Lords of the Underground (Ziegler Heidelberg)

Born-2-Roll lautet die Mission von DJ Dister. Mit seiner gleichnamigen Partyreihe versetzt der Berliner Plattenleger die Tanzflächen regelmäßig zurück in die 90er Jahre, als viele der größten Rap-Hits entstanden sind. Zum einjährigen Jubiläum der Heidelberger Ausgabe von Born-2-Roll präsentierte Dister drei US-Spezialgäste, die in den 90ern selbst zu den stilprägenden Rap-Crews gehörten: die Lords of the Underground.

Während sich das Heidelberger Ziegler mit aus allen Himmelsrichtungen anreisenden Rapfans füllte, sorgte DJ Dister mit einem ersten warm-up Set für den Auftakt. Gegen Mitternacht übernahm Mad Rush aus Nürnberg das Mikrophon und erfüllte mit klassischen Anheizer-Parolen seine Funktion als Host. Damit ebnete er den Weg für den Auftritt der in Köln ansässigen Rapperin Akua Naru. Mit ihrer zierlichen Statur überragte sie trotz Bühnenerhöhung kaum das Publikum, lieferte allerdings eine umso großartigere Performance ab. Inhaltlich anspruchsvolle Lyrics treffen bei der als Uni-Dozentin tätigen Akua Naru auf locker groovende Beats, womit sie alle Hände von der Bar bis zur Bühne zum Wippen brachte. Mit der Attitüde eines selbstbewussten „Femcees“ – einem weiblichen MC – präsentierte sie ihr neues Album The Journey Aflame und zollte u.a. mit The World Is Listening auch den weiblichen Vorreiterinnen des HipHop, wie Lauryn Hill, Roxanne Shanté und Heather B, Tribut.

„Here come the Lords“ hieß es dann zu fortgeschrittener Stunde. Innerhalb der ersten zehn Minuten feuerten Mr.Funke, DoItAll und DJ Lord Jazz mit Here Come The Lords, Funky Child und Psycho gleich eine derart stoßkräftige Salve ihres Hit-Repertoires ab, dass man sich fast schon Sorgen über den weiteren Verlauf der Show machen musste. Abgesehen von der schwachen Soundanlage sorgten die gut aufgelegten Lords jedoch über mehr als eine Stunde für einen anständigen Auftritt. Mit ausnahmslos jedem ihrer Stücke brachte das Trio aus New Jersey die ersten Reihen konstant zum Springen. Und dass, obwohl die deutliche Mehrheit der Fans bereits die hippeligsten Lebensjahre hinter sich gebracht hatten.

‚New Jerusalem Sound’ – so wird der von Queen Latifah initiierte und von anderen, aus New Jersey stammenden Crews, wie den Artifacts, Naughty by Nature und  den Lords of the Underground weitergeführte Sound mit betont Jazz und Funk basierten Samples bezeichnet. Live funktioniert diese Klangkulisse wie eine Zeitmaschine, die zurück in das ‚Golden Age’ der Rapmusik führte. Die vielen Oldschool-Beats von Marley Marl leisteten ihr übriges. Nach traditionellem Oldschool-Muster von ‚2 MC’s und 1 DJ’ boten DoItAll und Mr.Funke stilecht mit Rücken an Rücken eine kleine Hommage an Run DMC auf. Im letzten Drittel wurden die Lords-eigenen Hits dann mit Neva Faded und Tic Toc komplettiert, ehe es mit Chief Rocka zum großen Showdown kam. Kurzerhand wurden die schwächelnden Boxen dabei von einem mitkreischenden Bounce-Pulk ergänzt.

Zum Ausklang leiteten die Lords einen kleinen Heidelberg Cypher ein, bei dem sich Freestyle-MC’s aus der Region einreihen konnten und auf einer Ebene mit den Lords of the Underground ein paar Bars zum Besten geben durften. Danach übernahm DJ Dister wieder die Plattenteller und ließ den Born-2-Roll-Partyexpress noch bis in die frühen Morgenstunden ausrollen.

Andreas Margara (8. August 2011)

Lords of the Underground – Neva Faded

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