El-P (Klub-K Heidelberg)

El-P ist die Speerspitze des Independent-Rap. Egal ob als langjähriger Rapper, Produzent oder Labelboss von Definitive Jux – immer wieder hat er Wege gefunden, um sich mit seiner Musik vom Mainstream abzusetzen. Mit seinem neuen Album „Cancer for Cure“ im Gepäck hat El-P eine ausgedehnte Europa-Tour gestartet, die den Kreativkopf mit seiner Live-Band auch nach Heidelberg führte.

Innovative Samples, fiese Basslines und knochentrockene Reime zeichnen das Album Funcrusher Plus aus, das El-Pmit seiner Company-Flow-Posse 1997 veröffentlichte. Heute zählt das kompromisslose Werk unter HipHop-Kennern zu den Meilensteinen der Rap-Geschichte. Aufgrund von Differenzen mit ihrem Plattenlabel trennten sich Company Flow um die Jahrtausendwende von Rawkus Records und lösten sich kurz darauf sogar auf. El-P gründete daraufhin sein eigenes Label Def Jux, das zu einer legendären Plattform für alternative Künstler erwuchs und namhafte Rap-Acts wie RJD2, Cannibal Ox, Murs, Aesop Rock, C-Rayz Walz oder Mr.Lif hervorbrachte. Wahlweise trat El-P in dieser Zeit als Produzent oder Gastrapper selbst in Erscheinung.

Fünf Jahre war es still um das Mastermind aus Brooklyn, New York, ehe im Sommer das lang erwartete Album Cancer For Cure erschien, für das El-P unter anderem mit Paul Banks von Interpol oder Nick Diamonds von der kanadischen Indieband Islands zusammenarbeitete. Unterstützt von einer Live-Band präsentierte der US-Rapper seinen neusten Streich im gut gefüllten Klub-K in Heidelberg.

Unverschämt Untergrund

Den Startschuss seiner unkonventionellen Performance legte El-P aka El Producto mit The Full Retard, einem Track, der nicht nur Dank des abgedrehten Videos bei YouTube schon über eine halbe Million Mal angesehen wurde. Trotz der ungewohnt großen Aufmerksamkeit klingt der Sound mit seinem kantigen Beat aus futuristischen Synthesizern und roughen Raps irgendwie unverschämt nach Untergrund-Avantgarde. Diese typische anti-Mainstream-Attitüde übermittelte El-P, der mit bürgerlischem Namen Jaime Meline heißt, bei seinem Auftritt immer wieder mit bodenständigen Statements und seiner kumpelhaften Aura.

El-P – The Full Retard

Drones Over Bklyn, Sign Here und For My Upstairs Neighbor (Mums The Word) waren weitere Stationen in El-Ps subversivem Soundgewitter, das er nach feinster Public-Enemy-Manier in einem klirrenden Elektro-Noise-Hagel ergehen ließ. Klassischen Oldschool-Flavor versprühte der progressive New Yorker zwischendurch mit einer Hommage an HipHop-Vorreiter wie Slick Rick und A Tribe Called Quest, ehe er mit seiner von Science-Fiction geprägter David-Lynch-Metaphorik und seinem lakonischen Straßenköter-Flow wieder zurück in die Zukunft beamte.

Fehlende Klassiker

Intensiv und bassgewaltig setzte der 37-jährige El-P seine Performance in Szene. Leider fiel der an Company Flow gewidmete Teil des Auftritts mit Vital Nerve äußerst kurz aus, so dass am Ende nach etwas weniger als einer Stunde schon Schluss war – ohne dass die obligatorischen Klassiker End to End Burners oder 8 Steps to Perfection überhaupt gespielt wurden. Schade.

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