Kategorie: Heidelberg Interviewreihe

HD HipHop City Interview

Zum 20. Jubiläum des Karlstorbahnhofs 2015 ist dieses Interview über die Entwicklung von HipHop in Deutschland – und Heidelberg im Speziellen – entstanden.

Interview mit B-Boy Steve

Du bist eine lebende Breakdance-Legende aus Deutschland. Wie hast du die Zeit in Heidelberg erlebt?

Steve: In den ersten drei Jahren bin ich noch alleine auf alle HipHop-Jams gefahren, zu Swift oder Sonny nach Hamburg. Dann kam Torch auf mich zu und wollte wissen wo diese Jams stattfinden. Dadurch habe ich die ganzen Leute hier kennen gelernt: Advanced Chemistry, Stieber Twins, TPM, Cora E, Point Blank Breakers. Heidelberg wurde in dieser Zeit zur HipHop-Hochburg in Deutschland. Torch, der am meisten von uns rumgetourt ist, hat überall Kontakte geknüpft. Es war eine tolle Zeit an die ich mich gern erinnere. Wir reden oft drüber wenn ich in Heidelberg bei den Stiebers im Laden vorbei komme.

Wie konntest du als einer der ersten Breakdancer in Deutschland deinen Style entwickeln, ìn einer Zeit, lange bevor es Video-Anleitungen und Workshops gab?

Steve: Stimmt, heute ist es einfacher anzufangen da alles schon vorgegeben ist. Damals war jeder noch sein eigener Lehrer. Das hat es aber besonders interessant gemacht: jeder Tänzer hatte einen anderen Style und keiner glich dem anderen. Storm, Kenny, Swift, Speedy, Maurizio und wie sie alle heißen… Man hätte jedem eine Mütze übers Gesicht ziehen können – trotzdem hätte man ihn noch an seinem Tanzstil erkannt. Diese großen Unterschiede sind heute verwischt.

Rares Video- und Bildmaterial von B-Boy Steve

Wie beurteilst du die Rollenverteilung des „Elements“ B-Boying innerhalb der HipHop-Kultur?

Steve: Rollenverteilung? Die gibt es doch gar nicht mehr. Die Elemente gehören lange nicht mehr so zusammen wie es früher auf HipHop-Jams üblich war, als MC’s auf der Bühne standen und B-Boys dazu im Kreis gerockt haben. Ihre Shirts ließen sie sich von den Writern bemalen – das war HipHop. Schade, dass die B-Boys nicht mehr zusammen im Kreis rocken, sondern nur noch battlen. Obwohl das auch anders ablief. Bei einem richtigen Battle gibt es keine Jury und auch kein Zeitlimit – das ist doch alles gestellt. Ich bin froh, dass ich noch die Phase von B-Boying miterleben durfte.

Gibt es spezielle Moves die dir zugeschrieben werden?

Steve: Mein Style zeichnet sich vor allem durch Footworks (Six-Step) aus, obwohl ich lange Zeit eigentlich nur Powermoves gemacht habe.

Wie siehst du die artistische Entwicklung im B-Boying?

Steve: Als viele B-Boys nur noch Handstand gemacht haben, hat mich das eher abgeturnt. Sie haben total vergessen, dass die Füße auch noch da sind. In den letzten vier Jahren habe ich allerdings beobachtet, dass es häufiger wieder schöne Footworks gibt und die B-Boys schöne Ideen haben, das gefällt mir sehr.

Was würdest du dir von den Medien in Bezug auf die Berichterstattung über HipHop wünschen?

Steve: Es ist sehr schade, dass die Leute die Positives bewegen wollen kaum Gehör in den Medien finden und andere, die diese Möglichkeit haben oft nur Müll reden und Schlechtes ausstrahlen. Soll ruhig jeder sein Geld machen, mir tun nur die Kids leid, die dann diese schlechten Vorbilder haben. Wenn man heute erzählt, dass HipHop mal gegen Drogen war, das glaubt doch heute kein Mensch mehr. Es geht fast nur noch um Ghettogehabe und Straßenrap, dabei waren viele der Leute die HipHop in Deutschland groß gemacht haben aus dem Mittelstand. Viel der positiven Energie ist dabei verloren gegangen. Im Soul und Funk finde ich diese positive Energy immer noch – allein die Plattencover verdeutlichen das im Vergleich. Leute wie Torch und die Stiebers wären heute wichtig. Auch wenn ich einen Jan Delay im Fernsehen sehe freue ich mich immer darüber was er redet und ausstrahlt.

Bist du immer noch als Tänzer aktiv und welche Erfahrungen hast du mit zunehmendem Alter beim breaken gemacht?

Steve: Ich trainiere immer noch zweimal die Woche. Natürlich denk ich manchmal „Wow, das warst du mal“, wenn ich alte Aufnahmen von mir anschaue, als ich um die 18 Jahre alt war. Aber man kann auch auf andere Tricks ausweichen, was es wieder interessant macht. Tanzen macht mir immer noch viel Freude, es ist wie bei einer Sängerin, die nicht aufhört zu singen.

Mit der Line „Ich geh zu Steve, der für Kies auf der Straße breakt, HipHop lebt wenn sich auch dein Arsch mitbewegt“, erweist die Luxus Chris von den Stieber Twins großen Respekt auf dem Stück Malaria. Wann hast du’s das erste Mal gehört und wie war deine Reaktion?

Steve: Bevor der Track veröffentlicht wurde hat Chrissy mir schon gesagt, dass ich in seinem Text vorkomme. Damals hätte ich aber nicht gedacht, dass der Titel so zeitlos ist und etwas bei den Leuten hinterlässt. Danke noch mal an die Stiebers, Torch und Spax für meinen Namen in euren Texten!

Vielen Dank für deine Zeit!

Das Interview führte Andreas Margara (Februar 2011)

Interview mit Boulevard Bou

Boulevard Bou ist ein HipHop-Multitalent. Als viel gebuchter DJ packt er in den Clubs die angesagtesten Scheiben auf die Plattenteller, als Produzent hat er sich auf bedeutenden Deutschrap-Alben verdient gemacht und – wie die Videoarchive im Internet beweisen – ist er ein begnadeter Freestyle-Veteran! Grund genug dem sympathischen Heidelberger ein paar Fragen zu stellen…

Mir ist spontan kein Protagonist bekannt, der ein ähnliches Doppelleben im HipHop führt wie du es tust. Auf der einen Seite bist du als viel beschäftigter Club und Radio-DJ immer dicht dran an den neusten Trends im HipHop & R’n’B, auf der anderen Seite zählst du mit zu den Vorreitern des deutschsprachigen Rap. Wie gelingt es dir das zu vereinbaren?

Bou: Das ist ein Teil meines Wesens! Ich bin schon immer zwischen den Welten hin und her gewandert. Ob es zwischen verschiedenen Kulturen, Milieus oder Musikstilen war – ich liebe Gegensätze. Wenn man die Möglichkeit hat Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu beobachten sollte man das auch tun. Ich habe da keine Berührungsängste.

Du hast früher für Advanced Chemistry produziert und auch den Meilenstein „Blauer Samt“ mitarrangiert. Wie oft schaffst du es zurzeit noch ins Piemont Studio?

Bou: Das Piemont Studio existiert seit einigen Jahren nicht mehr. Ich habe seitdem das Produzieren erst mal auf Eis gelegt und mich vorrangig ums Auflegen gekümmert. Die Arbeit als Produzent und Engineer ist sehr sehr zeitaufwändig und man hat eigentlich immer einen Berg von Arbeit vor sich wenn man viele Produktionen betreuen muss. Ich freue mich, dass in den Jahren des Piemont Studios und davor einige Meilensteine der HipHop Geschichte entstanden sind.

Mit den Stieber Twins hast du dir mal ein Studio in Heidelberg geteilt, wie kam es dazu und wie ist dein Kontakt heute zu den „alten“ Heidelbergern?

Bou: Der Kontakt zu den Stiebers und zu Advanced Chemistry kam durch die Schule zustande. 1990 wechselte ich auf die Internationale Gesamtschule in Heidelberg. Dort haben fast alle Heidelberger HipHop Pioniere die Schulbank gedrückt. Mit Christian Stieber habe ich gemeinsam mein Abi gemacht und dadurch kam auch irgendwann die Idee gemeinsam Equipment für ein kleines Studio zu kaufen. Ich musste die Jungs anfangs etwas dazu überreden aber es hat geklappt und unser erstes Studio „Rabenhorst“ konnte in der Garage eines Freundes an den Start gehen. Als wir das „Rabenhorst-Studio“ auflösten, ging ich mit meinem Equipment erst zu Torch in die Wohnung und danach gründeten wir zu zweit das Piemont Studio in Heidelberg. Kontakt habe ich noch zu einigen alten Heidelbergern. Leider sieht man sich nicht mehr so oft wie früher da die meisten mit Job und Familie ausgelastet sind.

Stimmt es, dass Toni-L’s Alias „Funkjoker“ eigentlich von dir stammt?

Bou: Woher weißt Du das? Toni hatte das in Torchs Song „Wir waren mal Stars“ gerappt und ich fand das Wort so cool, dass ich ihm vorgeschlagen habe sein Album so zu nennen. Schon war ein weiteres „Alias“ von Toni-L entstanden…

Eine deiner ersten Maxis als Rapper war „Geh zur Polizei“ (1995). Findest du die Situation für Immigranten hat sich (nach 15 Jahren) mittlerweile verbessert?

Bou: Ich denke es hat sich vieles geändert in den letzten 15 Jahren. Als ich den Text für „Geh zur Polizei“ schrieb ging es mir darum ein Umdenken zu bewirken. Migrantenkinder hatten manche gesellschaftlichen Werdegänge gar nicht auf dem Schirm. „Geh zur Polizei“ war für viele ein Denkanstoß der Ihnen neue Wege eröffnet hat.

Hast du jemals geplant ein eigenes Album zu veröffentlichen? Wäre es ein Produzentenalbum oder ein von dir selbst eingerapptes?

Bou: Ich hatte zwar vor ein eigenes Album zu veröffentlichen aber irgendwie kam es nie wirklich dazu. Meist fehlte auf Grund anderer Projekte einfach die Zeit sich dem Thema richtig zu widmen. Wenn man aber ein gutes Album abliefern will muss man viel Zeit und Liebe investieren. Wenn es erst mal veröffentlicht ist kann man es nicht mehr zurückholen um Dinge zu verbessern die einem nicht gefallen. Aber vielleicht finde ich ja irgendwann doch mal die Zeit dafür… (grinst)

ZDF-Freestylesession mit Boulevard Bou, Beginnern und MC Rene (1993)

Ein äußerst beliebtes Youtube-Video (aus der ZDF-Doku „Lost in Music“) zeigt dich beim Freestylen mit den noch blutjungen Beginnern und Rene. Was geht dir durch den Kopf wenn du die Aufnahmen heute siehst?

(Schallendes Lachen…) Bou: Das Video bekomme ich seit Jahren wöchentlich geschickt. Ich weiß noch wie wir völlig unvorbereitet in das Treppenhaus gesetzt wurden, das Licht der Kamera anging und wir los freestylen sollten. Es gab nur einen Take! Das war schon eine Herausforderung. Ich freue mich aber immer wieder das zu sehen. Schon lustig wie jung wir da noch waren.

Wie siehst du die heutige Entwicklung von deutschem Rap?

Bou: Deutscher Rap hat heutzutage leider sehr wenig mit HipHop zu tun. Zumindest das was in den Medien transportiert wird. Ich höre auch nicht viele deutsche Rapper an. Das erspare ich mir. Es sind eigentlich immer noch die altbekannten Rapper die ich gerne höre. Echte MC‘s die tatsächlich noch was zu erzählen haben.

1999 hast du das Türkce HipHop Mixtape veröffentlicht. Kennst du dich noch gut aus in der türkischen HipHop Szene?

Bou: Das „Türkce HipHop Mixtape“ habe ich damals veröffentlicht um den Leuten zu zeigen was es überhaupt an türkischem Rap so gibt. Eigentlich war es Torch der mich auf die Idee gebracht hatte (lacht). Ich war daraufhin in der Türkei auf einer HipHop Jam in Istanbul und habe dort viele Tänzer, Writer und Rapper kennengelernt. Es war eine tolle Erfahrung zu sehen, wie sich HipHop in der Türkei entwickelte. 2005 habe ich dann bei einem gemeinsamen Auftritt in Berlin den türkischen Rapper Ceza kennengelernt. Er ist wohl der bekannteste türkische Rapper der letzten Jahre. Er kannte mich wiederum von meinem türkischen Mixtape. Rap ist in der Türkei mittlerweile ziemlich gut etabliert. Zu manchen Künstlern habe ich noch Kontakte und man hält sich so auf dem Laufenden.

Was sind deine aktuellen Projekte und wo bist du als nächstes beim Auflegen zu sehen?

Bou: Ich bin momentan sehr gut mit Auflegen ausgelastet. Meist lege ich drei bis vier Mal die Woche in Clubs auf und stehe ein bis zwei Mal die Woche beim Radio an den Plattentellern. Dazu noch Aufnahmen für die Mix-Shows im Radio und die Woche ist schon wieder rum. Meine aktuellen Dates kann man auf meinen Internetseiten finden. Dank „Social Networking“ ist man ja heutzutage gut vernetzt…

Vielen Dank für das Interview!

Andreas Margara (27. April 2010)

Boulevard Bou – Geh zur Polizei

Interview mit Face Error

l_7acbfb225b7743f1878cb7a2cb5c9092Face Error ist Rapper und Beatbastler aus Berlin. Unter anderem hat er Kool Savas‚ letztes Album Tot oder Lebendig mitproduziert. In seiner Heidelberger Zeit war er unter dem Namen Beatbone als Live-Drummer – ein Novum zu dieser Zeit – bei den HipHop-Pionieren Advanced Chemistry beschäftigt, die für ihre energetischen Shows berüchtigt waren. Andreas Margara unterhielt sich mit Face über damals und heute…

Andreas Margara: Stell dich doch bitte zunächst Mal unseren Lesern kurz vor…
Face Error: Mein Name ist Face Error oder auch FacelaFace, früher war mein Name Beatbone, als Drummer von Advanced Chemistry.

Du bist schon sehr lange am Musik machen. Kannst du dich noch erinnern, wie das damals bei dir angefangen hat?
Ich habe mit dem Schlagzeugspielen angefangen. Meine erste richtige Band hieß Throb Throb. Im Rhein-Neckar-Kreis waren wir berüchtigt für energiegeladene Shows, der Sänger war ein Tier auf der Bühne. Es war eine Mischung aller Musik, die wir damals so hörten: Punk, Indie, Funk und Rock. Wir veröffentlichten ein Tape und dann einen Track auf der ersten „Heidelberg Compilation“ überhaupt. Der Gitarrist Jochen Seiterle stieg übrigens, als ich gerade bei AC anfing, bei der Ska Band The Busters ein, ebenfalls aus dem Heidelberger Raum.

Wie kam es dann dazu, dass du von Rock und Punk zum HipHop gekommen bist und schließlich bei Torch und AC an der Schießbude gelandet bist?

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Advanced Chemistry mit Beatbone an den Drums

Ich kannte Torch über meinen damaligen Kumpel Monti. Als ich mit Monti abhing, habe ich natürlich auch ihn kennen gelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb. Eines Tages rief er mich an und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, für die Live-Auftritte der geplanten Tour von AC Schlagzeug zu spielen, denn er wusste, dass ich Schlagzeug spiele und schon viel Live-Erfahrung gesammelt hatte. Ich sagte „warum nicht“ und schon standen wir das erste Mal zusammen auf der Bühne. Es funktionierte gleich sehr gut und man kann wohl mit Recht sagen, dass wir live ziemlich rockten. Das coole war, das die Leute richtig Pogo tanzten, ich kannte das bis dahin nur von Punk- und Hardcore-Konzerten. Unser erster Gig war glaube ich in Stuttgart. Danach spielten wir praktisch jedes Wochenende in den nächsten zwei Jahren plus zwei komplette Deutschland-Touren.

Wie stehst du heute in Kontakt mit den Oldschool-Veteranen, nach deinem Umzug von Heidelberg nach Berlin?

Die Kontakte zu alten Kollegen aus der Szene bestehen aus einer Hand von Leuten, wie z.B. den Stieber Twins, Melbeatz und Kool Savas, wobei Savas und Mel ja erst später dazukamen. Man sieht die alten Gesichter manchmal auf größeren HipHop-Jams, das ist dann so wie ein Klassentreffen. „Ach damals, weisst du noch?“ ist dann ein Satz, der oft zu hören ist.

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Face Error
© http://www.myspace.com/faceerror

Damals war die deutsche Szene noch klar zu überschauen. Welche Aktivisten hast du während den Touren persönlich treffen können?

Wir haben sehr oft mit den Beginnern gespielt, die waren damals ja auch schon sehr umtriebig. Eigentlich kannte man jeden, der irgendwas in der Szene zu sagen hatte. Wir waren sehr vernetzt mit der Kölner Szene. Linguist wohnte ja auch in Köln. Aber das Netzwerk erstreckte sich über ganz Deutschland, von Norden nach Süden.

Heutzutage sind Live-Musiker bei Auftritten der erfolgreichen Rap-Gruppen kaum noch wegzudenken. In den 1990er Jahren hingegen waren Instrumente auf den Bühnen weitaus rarer. Wie waren die Reaktionen des Publikums?

Wir waren tatsächlich die erste deutsche HipHop-Band, die Live-Drums am Start hatten. Ich kannte das von Bands wie den Disposable Heroes of Hipocracy aus USA oder Urban Dance Squad aus Holland. Die Leute waren geflasht, denn die Live-Drums waren natürlich viel energetischer als Beats aus der Dose. Auch Lautstärke-technisch waren wir einfach wuchtiger, als alle anderen HipHop Live-Acts von damals. Die Beginner verstanden das sofort und hatten bald auch einen Live-Drummer. Ich spielte einfach auf die vorproduzierten Beats drüber, die Beats liefen ultralaut auf den Monitorboxen. Das Timing musste stimmen, das ist klar.

Warum hast du dich schließlich entschieden selbst Beats zu produzieren und mit welchem Equipment?

Ich wollte schon immer meine ganzen Ideen verwirklichen, die Samples, die ich für cool hielt, in Beats packen – und das so unkompliziert wie möglich. Ein Freund zeigte mir damals das Programm Fruity Loops und ich war sofort begeistert. Ich besorgte mir die Vollversion und fing an Samples zu schneiden und Beats zu produzieren, mit der Zeit wurde der Sound auch immer besser. Das Programm wurde auch immer professioneller und umfangreicher. Also man kann sagen ich habe den größten Teil meiner Beats mit Fruity Loops produziert. Auf einem Pentium 2 PC! Mit Mel haben wir dann natürlich auch auf der MPC und Cubase gearbeitet, bis heute…

Den wenigsten Savas-Fans dürfte bekannt sein, dass du unter anderem auch sein neues Album Tot oder Lebendig mitproduziert hast. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Mel und Savas?

Mel und ich kennen uns über einen gemeinsamen Freund aus Berlin, den ich wiederum über Arnd aka Ed Winter kennenlernte. Aus Spaß fingen wir an gemeinsam Beats zu basteln. Savas, mit dem Melanie damals zusammen wohnte – sie waren ja ein Paar –, hörte die Ergebnisse und war begeistert. Er fragte uns, ob er einen Beat, den wir zusammen produziert hatten, für seine Produktion benutzen könnte. Mit den Jahren kamen dann ein paar Titel zusammen, der letzte war der Titeltrack seines letzten Soloalbums Tot oder Lebendig, den Mel und ich Co-produziert hatten. Ansonsten arbeiten wir auch an ganz anderen Sounds, was aber noch geheim bleiben muss (grinst).

Was ist als nächstes von dir zu erwarten?

Als Drummer habe ich eine neue Band in Berlin namens Knete. Wir sind gerade dabei ein Live-Programm auf die Beine zu stellen und gehen bestimmt auch ins Studio. Live kann man Face Error aber jederzeit buchen, der letzte Gig war in Stuttgart mit den „Wordsound“-Jungs aus New York. Es bleibt also spannend…

Andreas Margara (24. Oktober 2009)

Interview mit Too Strong

DozeBei der „Get it together“-Jam in Mannheim habe ich zum ersten Mal von einem neuen Too Strong-Album erfahren, das in der Pipeline ist. Was erwartet die Fans?

DOZE: Ein hartes, schönes, buntes, tolles und echtes Too Strong Alboom!

ATOM: Wahrscheinlich 19 Songs, die uns komplett wieder von unserer besten Seite zeigen… Teilweise sehr persönlich, traurig, realistisch und dann die  absoluten HIP HOP Bretter…Für mich unser bestes Alboom bisher, da wir diesmal anders gearbeitet haben…

Ist das Album ohne DJ Funky Chris entstanden?

DOZE: Ja, wir haben uns ja getrennt, somit war es schwierig zusammen zu arbeiten!

Wie hat euch die Location im offenen Eishockey-Stadion in Mannheim gefallen?

DOZE: Hammer, ein Eisstadion war auf jeden Fall eine Premiere für uns. Leider war nur sehr wenig Licht am Start, so dass wir das Publikum nur bis etwa zur 6. Reihe sehen konnten. Danach war es stockeduster, aber wir haben die Silos natürlich gefühlt und gehört!

ATOM: Kann ich nur bestätigen, war wirklich mal ne Erfahrung, vor allem wars ja auch arschkalt, da musste man schon Gas geben, um warm zu werden…Die Leute, die da waren hatten auch extrem Lust zu feiern, das gibt einer Band immer den Kick sich zu verausgaben…Waren super gern wieder in Mannheim…Bombe

Too Strong

Frage an Atom: Fällt es dir nach der Messerattacke 2005 schwer eine Bühne zu betreten und Live vor einer großen Menschenmenge zu performen?

ATOM: Also ich glaub, ich hab zu dem Thema schon genug gesagt, wenn ich Probleme hätte, würde ich nicht da oben stehen…alles wieder gut im Hause Atom!

Ihr habt euch um das Jahr 1989 formiert und seit damit eine der ersten HipHop-Crews aus Deutschland. Wusstet ihr überhaupt von Gruppen die es schon früher gab, oder kann man das so gar nicht festmachen?

DOZE: Ich denke auch wir waren neben L.S.D, Advanced Chemistry und dem Terminal Team (!) Eine der ersten Bands in D!

ATOM: Na klar bekommt man das mit, dass es da Andere gibt, früher ging es halt noch übers Festnetz und man musste die Leute persönlich anrufen, um zu fragen was geht, damals gab es noch mehr Mund-Propaganda und alles lief im nem kleineren Rahmen ab. Heute ein Klick, eine SMS, und ganz Deutschland weiß Bescheid… auch gut, aber anders!

Aus welchen Elementen bestand euer Equipment für eure ersten Produktionen?

DOZE: Aus zwei Plattenspielern, Mikro und einem Tapedeck. Später kamen ein Ensoniq EPS Sampler, Atari-Computer (Cubase) und eine 8-Spur-Bandmaschine dazu.

ATOM: …natürlich auch Sprühdosen und ne große Plattensammlung…

Too Strong 4

Bei deutschen Oldschool-Crews fällt mir häufig der Einfluss von allgemein deutschsprachiger Musik auf. Wie steht das bei euch? Auf Die Drei vonne Funkstelle habt ihr ja schon ein Christian Anders-Ständchen gesungen und der Lange hat u.a. für sein Soloalbum Klaus Lage gesamplet…

DOZE: Also ich für meinen Teil steh auf deutschsprachige Musik. Bin ja auch mit der neuen deutschen Welle groß geworden, und Einfluss der 80er Jahre kann man schon aus vielen TS-Produktionen raushören, denke ich. Ergänzend dazu bin ich überzeugt, dass es heutzutage Musiker wie Wir sind Helden, Xavier Naidoo, Silbermond etc. schwieriger gehabt hätten, wenn es Mitte der 90er die Explosion des deutschsprachigen Hip-Hops nicht gegeben hätte. Ich denke deutscher Rap hat auch die deutsche Sprache wieder „in Mode“ gebracht. Wobei einige Produktionen heutzutage nicht mehr viel mit deutscher Sprache zu tun haben. Ischfikkedeinarschoneforhärzufrage…

ATOM: Doze hat Recht, das ist unsere Jugend gewesen und man lässt Vergangenes gern mal wieder aufleben, um es nicht zu vergessen…und wenn es passt, steuert das immer einen großen Teil zu nem guten Song dazu!

Vielleicht könnt ihr kurz etwas zur Entstehungsgeschichte der Silo Nation sagen…

DOZE: 1993 – Geburtstag vom Langen – drei Tage unter freiem Himmel bei Wurst und Bier gefeiert – Wortspiel Zulu/Silo – viele Leute aus der Szene am Start gewesen – Aufnahmebereitschaft und Speicherkapazität – T-Shirts – Zusammengehörigkeitsgefühl – 15 Jahre Silo-Jam am 22. November 2008 in Dortmund!

ATOM: Amen…so war das!

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Vom Album The real deal (1997) erinnere ich mich noch an kleine Disses in Richtung Torch – und der gilt ja hierzulande als wichtigster Vertreter der Zulu Nation. Auf Jams tretet ihr heute aber gemeinsam auf, sogar auf der 15 Jahre Sílo Nation Jam waren Toni-L und Torch als Acts im Programm dabei. Sind solche Diss-Geschichten rückblickend lächerlich, wenn man die heutige „Szene“ betrachtet?

DOZE: Nein, eigentlich nicht. Wir hatten damals wirklich Meinungsverschiedenheiten, irgendwann klärt man das und dann ist auch gut. Außerdem machen „anständige“ Disses doch auch alles interessanter, oder nicht? Langweilig wird es, wenn „Feinde“ sich vorher absprechen und Disses nur für erwünschte Schlagzeilen erfinden. Aber die HH-Bravo brauch ja auch watt zum Schreiben, woll?

ATOM: Ja, das war damals so…aber man wird älter und sieht eigentlich dasselbe, nur die Meinung und Einstellung war anders. Die Jungs haben Hip-Hop gelebt und wir auch! Heute steht man zusammen und erlebt alles gemeinsam! Besser geht’s doch nicht, oder?

Gibt es Deutsch-Rap Neuerscheinungen die ihr selbst noch feiert?

DOZE: Ich steh auf Songs von Azad, Curse, Brenna, Skor82, Desasta, Atomone, Torch, Jonesmann, Lakman, Jayla…

ATOM: Da brauch man nichts dazufügen, ganz meine Meinung…

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In Bushfeuer habt ihr euch kritisch mit der Außenpolitik George W. Bushs auseinandergesetzt. Was bedeutet euch die Wahl Obamas, erhofft ihr euch etwas davon?

DOZE: Es wurde langsam Zeit für einen schwarzen Präsidenten in Amerika. Zeit für Veränderung in diesem Land. Seine Wahlkampfparolen hat sich doch eh keiner gemerkt, es geht bei einer Wahl doch immer um den größeren Sympathieträger, und der ist nun mal eindeutig Obama. Deshalb hat er die Wahl gewonnen. Was er nun leisten und verändern wird, muss sich zeigen, aber es wird nicht einfach für ihn sein. Ich hoffe er besteht diese Prüfung unbeschadet.

ATOM: Man wird sehen, ob er das alles so halten kann was er verspricht! Auf jeden Fall besser als BUSH, der Verbrecher!

Euer Debütalbum heißt Greatest Hits (1994). Wie würdet ihr euer „Best of-Album“ nennen?

DOZE: Greatest Hits 2, Smash Hits, Ficky Ficky und Licky Licky Bum Bumdown’s Lieblingslieder, Songs für Millionen, Musik ist Stumpf, Hey Ho Too Strong, Ratatatat, Too Strongs tollste Lieder assig gerappt?

ATOM: Pure Doze und Atoms wunderbare Reise in die Vergangenheit, Hip-Hop-Oppas, die noch ein’ machen…wolln?, Zwei Hip-Hop-Junkies auf dem Weg zum letzten Schuss, Riesen-Feten-Hits für den Hip-Hop-Friedhof?

Andreas Margara (5. Januar 2009)

Interview mit Mitchman

p7Seit September 2003 war der „Studentenbunker“ Cave54 ein Anlaufpunkt für ambitionierte Nachwuchs-Rapper aus der Rhein-Neckar Region, die sich zum „Basement Jam“ trafen. Tief unten im Kellergewölbe wurde bei dieser Untergrund-Veranstaltung gejammt, gefeiert und natürlich gefreestylt. Nach fünf Jahren poetischer Improvisationen und lyrischer Duelle ist nun Schluss. Die bewährte Reihe fand am 1. September 2008 zum letzten Mal statt. Grund genug, ein paar Worte mit Mitchman (einer der Hauptverantwortlichen) zu wechseln.

Was hat dich 2003 dazu veranlasst solch eine Institution in Heidelberg zu schaffen und wer hat dich dabei unterstützt?

Mitchman: Der Basement Jam war die Idee von First Son & mir, wir haben das von Anfang an zusammen durchgezogen. Ich hatte damals schon ein bisschen Erfahrung, da ich zusammen mit meinem alten DJ bereits ein paar Jams organisiert hatte. Es gab früher, so um 2001/2002, in Mannheim im Soho jeden Sonntag HipHop & Open Mic. First und ich waren fast jeden Sonntag da, um zu rappen. Aber das mit dem Open Mic hat dann irgendwann nachgelassen. An einem Abend haben wir bis zwei Uhr gewartet, während die Veranstalter sich auf der Sofaecke auf einem Laptop einen Porno angeschaut haben. Open Mic gab es dann gar nicht mehr. An dem Abend sind wir zurück nach Heidelberg gefahren und haben beschlossen, dass Heidelberg einen eigenen Jam brauche. Vorbild war ganz klar die Sache im Soho, aber wir wollten das nicht jede Woche machen. Die meisten raffen sich leider nicht jede Woche auf, darum ist glaube ich die Sache im Soho damals auch irgendwann eingeschlafen. Es sind immer weniger MCs & Gäste regelmäßig gekommen, wie das eben so läuft, wenn man etwas immer haben kann. Für mich war das Cave54 die erste Adresse für einen Jam, denn der Laden hat einfach Seele. Wir sind dann einfach mal mit unserer Idee reingeschneit und haben unsere Chance bekommen. Obwohl First und ich die treibende Kraft waren, hätten wir den „Basement Jam“ niemals alleine durchziehen können. Wir hatten immer eine ganze Menge DJs, auf die wir uns verlassen konnten, und ohne die das Ganze nie gelaufen wäre. Alleine beim ersten Jam waren sechs DJs dabei – Spectra & Proof, Joolz & Nanoc (damals Teil der Illdividualz DJ Crew), Samu & Shockwave. Ich habe uns alle als Team gesehen und das sollte auch so rüberkommen, auf den ersten Flyern waren immer unten die Siluetten von allen drauf, die beim ersten Mal dabei waren. Die DJs haben dann aber auch immer wieder gewechselt. Spectra & Proof sind extra aus der Nähe von Stuttgart gekommen, das war natürlich eine Ausnahme. Später kamen dann Step, Cut X (heute Soundtrax), Motion, Platinum & Plasticman dazu. Ohne die ganzen DJs hätte der Jam nie funktioniert

 

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Das letzte Basement Jam

Am 1. September 2008 fand nun die letzte „Basement Jam“ statt. Wieso habt ihr euch für das Ende der mittlerweile seit fünf Jahren etablierten Reihe entschieden?

Mitchman: Die Frage habe ich jetzt so oft gehört und habe immer noch nicht die 100% passende Antwort. Mir kommt alles, was ich sage, immer irgendwie falsch vor, weil ich den Jam sehr vermissen werde! Die beste Antwort die ich habe ist: Fünf Jahre sind ne lange Zeit und irgendwie stand dieses fünfjährige Jubiläum seit einer ganzen Weile als Ende im Raum. Es gibt Gründe wie: ich habe jetzt weniger Zeit als früher und muss Dienstags jetzt immer früh raus, oder der Jam war 2008 auch nicht immer so gut besucht… Diese Liste ließe sich noch ne ganze Weile fortsetzen, liefert aber immer nur Bruchstücke einer Erklärung. Für uns war eben einfach der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören.

Welcher Emcee konnte als letzter das Golden Mic im 1-gegen-1-Freestyle-Battle gewinnen?

Es ist eine schöne Fügung, dass der letzte Champion des Golden Mic zugleich der erste Champion war, nämlich Lookey (Strike) von Freakshit. Wir hatten aber einige Champions und es gibt sehr viele Battles, bei denen ich wirklich Tränen gelacht habe. Erwähnen will ich da unbedingt RGM, Chillbert und Mars, die alle zweimal Champion waren, und Hodi, der als einziger dreimal in Folge gewinnen konnte und wie Lookey jetzt ein Golden Mic mit nach Hause nehmen durfte. Es gibt aber auch MCs die nie Champion waren, obwohl sie es meiner Meinung nach absolut verdient hätten, wie z.B. Schmizock oder Asket Akbar; sehr dope, was die bei den Battles gebracht haben.

Was war für dich der absolute Höhepunkt in der „Basement“-Zeit?

Einen absoluten Höhepunkt zu benennen fällt mir schwer, da jeder Jam etwas besonderes war. Aber ich erinnere mich, das ich bei einem Jubiläum (ich glaube es war das dreijährige) irgendwann hinten beim Mischpult gestanden bin, das brechend volle Cave gesehen habe und mir bewusst geworden ist, dass wir es wirklich geschafft hatten einen sehr dicken Jam zu etablieren. Einen Jam mit allem was dazugehört, das war für mich ein besonderer Moment.

 

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Wie lautet dein abschließendes Gesamtresümee über die doch sehr ereignisreiche Zeit im Cave54?

Ich bereue nichts! (grinst) Nein, Spaß beiseite. Für uns war der Jam unser Baby und ich weiß, dass es vielen, gerade auch jüngeren Leuten, sehr viel bedeutet hat dabei zu sein. Das hinterlässt ein sehr gutes Gefühl. Wir haben einfach unser Ding gemacht und ohne darüber nachzudenken haben wir damit ein Teil von dem zurückgegeben, was uns die Musik gegeben hat.

Sind für die Zukunft neue oder zumindest ähnliche Projektreihen geplant?

Ja und Nein. Es gibt ab September eine neue Party in Heidelberg: Re:SOULution. Die findet (große Überraschung) im Cave statt. Jeden 2. Freitag im Monat gibt es dann Oldschool, Funk, HipHop und Breaks auf die Ohren. Das Ganze läuft ohne Live-Shows, Open Mic und all das. Die Tanzfläche bleibt Tanzfläche, darum ist es neu, aber nicht unbedingt ähnlich, auch wenn die Jungs im Hintergrund dieselben geblieben sind. Andererseits können alle die gerne beim „Basement Jam“ waren bedenkenlos vorbeikommen, die werden sich sicherlich auch bei der Re:SOULution wohlfühlen!

Neben deiner Präsenz im Heidelberg Cypher hast du 2008 auch eine eigene EP veröffentlicht, was kannst du uns darüber erzählen?

Mit meinem letzten Album Flosophie (2006) bin ich bei „S17 Music“ gelandet. Dort ist die EP08 entstanden, die im Februar 2008 rausgekommen ist. Die EP ist absolut rund geworden, die Beats kommen als Ruff-Mixes größtenteils von Gee Pierce (UBeU) und wurden von H-Two (S17), der alles produziert hat, noch perfektioniert. Mit der EP habe ich einen gewaltigen Schritt in die für mich richtige Richtung unternommen, das Ganze ist sehr viel musikalischer geworden. Auf der Platte finden Inhalt, gute Musik und guter Sound zusammen. Die ganze EP kann man sich online anhören, den Link dazu findet man u.a. auf meiner Seite. Aber labern tun viele. Die Musik soll für sich selbst sprechen, wen es interessiert, der soll einfach reinhören!

 

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Gibt es schon Pläne für deine weitere musikalische Zukunft?

Die gibt es in der Tat. Ich habe bei S17 sehr viele gute Musiker kennengelernt und arbeite zur Zeit an einem neuen Projekt. Die Musik wird „Handmade“ und Computer verbinden, es gibt sehr viel echte Gitarren kombiniert mit Drumcomputer, es wird voraussichtlich ein Sax geben und sicherlich den einen oder anderen Synthie-Sound. Ich weigere mich, das stilistisch irgendwie bezeichnen zu wollen. Es wird einfach gute Musik! Ich hoffe, dass die Scheibe im nächsten Frühjahr fertig ist, sogar der Name steht schon fest – den verrate ich aber noch nicht.

Am Ende nochmal Props an dich für die coole Zeite im Cave. An dieser Stelle  hast du selbst noch die Möglichkeit offen, ein paar Grüße an die Vielzahl der beteiligten Emcees und Leute rauszuschicken, durch die die „Basement Jams“ erst zu dem geworden sind, was sie waren…

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Das ist ein guter Abschluss. Ganz zuerst will ich all denen Props geben, die in fünf Jahren immer wieder da waren und so erst möglich gemacht haben, dass der „Basement Jam“ zu dem geworden ist, was er war. Damit meine ich all die Leute, die da waren und zugehört haben, wenn MCs im Cypher Freestyles rausgelassen haben, die Lärm gemacht haben, wenn DJs ein krankes Set hingelegt haben, die Liebe haben für Rap und für Turntablism! Wenn die Leute das nicht gefeiert hätten, wäre der „Basement Jam“ sang und klanglos nach ein paar Monaten verschwunden gewesen. Dann müssen wir uns alle, das hab ich vorhin schon erwähnt, bei den DJs bedanken. Nanoc z.B. war wirklich vom Anfang bis zum Ende dabei, ohne DJs wäre das nicht möglich gewesen. Und dann die Acts, die Monat für Monat für Benzin und Maxi Menü (!) nach Heidelberg gekommen sind, um im Cave zu spielen. Wir haben in den fünf Jahren natürlich sehr viele Leute kennengelernt, deren Sound ich sehr schätze und die ich immer wieder gerne treffe, dazu gehören z.B. Luis Baltes, Mad Mike (Prosa Nostra), Brad Pitch (Wortsport), Lookey (freakshit), die Jungs vom Techniks Restaurant oder Backwoods Bunch, und natürlich die ganzen Südwestwind Jungs, die ja selbst nicht nur musikalisch sehr aktiv sind, sondern auch die Corner rausbringen! Darüber hinaus gibt es in Heidelberg eine ganze Reihe sehr guter MCs, die irgendwie mit dem Basement „aufgewachsen“ sind. Ich denke, die werden alle ihren Weg gehen und wir hören hoffentlich noch das eine oder andere Ding von Jungs wie Asket Akbar, Hodi & Schmizock oder Chillbert.

Und ganz am Ende muss der alte Mann noch seine Weisheit auspacken (lachen). Wir sind natürlich direkt angesprochen worden, ob wir nicht irgendwie mitmachen würden bei was neuem, ein neuer Jam, alle zusammen und so. Das ist an sich eine sehr gute Idee und ich denke Heidelberg braucht unbedingt einen Jam. Nur ist meine Erfahrung, dass so etwas nicht im Kollektiv funktioniert, in dem sich jeder auf den anderen verlässt und am Ende außer heißer Luft nicht viel rauskommt. Ich hoffe, dass irgendwer einfach loszieht, eine Location klarmacht und was aufbaut. First und ich sind die ersten, die da sein werden, um im Cypher zu rappen und das zu feiern. ONE LOVE!

Andreas Margara (15. September 2008)

Scotty76 im Interview

badman_scottyScotty ist nicht dein richtiger Name, dennoch nennt dich sogar deine Mum so, wie kam’s?

In meiner damaligen Crew gab es einen Tänzer, der auch Steve hieß, und da ich mir davor schon den Namen „Sir Scott“ als Pseudonym in Anlehnung an Scott la Rock (R.I.P.) von Boogie Down Productions gab, nannten mich die Leute einfach Scotty. Aber auch, weil es dadurch nicht mehr so kompliziert war mit zwei B-Boys, die denselben Namen hatten. All meine Homies, die bei mir zuhause angerufen haben, fragten nach Scotty, selbst wenn sie über mich redeten. Somit wurde aus dem schüchternen Jungen Steve der B-Boy Scotty76.

Du bist Multitalent und eine HipHop-Legende aus Deutschland. Kaum eine Person nutzt alle Facetten von HipHop so umfangreich, um sich auszudrücken. Mit welchem Element hast du damals angefangen dich am ausgiebigsten zu beschäftigen und woher kam dein Einfluss dabei?

Scotty Piece

Ich habe unsere Kultur noch nie in Elemente unterteilt. Für mich ist das alles EIN verficktes Ding, das Leute eben unterschiedlich ausleben, je nach dem was einen beeinflusst. Als ich mit all den Movements in Berührung kam, haben wirklich alle Sachen – von Taggs über Scratches zu den heißen Bars bis zum Backspin – mein Kopf und Herz berührt, und so haben wir damals einfach alles ausprobiert. Wir waren eine riesige Clique von Kids (Peace an EP 126), die Run DMC, Public Enemy, Fat Boys und so hörten und die rebellisch ihren Idolen nacheiferten mit Fat Laces, hohen Sneakers und Public Enemy-Aufnähern auf den Jacken… Wir probierten einfach alles aus,. Am meisten blieb ich wohl beim Tanzen und Malen hängen.

Woher holst du dir heute deine Inspiration? Deine Kreativität scheint ja kein Ende zu haben.

Meine Inspiration ist der Alltag. Aber auch all meine Reisen und die Reize und Wahrnehmungen unserer Welt. Und, um ganz ehrlich zu sein, sind mir die meisten Sachen auch mehr oder weniger zugefallen. Ich habe jeden Tag das Gefühl etwas erschaffen zu müssen. Aber meine Motivation hole ich mir oft von jüngeren Leuten. Ich trainiere B-Boying oft mit Seven Eleven. Davor war ich schon viel mit Rockin Attack unterwegs und es gibt nichts schöneres, als zu sehen und daran Teil zu haben, wie sich HipHop immer weiterentwickelt.

Erinnerst du dich noch an dein erstes Piece?

Das allererste Piece bei dem ich dabei war, war von meinem Homeboy Devrock, der mir damals auch das Taggin zeigte. Wir rannten damals in Ninja-Anzügen durch unseren Häuserblock. Das war die überspannende Aktion überhaupt damals.

Wie würdest du deinen Style definieren bzw. beschreiben? Und wer waren deine Mentoren?

Scotty Tag

Straight-up-B-Boy-Style, Scotty-beam-me-up-Artilliere-mässig. Ich weiß eigentlich erst jetzt, nach der DVD, wer ich wirklich bin. Ein Kind das zum Mann wurde und dabei HipHop lebt und einfach „to the fullest“ repräsentiert.

Mal eine ganz banale Frage: Hast du eine bestimmte Lieblingsfarbe?

Kackbraun (lacht). Nein, ich benutze eigentlich alles, was ich auch nur so in die Hände bekomme. Man darf ja auch nicht vergessen, dass Künstlerutensilien nicht gerade billig sind und die Zeiten des Wrecking sind bei mir schon lange vorbei. Aber am liebsten so bunt und powerfull, so colourfull wie es nur geht.

Kannst du ein bisschen was über deine Zeit in Heidelberg erzählen, wie das damals so war mit Point Blank, TPM und dem ganzen Vibe?

Wir waren alle noch verdammt jung! Advanced Chemistry, Stieber Twinz, The Phunk Masters, SCM, Cora E, Boulevard Bou, KOT, EP 126 usw. Wir waren zwar ein sehr kleines Städtchen, dafür aber eine HipHop-Hochburg. Und damals waren immer viele HipHop Größen – nationale bis internationale – zu Besuch. Vor allem dadurch, dass Torch und Gee One schon früh viel reisten. Aber lasst uns nicht zu lange über die alten Zeiten sprechen: sie waren perfekt, doch ich bin eher jemand der in die Zukunft blickt, und ich freue mich noch mehr darauf, was alles noch kommt.

Gab es einen Grund für den Umzug von Heidelberg nach Stuttgart?

B-Boy Scotty

Ich denke jeder Mensch muss seine Wege gehen. Ich liebe Heidelberg und es wird immer in meinem Herz sein, mein Stadtteil ist auch schon mit einem Tattoo in meinem Oberarm verewigt. Ich will die Welt sehen und mich wird niemand davon abhalten. Es ist nur wichtig, dass man weiß, woher man kommt. Und den Spirit hat Heidelberg immer noch. Ich kehre immer wieder zurück, um mit meinen Homies ein paar Wände zu malen oder abzuhängen. Ihr solltet auch mal nach Heidelberg und nach Underground Mcees Ausschau halten. Da kommt derbe was von ein paar Jungs aus meiner alten Nachbarschaft!

Von der Szene gibt es zwar pausenlos Props für die B-Boys und Maler, in den Medien hingegen wird man weitaus weniger gewürdigt als die Rapper. Kannst du das bestätigen und was ist deine Meinung dazu?

Hallo… die Welt bestand doch schon immer nur aus Business und Politik. Und nichts dreht sich im HipHop mehr als um die CD-Verkaufszahlen. Doch dies bedeutet mir nichts, denn zwischen den Zahlen und Skillz stehen oft auch Welten. Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen, doch die Medien verfolgen auch nur Trends, und im Endeffekt läuft alles nur darauf raus, welche Connection du hast. Dennoch denke ich, dass wir in Deutschland zwei ganz zuverlässige HipHop-Mags haben, plus das Internet. Wer den Drang hat Informationen zu suchen, wird sie auch finden! Die Szene lebt egal ob Rap, B-Boying, Graffiti…

Inwiefern haben die Southside Rockers zu einer Neuorientierung auf dem „Battle of the Year“ beigetragen?

Southside Rockers

Als wir 1996 die Shadow-Souldiers-Show auf dem BOTY tanzten, haben wir den Contest showtechnisch revolutioniert. Wir waren die Ersten, die mit einer komplett durchchoreographierten Show auftauchten. Von den Soundeffekten, unserem abgestimmten Style der Outfits und der zusammenhängenden Story. Außerdem waren wir die Ersten, die Prodigy, Mo Wax und so was in die Parts einbauten. Davor waren die Shows noch in dem Rahmen, dass man einen Tune aufgelegt hat und diese solo mit ein paar Choreos verbunden hat. Und nun kamen wir mit einem kompletten Show-Paket! Wir haben den Scheiß aufgemischt und das hat man sofort im nächsten Jahr gemerkt. Wir hatten vielleicht nie die besten Einzeltänzer, aber sobald der Vorhang fiel, haben wir die Shows gerockt – und das nicht nur national.

An welche Peformance erinnerst du dich am liebsten als B-Boy?

Es gab so viele wahnsinnige Sachen, aber das Krasseste war für mich glaub ich schon damals das Rock on Video mit den Southside Rockers. Wir haben ein 100.000 DM Video in New York City gedreht und auf dem Times Square gebreakt, sind durch die Stadt getanzt, sind mit einer Boom Box über die Brooklyn Bridge gerockt und haben auf einem Taxi vor den Zwillingstürmen einen Headspin gedreht – das waren unbeschreibliche Gefühle.

Du scheinst mit allen HipHop-involvierten Menschen klar zu kommen. Stellen Artists wie G-Hot und Fler für dich keinen Gegensatz z.B. zu Torch dar?

Es ist doch ganz klar, dass Torch und Fler zwei komplett verschiedene Menschen sind. Gegensätzlich sowieso, aber gerade das ist es, was ich wunderbar finde. Jeder Mensch ist doch auf irgendeine Weise anders und hat seine Ansichten. Ansonsten wäre es doch auch verdammt langweilig. Und solange man mich mit Respekt behandelt, gebe ich Respekt zurück – egal von welchem Camp derjenige ist! Aber erwartet nicht von mir, dass ich für irgendjemand seiner Worte oder Taten gerade stehe, denn wir sind alle erwachsene Menschen und jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Du suchst immer wieder neue Herausforderungen und bist ständig am Machen. Bist du immer noch am Sketchen und genießt es zu Sprayen, oder liegt dein Schwerpunkt mittlerweile beim Airbrush?

Scotty Fat Joe

Du musst dir vorstellen: Ich male täglich an die sieben bis acht Stunden – egal ob mit Stift, Dose auf T-Shirts oder sonstigem. Somit leidet mein Graf natürlich etwas, aber ich denke, dass ich trotzdem auf einen ganz guten Durchschnitt im Jahr von ca. 1 Piece in der Woche komme. Sketchen mach‘ ich so oder so, allein schon beim telefonieren fang ich nebenher immer mit dem Kritzeln an.

Meinem Wissensstand nach hast du nie Solo-Raps in Form eines Videos oder Aufnahmen von dir veröffentlicht. Wieso war für dich jetzt der richtige Zeitpunkt?

So fresh! Yahahhaahhhaaahhhaaaaaaaaa, das darf man jetzt nicht so als DEN Übertrack sehen. Das Musikding ist für mich mehr so ein Fun-Ding, wo ich meinen Spaß daran habe und schon immer einfach mal so was aufgenommen habe. Dieser Track ist zur selben Zeit der DVD entstanden und Sancho hat so einiges rausgeholt, dass ich ihn auch tight genug für die DVD fand. Ich wünsch mir eh, dass Deutschland mal so locker wird wie ich und den Stock aus dem Arsch nimmt. Bitte gebt einen Fick auf irgendwelche Regeln, denn das ist es, was wahre Kunst ausmacht! Lasst es direkt aus eurem Herzen heraus, denn am Ende ist es so oder so egal. Ob es jemand fühlt oder auch nicht, das liegt nicht in deiner Hand!

Andreas Margara (18. April 2008)