Wu-Tang Clan (Baton Rouge Mannheim)

Ausnahmezustand in Mannheim: Seit drei Tagen sind die Wu-Tang Killa Bees in der Quadratestadt ausgeschwärmt. Aufmerksame Einwohner konnten schon beobachten wie GZA (im Wu-Tang Shirt!) über die Planken flaniert ist oder Method Man einen Aufstand im McDonalds verursacht hat, weil er nach einer extra Portion Gewürzgurken für seinen Burger verlangt hat. Am letzten Abend war der Clan dann bei einem exklusiven Auftritt – im familiären Umfeld von 300 Zuschauern – im Baton Rouge zu sehen.

Als die herausragendste HipHop Supergroup von Staten Island bis Shanghai füllt der Wu-Tang Clan normalerweise Stadien und Arenen. Umso ungewöhnlicher, dass die acht Superstars diesmal im Baton Rouge auftraten – einem kleinen und feinen Club in Mannheim. Das Publikum teilte sich dementsprechend auch in zwei Hälften auf: die eine Fraktion erschien im konventionellen Wu-Tang-Merchandise, während sich die andere Gruppe schnieke im clubkompatiblen Dress präsentierte. Optisch fügten sich die Letzteren zweifelsohne besser in das Clubszenario mit abgetrennten VIP-Bereichen, in denen Sektkübel und frisches Obst aufgetischt wurden. Eine Wohlfühloase für alle Pelzmäntelträger vom Schlage eines Bobby Digitals oder Tony Starks.

Kurz vor halb eins bereitete DJ Mathematics endlich die Einlaufmusik für Method Man, Ghostface Killah, GZA, U-God, Masta Killa, Streetlife und einen weiteren, nicht identifizierten Backup-MC. Für die abstinenten RZA, Inspectah Deck und insbesondere Raekwon wäre ohnehin kein Platz mehr auf der winzigen Bühne gewesen. Ansprechend empfangen wurden die Clan-Mitglieder von der überschaubaren Kulisse mit aus Händen geformten „W“ und „Wu“-Rufen. Nachdem so ziemlich jedermann persönlich mit Handschlag begrüßt worden war, legten die New Yorker mit Bring Da Ruckus, Shame on a Nigga und Clan in Da Front mächtig los. Dass diese Hits vom Debütalbum Enter the Wu-Tang (36 Chambers) mittlerweile fast schon 20 Jahre alt sind merkte man dem euphorischen Method Man und seiner Truppe kaum an. Einzig die mittlerweile graumelierten Bärte der Shaolin-Rapper ließen Alterungsspuren erkennen.

Unwirklich aber einmalig war diese Atmosphäre mit knapp 200 Leuten vor und immerhin acht Männern auf der Bühne. Als wären Ghostface und die Jungs zu Besuch im eigenen Wohnzimmer. U-God schwebte mit seinen rotgekifften Augen vielmehr über dem Wohnzimmer und GZA ließ seinen Alkoholrausch mit kräftigem Schampusnachschub erst gar nicht abreißen. Die stark überlastete Anlage konnte den Bässen seines Solo-Tracks Liquid Swords leider nicht ganz standhalten. Umso klarer drang hingegen Meths Solostück Method Man durch die Boxen. Der Pulk dankte es mit energetischem auf und ab Sprüngen. Für den absoluten Höhepunkt sorgte nach Protect Ya Neckund Do You Really? (Thang, Thang) etwas überraschend DJ Mathematics – der übrigens das legendäre Wu-Tang-Logo kreiert hat – mit seiner fünfminütigen Turntablism-Show. Nach außergewöhnlich schnellen Backspins packte der DJ auf einmal Handschellen aus, mit denen er sich selbst ankettete. Vermutlich hatte er diese nicht zum ersten Mal an, denn was er damit zu leisten verbrachte war unglaublich. Nach Pirouetten, Body-Moves und verrückten Tricks, bei denen er den Crossfader seines Mischers mit dem Mund bediente, zog er sich während der sauberen Routine seine Air-Force-One aus und schmiss Meth die Schuhe zu, um anschließend den Crossfader mit dem Fuß zu steuern – eine weltklasse Vorstellung!

Jetzt war das Eis gebrochen: Gravel Pit, Wu-Tang Clan Ain’t Nuthing ta Fuck Wit, Jah World und Bring the Pain waren weitere Stationen, die den Weg in die 36 Gehörkammern fanden. Bei C.R.E.A.M. musste Method Man das Mic nur noch stillschweigend in die Menge halten um die Lyrics lauthals entgegengeträllert zu bekommen. Nach der obligatorischen Reminiszenz (Shimmy Shimmy Ya) an das 2004 verstorbene Clan-Mitglied Ol‘ Dirty Bastard, verließ der Wu-Tang Clan nach einer Stunde mit Reunited und Triumph die Bildfläche. Nur Ghostface ließ es sich nicht nehmen noch ein paar Solostücke rauszuhauen. Die Stimmung ist mit einer etwas größeren Zuschauerzahl sicher besser, dennoch hatte sie besondere Live-Erfahrung ihren Reiz. Auch im kleinen Rahmen gilt: Wu-Tang Clan Ain’t Nuthing ta Fuck Wit!

Andreas Margara (7. Juli 2011)

Wu-Tang Clan – C.R.E.A.M.

2 Kommentare

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