Kategorie: Reimreport

Reimreport 2011

Im dritten Jahr Blog Party konnte die Besuchermarke von 100.000 erstmals geknackt werden und auch sonst ist so einiges passiert, wie der musikalische Rückblick – der Reimreport 2011 – verrät.

2011: Deutschrap-Revival

Curse hat es 2010 vorgemacht. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums seines Debütalbums „Feuerwasser“, versammelte er einstige Deutschrap-Mitstreiter wie STF, Martin Stieber, Die Firma und Konsorten zu einer riesigen Jam in Köln. Die vier Jungs von DCS hat diese Zusammenkunft sogar derart bewegt, dass sie sich nach mehr als einer Dekade erstmals wieder zusammen setzten, um gemeinsame musikalische Sache zu machen. Das fertige Album, das auf den Namen „Silber“ hört, präsentierten sie uns dieses Jahr mit einer ersten – und sehr viel versprechenden! – vorab-Single: Was du siehst. Erscheinen wird das Album Anfang 2012. Auch DJ Mirko und Spax sind nach jahrelanger Pause wieder gemeinsam als „Die Profis“ unterwegs in der Rapublik, das gleichnamige Album ziert bereits die Ladentheken. Mit Cora E hat auch die Grande Dame des deutschen Sprechgesangs 2011 ein neues Album angekündigt – produziert von Mr.Mar und Def Cut. Neben dem Re-Release der beiden Deutschrap-Klassiker „Fenster zum Hof“ und „Blauer Samt“ markierte das Deutschrap-Highlight 2011 natürlich der 40. Geburtstag von Frederik Hahn aka Torch, der am 30. September mit Gästen wie den Absoluten Beginnern, Max Herre, LSD, MC Rene und La Familia eben mal die ersten beiden Generationen des Deutschen HipHop auf der Bühne der Heidelberger Halle-02 versammelte.

Leider gab es 2011 auch eine Jam im Ruhrpott mit sehr traurigem Anlass: Heinz Michael Galla von RAG/Filo Joes ist am 9. August im Alter von 38 Jahren verstorben. Die letzte Ehre erwiesen ihm u.a. Too Strong, Torch, Aphroe, Stieber Twins auf der Memorial Jam am 4. September in Bochum. Erfreulicherweise zeigt sich Gallas RAG-Partner Aphroe immer häufiger auf deutschen Bühnen (meist in Kollaboration mit den Stieber Twins!) und überraschte zum Jahresende mit der eindrucksvollen Hommage an O.C.‘s Time’s up (Zeit ist knapp). Den passenden Sound zum Deutschrap-Revival 2011 liefert der Mannheimer DJ Blastar, der 2011 seine gefeierte Deutschrap-Mixtape-Trilogie abgeschlossen hat (kostenloser Download).

Konzerte 2011

Den Auftakt für Rap-Gigs 2011 (über die auf Blog Party dieses Jahr ausführlich berichtet wurde) markierte Parrish Smith’s Auftritt in Weinheim. Nur vier Monate später trat er dann sogar zusammen mit seinem Partner Erick Sermon in Heidelberg als EPMD auf. Im Karlstorbahnhof in Heidelberg habe ich mir außerdem Arrested DevelopmentNneka, die Jungle Brothers und Pharoahe Monch angesehenden ich nach seinem Gig auch noch zum Interview für das HHV-Mag traf. Während der Auftritt von Elzhi im Heidelberger Zieglers fraglos zu den Höhepunkten 2011 gehörte, ist der Funke bei den Lords of the Underground und Akua Naru nicht ganz übergesprungen wie zu erwarten war. Weitere Konzerte gab es 2011 mit den Lone Catalysts im Cafe Central, Limp BizkitLenny Kravitz und Raphael Saadiq in der Mannheimer SAP-Arena, Joy Denalane beim Jazz und Joy Open-Air-Festival in Worms, T.O.K. im Mannheimer Rude 7, DJ Shadow in der Alten Feuerwache, Sexion d’Assaut in der Halle-02, Sade in der Festhalle Frankfurt und einem außergewöhnlichen Gig des Wu-Tang Clan in intimer Atmosphäre in Mannheim.  

Alben 2011

Durchgehört habe ich mich 2011 – meist mit freudigen Ohren – durch folgende Tonträger: Syl Johnson: „Complete Mythology“Akua Naru: „The Journey Aflame“J.R. & PH7: „The Update“Looptroop Rockers: „Professional Dreamers“Pharoahe Monch: „W.A.R.“ (We Are Renegades)CunninLynguists: „Oneirology“Gorillaz: „The Fall“Arrested Development: „Strong“Texta: „Grotesk“Booba: „Lunatic“Blitz the Ambassador: „Native Sun“Pete Rock / Smif-n-Wessun: „Monumental“Pal One: „Die Fährte des Wolfes“Blu: „Open“Absztrakkt: „Diamantgeiszt“, Timbo King: „From Babylon To Timbuk2“, Projekt Gummizelle „Kannste jeden Fragen“. Mein absoluter Favorite für 2011: Evidence: „Cats & Dogs“ mit dem unfassbar genialen Track You. 

Hier gibt es einen hörenswerten Edit des guten Stücks von Retrogott und Aphroe:

Ein spezieller Gruß geht an die Backpackers Tribute Crew, dank der wir 2011 unvergessliche Rap-Partys in Mannheim gefeiert haben: DJ Blastar (Greetz nach Indien!), DJ Slick (the real DJ Slick!), DJ Sean, DJ Fader Lustig, DJ Tommy D, DJ Huckspin, DJ Sol, DJ Arsenic, Kapitano Käytsch, Yano2D, Lookey, Nicole Hadfield, David Scribbles und an Pommes!

One love an alle, die dazu beigetragen haben dass 2011 geworden ist wie es war.

Guten Rutsch und see you all in 2012!

– Andreas Margara

Reimreport 2010

Das erste volle Jahr Blog Party brachte mehr als 50.000 Klicks ein, was ohne meinen vierteljährlichen Auslandsaufenthalt (in dem sich hier fast nichts tat) sicher noch weitaus höher gewesen wäre. Trotzdem gibt es einiges im musikalischen Rückblick – dem jährlichen Reimreport – zu analysieren:

Alben 2010

Eigentlich schon Ende 2009 gedropt, lieferte Montezuma’s Revenge von den Souls of Mischief nicht nur den Sound für das Frühjahr, Tour Stories entpuppte sich sogar als würdiger Nachfolger von 93 til infinity – läuft also immer noch auf Rotation. Im Bereich Funk & Soul überzeugte Shawn Lee mit seiner Asien-Connection Bei Bei und Into The Wild, die ehemalige Stones-Throw-Soulqueen und angetraute von Dudley Perkins, Georgia Anne Muldrow, würdigte dem verstorbenen King of Pop mit einer King’s Ballad, Corinne Bailey Rae überraschte mit einem wenig kommerziellen Souljazz Album (The Sea), die australische Combo The Bamboos hatte mit „4“ eine quirlige Portion Deep Soul im Gepäck. Völlig überzeugte hingegen erneut die füllige Soulbrumme Sharon Jones mit ihren Dap Kings und dem Longplayer I Learned The Hard Way. Plain & Simple – so kann Soul auch aus Deutschland klingen, wie die Kölnerin Rachel Scharnberg offenbarte. Einen hybriden Rohling aus HipHop und Soul lieferte Lady Daisey mit ihrem Mann und Producer Batsauce ab – In My Pocket markiert eines der musikalischen Highlights 2010.

Coverdesign by Pommes

Im HipHop 2010 dominierte einmal mehr das Mittelmaß. O.C. & A.G. erfüllten mit Oasis nicht annähernd die hohen Erwartungen, die Swollen Members (Armed To The Teeth) schaffen es nicht mal mehr diese überhaupt in die Höhe zu treiben. Marco Polo stellte den Rookie Ruste Juxx (The eXXecution) vor, die Veteranen von Cypress Hill kamen mit einem neuen Album (Rise Up) um die Ecke. Ansonsten gab es noch neues von den Antihelden (Kein Happy End), Blumentopf (Wir), Gentleman (Diversity), MIA (Maya), Guilty Simpson und Madlib (OJ Simpson), Murs & 9th Wonder (Fornever). Weit vorne sind hingegen die neuen Scheiben von Black Milk (Album Of The Year) und J.R. & PH7 (The Update) anzusiedeln.

DJ Blastars Deutschrap Mixtape No.2 wurde 2010 im JUICE Magazin zurecht als Mixtape des Monats (April) prämiert. Ansonsten sorgten Lookey (Mother Earth/Mother Fucked) und Dwel (Megaherz) für Deutschrap mit Niveau.

Konzerte 2010

Konzertberichte fielen dieses Jahr etwas spärlicher als gewohnt aus: In Heidelberg habe ich mir DJ Vadim, Diamond District, Brother Ali, Dee Dee Bridgewater, Dendemann und Blitz the Ambassador angeschaut. In Weinheim waren u.a. die Swollen Members, Fashawn und Exile und Devin The Dude zu sehen. Stimme hin und her, und auch wenn Sie mit ihrem Auftritt polarisiert hat – Whitney Houston (Mannheim) einmal live zu sehen war dennoch ein Erlebnis. Um Das EFX zu erleben bedurfte es einer etwas weiteren Fahrt nach Dresden. Den deutschen Elektro-Exportschlager Mouse on Mars mit Tri Minh im Vorprogramm erlebte ich sogar ganze 9687.787 km weit entfernt von zu Haus in Ho-Chi-Minh-Stadt.

2010: check!

Stay true to who you are. Happy New Year to everyone!

Andreas Margara (30. Dezember 2010)

 

Black Milk – Losing Out

Reimreport 2009

So, nachdem Blog Party im März 2009 so langsam ins Rollen kam, haben sich bis zum Jahresende knapp 30.000 Besucher hier informiert, amüsiert, geärgert oder einfach nur verlaufen. Bevor es 2010 dann weiter geht mit neuen Alben, Konzerten, Interviews und hoffentlich weniger toten Künstlern, gibt’s jetzt noch einen kleinen Rückblick auf die Highlights 2009.

Rapalben 2009

Für einen relativ gelungenen Einstieg 2009 hat die Münchnerin Fiva mit ihrem Album Rotwild gesorgt, während die Platinum Pied Pipers mit Abundance eine würdige Advanced-Soul Fortsetzung von Triple P abgeliefert haben. Der kalifornische Beatmessias Madlib hat mit Folge fünf und sechs gleich ein Doppelpack seiner Beat Konducta-Serie releast. Viel versprechende Kollabos wie die von Marco Polo & Torae (Double Barrel), KRS-One & Buckshot (Survival Skills), Masta Ace & Edo G, A.G. & O.C. haben am Ende allerdings nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen können, die sich Rap-Fans erhofft hatten.

Erfreuen konnten hingegen Pete Rock mit der posthumen J Dilla Veröffentlichung Jay Stay Paid, Doom mit Born Like This, J. Rawls & John Robinson mit ihrer 1960er Jazz Revolution, Mos Def mit The Ecstatic, Murs & Slug alias Felt mit ihrem Tribute an Rosie Perez, La Coka Nostra (A Brand You Can Trust) und natürlich Raekwon, der das Rap-Jahr 2009 mit Only Built 4 Cuban Linx… Pt. 2 fast im Alleingang noch gerettet hat. Auch das Album Blakroc, für das die Blak Keys sich unter anderem Verstärkung von RZA, Pharoahe Monch, Ludacris und Mos Def holten, markierte eines der Highlights 2009.

Während Afrob (Der letzte seiner Art) und Fat Joe (J.O.S.E. 2) besser unerwähnt bleiben sollten, blieb das Kölner Duo J.R. & PH7 völlig zu Unrecht in Deutschland weitgehend unerwähnt. Mit The Standard haben sie eines der besten Alben 2009 produziert. Cool Cologne sollte mit Acts wie Huss & Hodn und dem Fleur Earth Experiment sowieso dringend im Auge behalten werden! Wie J.R. & PH7 im Interview verrieten, ist für 2010 bereits die Fortsetzung geplant. In der Heidelberg Interview Reihe gab es ein Gespräch mit Mr. Beatbone aka Face Error. Des Weiteren standen Nosliw, Fiva und die Ruhrpott-Rapper von Too Strong Rede und Antwort.

Konzerte 2009

Nachdem das Jahr 2009 mit dem Megaaufgebot der „Check the Rhyme“-Tour mit Lords of the Underground, Jeru the Damaja, Paris, The Beatnuts und Tha Alkaholiks in München bereits auf höchstem Niveau begann, gab es auch den Rest vom Jahr über einige Highlights zu sehen: Onyx in Frankfurt, Huss & Hodn mit ihrer kompletten Entourage (+Martin Stieber!) bei einem legendären Auftritt in Weinheim. Curse in Heidelberg, J. Rawls mit seinem Liquid Crystal Project, Atmosphere, Zion I, De la Soul, Frank Nitty, Souls of Mischief, Black Milk und Too Strong – alle in Heidelberg. In Mannheim fand 2009 zum ersten Mal das von Stuttgart abgewanderte HipHop Open Minded Festival statt. Neben Publikumsmagneten wie Peter Fox, Method Man & Redman, Clueso und Jan Delay traten hier auch die Heidelberg Allstars mit den Stieber Twins, Cora E, Toni-L und Torch auf, wobei die komplette Quadratestadt zur Partymeile wurde. Unvergessen ist auch die Heidelberger Block Party, eine der wenigen echten Jams 2009. Richtig enttäuscht haben dieses Jahr Live eigentlich nur Biz Markie und Talib Kweli, die ebenfalls in Mannheim zu sehen waren.

Passend zu „40 Jahren Woodstock Festival“ und „50 Jahren Motown Records“ gab es auch Abseits von Rapmusik einiges interessantes zu sehen: Dionne Warwick, Lionel Richie oder Canned Heat. Außerdem Jason Mraz und Tito & Tarantula. Das „Enjoy Jazz Festival“ hatte dieses Jahr hingegen wenig Interessantes zu bieten und blieb deutlich unter den Erwartungen. Den krönenden Abschluss des Live-Jahres 2009 setzten hingegen wieder Vertreter des amerikanischen Sprechgesangs: Masta Ace & Edo G im Cafe Central in Weinheim.

Mixtapes 2009

Erwähnenswerte Mischkassetten gab es 2009 von DJ Haitian Star (Heidelberg Mixtape), DJ Step & Soundtrax (The Last Heroes) , DJ Dister (Born 2 Roll Mixtape) und DJ Blastar mit seinem Deutschrap Mixtape No.1. Nicht zu vergessen sind die 16 Thoughts of the Days von Mr.Bayse, der uns in fast regelmässigen Abständen zum nachdenken, schmunzeln und kopfnicken gebracht hat!

R.I.P. 2009

Viele bekannte Menschen sind 2009 verstorben. Neben Schauspielern wie Patrick Swayze, Brittany Murphy oder Monica Bleibtreu sind auch einige bedeutende Vertreter der HipHop-Community gestorben: z.B. Rapper Baatin von Slum Village, DJ Roc Raida von den X-Ecutioners und Mr. Magic. Der Tod des King-of-Pop Michael Jackson hat in den Medien jedoch alles überschattet.

Zur Erinnerung hier noch mal das Michael Jackson Tribute von Mr.Bayse:

Ansonsten halt ich’s mit Eins, Zwo: Frohes Neues!