Die Profis aka Spax und DJ Mirko (Ziegler Heidelberg)

Ein DJ und ein MC. In dieser klassischsten aller HipHop-Konstellationen gehören Spax und DJ Mirko Machine ohne Zweifel zu den vordersten Vertretern aus Deutschland. Mehr als zehn Jahre ist es her, seit das Duo zuletzt unter dem Namen „Die Profis“ gemeinsam durch die Republik getourt ist. In Heidelberg meldeten sich Spax und Mirko mit ihrem neuen Album zurück – einer Hommage an die Zeit von Boom-Bap-Beats und Freestyle-Rap.

These Bushido 2010: Zeiten ändern dich. Gegenthese Spax und Mirko Machine 2011: Zeiten ändern dich nicht immer. So lautet der Titel des neuen Albums der Profis, durch den gleichzeitig auch das Konzept des knapp einstündigen Ausflugs in die Zeit erläutert wird, als „keep it real“ das Credo in der HipHop-Szene war, die Beats alle durch die Bank weg gescheppert haben und der MC noch etwas zu sagen hatte. Klingt betont rückwärtsgewandt, ist es auch. An einen Live-Auftritt nach alter Schule von Freestyle-As Spax und seinem Plattenleger Mirko mit den flinken Scratchfingern waren die Erwartungen dementsprechend hoch.

Für erste 90er Jahre Rap-Atmosphäre im nur spärlich gefüllten Ziegler sorgte DJ Fader Lustig mit seinem Vinyl, ehe Spax die mathematische Gleichung aufstellte: „Weil ihr heute nur halb so viele seid, müsst ihr doppelt so laut sein“. Mit der Liebeserklärung HipHop für mich, den passenden Stieber-Cuts und DJ Mirko als Back-up Rapper im Hintergrund, startete der langhaarige Reimveteran aus Hannover seine Show. Wahrscheinlich weil er auf der abgedunkelten Bühne etwas verloren wirkte, begab Spax sich selbst unter den kopfnickenden Haufen und setzte seinen Auftritt mit Teleskop und Reunited einfach aus dem Publikum fort. Als topmotivierter Aktivposten hinter den Drehinstrumenten gingen die wesentlichen Impulse eher von Mirko Maschine aus, der immer wieder Demonstrationen seiner Cuts und Scratches einstreute. Ansonsten gab es (zu)viel davon zu hören, wie toll doch früher alles war, als Spax vor nur ein paar Leuten in Jugendzentren aufgetreten ist und die Musik noch von Tapes anstatt iPods kam.

Auch ein kleines Best-of-Medley von seinen Alben Privat (1998) und Alles Relativ (2000) hatte Spax im Gepäck. Testament, Ich Komm oder Waffenbrüder weckten schöne Erinnerungen bei den meisten Teilen der Zuhörerschaft. Bei Popschutz aber, einem von der New Yorker Produzentenlegende Showbiz produzierten Disstrack gegen Pop-Rap und die Kommerzialisierung von Musik im Allgemeinen, drängte sich dann doch die Frage auf, ob das überhaupt noch zeitgemäß und verständlich ist, wenn längst vergessene Chart-Sternchen wie Aleksey, Tic Tac Toe, Oli P, Papa Bear und Nana durch den Kakao gezogen werden. Ganz ohne Schmunzeln konnte Spax diesen Text auch nicht vortragen. Mit dem Titel Boom Bap und gewohnt guten Freestyle-Einlagen rundeten die Profis ihren mittelmäßigen Auftritt ab.

Spax und Mirko hätten sicherlich ein größeres Publikum verdient, wodurch am Abend bestimmt ein intensiverer Austausch von Energie zwischen Bühne und Publikum stattgefunden hätte. Im Jahr der Wiedervereinigungen und Comebacks die Deutschrap 2011 erlebt hat, muss sich solch ein Boom-Bap-Projekt allerdings auch mit Vergleichbarem messen lassen. Und da geht der Punkt ganz klar an Die Coolen Säue (DCS), die in der gleichen Phase des deutschen Sprechgesangs groß geworden sind und ihren Beats und Raps nun mit ihrem so genannten „Grown Man Rap“ einen neuen Schliff verpasst haben.

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