären Mannheimer milk! Club wieder auferstehen lassen. Zwar wurde hierfür die Location aus dem ursprünglichen Keller unter der Fußgängerzone Planken in das Industriegebiet auf die beiden Clubs 7er und Rude7 verteilt, doch versammelte sich nun erstmals wieder die Originalbesetzung hinter den Plattentellern. Den House und Techno Floor im Rude7 teilten sich somit Groover Klein, Seebase und D-Man, auf dem Oldskool Floor im 7er ließen die DJ’s Bassface Sascha, Tobi & Jonathan das Vinyl rotieren.

Das milk! wurde 1990 in Mannheim gegründet, als sich Techno und elektronische Musik unaufhaltsam auf dem Vormarsch in Deutschland befanden. Allerdings konnte man zu anfangs noch nicht mit der Anziehungskraft vom Club Omen in Frankfurt mithalten, in dem Sven Väth’s erfolgreiche Techno-Partys stiegen. 1992 gelang schließlich dennoch der überregionale Durchbruch, nachdem sich das DJ-Team aus dem milk! zunehmend auf den neuartigen Breakbeat Sound von der Insel konzentrierte und die ersten englischen Größen der Szene buchte und präsentierte. Es folgten bahnbrechende Partys, die Musikstilen wie Jungle und Drum’n’Bass den Weg nach Deutschland ebneten. Das milk! war zum Publikumsmagnet einer neuen Jugendkultur avanciert und wurde auf dem Höhepunkt sogar vom Groove Magazin zum Club des Jahres gekrönt. Negative Schlagzeilen blieben aufgrund der steigenden Drogendelikte dennoch nicht ganz aus.

Zurück ins Jahr 2007. Wird es auf der milk: jetzt! den Sound von damals zu hören geben oder liegt der Schwerpunkt doch eher auf dem jetzt? Das war die Frage, die kurz vor der Eröffnung zu Recht von allen heiß diskutiert wurde. Denn schon immer haben sich die Macher des milk! zum Ziel gesetzt den Sound an den Puls der Zeit, beziehungsweise vor der Zeit, auszurichten. Fest steht: Das milk! von gestern ist Geschichte, die Menschen von damals aber sind wieder vereint.

dj_tobi_thru_headphoneGenau so setzt sich das reifere Publikum an diesem Abend auch zusammen. Oldskool-Raver und jede Menge milk!-Schnitten von damals. Der Weg führt über den größeren und etwas schlichter gestalteten Floor im Rude7, der fest unter Kontrolle von Holger „Groover“ Klein ist, hinein ins 7er direkt nebenan. Hier ist eine beachtliche, für Time Warp Verhältnisse aber übliche, Laser-Show zu sehen und erste ältere Breakbeat Scheiben ertönen durch die Anlage. Tobi & Jonathan stehen gemeinsam hinter den Decks und harmonieren so, als hätten sie nie aufgehört zusammen aufzulegen. Andauernd sieht man, wie alte Bekannte die Bühne betreten und die beiden begrüßen. Die Gesichter strahlen und das besondere Flair des Abends macht sich breit. Trotzdem ist die Stimmung auf den beiden Floors grundverschiedenen. Höhepunkt dann in der Oldskool Area, als „Bassface“ Sascha Dürk auf der Stage erscheint und sein Oldskool-Set beginnt. Die rauchenden Drums und rollenden Bässe verziert er mit allerhand DJ-Skills aus dem HipHop-Bereich. Häufige Scratches und wiederholte Breaks treiben die Crowd kontinuierlich an. Auch bei dem Icon Resident-DJ überwiegt eindeutig der Spaß beim Auflegen. Oft wechselt er sich mit Tobi ab oder lässt sich Platten von Jonathan zuspielen. Selten sieht man DJs so engagiert und motiviert wie Bassface Sascha beim heutigen Set. Das Publikum dankt es ihm und feiert gehörig ab.

Pünktlich zur Umstellung auf die Sommerzeit ertönen dann auch schon die ersten Happy Breakbeats. Hochgepitchte Vocal-Samples, schnell eingespielte Schlagzeugrhythmen, dazu funky Versatzstücke und Drum-Loops im oberen bpm-Bereich dominieren nun die Klangkulisse. Hold your hands to heaven ist nur der erste von vielen Klassikern, die fortan für eine noch ekstatischere Atmosphäre sorgen. Jetzt steht Tobi wieder an den Tellern, um der Menge Baby D’s Let Me Be Your Fantasy zu servieren. Gänsehaut Atmosphäre und die Party scheint kein Abriss zu nehmen.  Die „verlorene“ Stunde der Zeitumstellung wird anschließend noch bis gegen Acht Uhr morgens nachgeholt, ehe die rauschende Eröffnungsparty langsam ausklingt.

Neuere Stücke bleiben in dieser Nacht weitgehend aus, so haben sich das die meisten Oldskool-Heads wohl auch erhofft. Entgegen aller Kritik im Vorfeld ist die Party ein voller Erfolg und schon das erste Highlight der TDK Time Warp Festivalwoche. Anlässlich der 400-Jahrfeier der Stadt Mannheim wird es in den kommenden Monaten auch noch eine limitierte milk! EP auf dem Mannheimer Hardcore Breakbeat Label Dragon-Technicals-Records zusammen mit Redagain P, Bassface Sascha & Groover Klein auf 12″ Vinyl geben. Watch out!

Andreas Margara (30. März 2007)

Baby D (in der Halle02 Heidelberg)

baby_d:e:Motion returns to Heidelberg! Zum dreijährigen Bestehen der Drum’n’Bass Partyreihe :e:Motion haben sich die Veranstalter einen ganz besonderen Leckerbissen kommen lassen: Die legendäre Oldskool Crew Baby D aus London sollte ein Live-Set mit absoluten Klassikern in der Halle02 zum Besten geben. Hits wie Let Me Be Your Fantasy, Casanova, So Pure oder I Need Your Loving sind wohl jedem ein Begriff. Also, Zeit für alle Oldskool Lovers aus den Löchern zu kriechen, um zum ersten Pflichttermin 2007 zu erscheinen.

Versüßt wurde das Ganze auf dem Main Floor mit Selections von London’s Number One Oldskool DJ SQUIRREL und gleich dem nächsten Londoner DJ D-M-S. Außerdem waren E.Decay und TEEKAY aus dem benachbarten Mannheim, sowie DEFNOYZ aus der Fächerstadt hinter den Tellern am Start. Als MC’s waren DEEMAS J, NINO, Micro und die Ragga Twins aktiv. SINISTA als Host des Abends.

Auf dem zweiten Floor, der Drum`n`Bass Arena, legten Funky Flirt aus London und die im Rhein-Neckar-Kreis hier üblichen Verdächtigen E.Decay, J Frequency, Freeze und Jan Sirup auf. Als Willkommenspräsentchen, wie es sich für eine ordentliche Geburtstagsparty gehört, gab es Glowsticks und Horns geschenkt. Mit den Video Screens und der Lasershow waren die Rahmenbedingungen damit perfekt und der starke Menschenauflauf erbrachte den Rest. Bei cooler Atmosphäre und mit gutgelaunten Partypeops konnte es also losgehen.

Von überall scheinen die Bässe der Drums zu rühren und auf dem Oldskool Floor erklingen Klassiker wie 4 O’Clock In The Morning. DJ D-M-S liefert ein astreines Set ab, Baby D’s Ur-MC Nino teilt sich hier mit MC Micro die beiden Mics. Dennoch warten irgendwie alle neugierig auf das Erscheinen von Dorothy Fearon, dem Frontbaby der legendären UK-Crew. Vor 15 Jahren wurde der damalige Underground Hit Let Me Be Your Fantasy bei Production House Records veröffentlicht. Doch erst nach seinem re-release 1994 bei London Records gelang damit in unabgewandelter Form der Durchbruch auf Platz Eins der UK-Charts.

Um kurz vor Zwei ist es dann soweit. Zum ersten Mal treten Baby D in Deutschland auf. Die Main Arena füllt sich komplett und von überall ertönen die Horns. Aus dem Publikum tritt Dorothy Fearon auf die Bühne. Pure Emotionen, wie es die Veranstaltungsreihe verspricht. Gleich der erste Tune ist I Need Your Loving und die Halle02 wirkt wie eine Zeitmaschine. Danach kommt Take Me To Heaven. Dorothy’s Stimme ist sehr klar und eignet sich optimal für die Live-Performance. Während die besondere Stimmung kaum abreißt, ist es danach endlich an der Zeit für Let Me Be Your Fantasy. Ausnahmslos jeder beteiligt sich und alle feiern Baby D ab. Auch Nino und Micro klinken sich mit ein und unterstützen Fearon, die sich mit Tränen in den Augen sichtlich gerührt bei der wahnsinns Crowd bedankt. Leider bleibt ein Rewind aus und das Set endet zirka 20 Minuten später.

Mit Hemd und Mütze kommt anschließend MC Deemas J auf die Bühne und stimmt sich mit DJ Squirrel an den Plattentellern ein. Schnell wird klar dass bei diesem nächsten extrem guten Team weiterhin kein Ende der Party in Sicht ist. Alles in allem eine sehr gelungene Geburtstagsparty. Just emotions, Gänsehaut Massive!

Andreas Margara (29. Januar 2007)

Baby D – Let me be your fantasy

Kings of the Jungle 2005 (Maimarkthalle Mannheim)

Jungalists are you ready? Am 2.Oktober war es Zeit für Germany’s No.1 Drum’n’Bass Event: Kings Of The Jungle! Die Eventreihe fand diesmal im neuen Maimarkt-Club Mannheim auf dem Gelände des Maimarktes statt. Über Drei Areas verteilten sich hier London’s & Mannheim’s Finest Deejays & Emcees in Sachen Drum’n’Bass, um über 3000 angereisten Junglists einzuheizen.

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Eröffnet wurde die Kings bereits um 21 Uhr durch Sets von Sickhead auf der Alternative Stage und DJ Tobi & Sabrination in der KOTJ Arena. Um 22 Uhr startet dann mit Freesteppa auch auf dem Oldskool Floor die Party und der Maimarkt-Club beginnt sich stark zu füllen. Bei dem eng gestaffelten Time-Table des hochkarätigen Line-Ups fällt es anfangs noch schwer den Überblick zu behalten. Die Bässe pumpen ordentlich, hin und wieder übersteuert der Sound. Doch ein Höhepunkt jagt den nächsten. Nach E-Decay & Temper folgt gleich Mampi Swift mit den Emcees Foxy & Det in der Arena, während die Brüder Child Support & Chrisis Loan aka Social Security auf der Alternative Stage einheizen. Nach Andy C liefert Roni Size in der KOTJ Arena wohl mit das beste Set an diesem Abend ab und hat auch gleich den Monster MC Dynamite von der Full Cycle Crew im Gepäck, der an seinem Geburtstag die Mannhighm Massive und sich selbst mit einem Hammer Auftritt beschenkt. Push Up Your Lighter!!!

Dann schnell weiter zum Oldskool Floor durch den viel  zu schmalen Durchgang, bei dem sich die  Menschenmengen schon aufgestaut haben, um den Rest von Nicky Blackmarket’s Set zu erhaschen. 5ive-O ist hier am Mic und ergänzt die rollenden Basslines mehr oder weniger sinnvoll mit seinen schnellen Vokal-Ejakulationen. Der Mickey Finn Sound direkt im  Anschluss kann mich diesmal nicht wirklich überzeugen. Deshalb gings wieder auf zum durchdrängeln in die Kings Arena zu DJ Marky, dem „Mad Brazilian“. Support kommt von den Emcees Verse, Dynamite, Fearless & Moose. Mit einer ultra Selection und charismatischen Scratcheinlagen hat der Brasilianische DJ MarkyThe Tornado From Sao Paulo“ die Menge problemlos unter Kontrolle und markiert mit seinem genialen Auftritt an den Wheelz den Höhepunkt der Veranstaltung. Auf der Alternative Stage fanden inzwischen die Kangaroos von Pendulum „All The Way From Down Under“ mit SP:MC & MC Soultrain den Weg in den Jungle. Soultrain wurde 2000 zum besten Drum’n’Bass MC in Deutschland gewählt. Die Party schien um halb Fünf immer noch keinen Abriss zu nehmen und so legte Friction mit dem MC Gespann aus Det, Fearless & Moose weiter pulsierend-hackende Basssounds auf, zu denen frenetisch „getanzt“ wurde. Auf dem Oldschool Floor ließ mittlerweile Darren Jay die Platten drehn’, und wusste mich durch nette Mixe, begleitet von Deemas J’s Live Vocals gekonnt zu überzeugen. Deutschlands Drum’n’Bass Pionier Bassface Sascha war unterdessen mit Sinista und Temper auf der Alternative Stage zu Gange. Als letztes Set an diesem Morgen ließ mich Aphrodite durchhalten, der mit Verspätung erst gegen Viertel vor Sechs an die 1,2’s trat. Von den angekündigten Klassikern bekamen meine Bass-geschädigten Ohren nichts mehr mit, dafür Haufenweise frische Dublates. Det, Fearless, & Moose teilten sich wieder die Hoheit an den Mics, um in der Kings Of The Jungle Arena linguistische Lawinen loszutreten.

Erwähnenswert in der Arena ist auch die auf die jeweilige Performance fein abgestimmte Laserlightshow, die allerdings nur schwer über die miserable Idee, jeweils nur eine Damen- und Herrentoilette aufzustellen hinwegtröstet. Wenn dann bei einem Eintrittspreis von 34 Euro nicht mal ein chillout-Bereich und nur minimalstes an Sitzgelegenheiten angeboten wird, ist das schon arm. Naja, eben Verhältnisse wie im Dschungel.

Andreas Margara (6. Oktober 2005)

Luniz – I got 5 on it (Aphrodite Jungle Remix)