Limp Bizkit (SAP Arena Mannheim)

Dass Rock und HipHop zusammen funktionieren können ist bekannt, seit Aerosmith und Run DMC für „Walk This Way“ gemeinsam die Trennungswand plattwalzten. Neue Akzente in der Crossover-Musik setzte die Rockband Limp Bizkit Ende der 90er Jahre, indem sie mit DJ Lethal von House of Pain einen HipHop-DJ als zentrales Element für ihren Sound etablierte. In dieser Konstellation wurden die vier Männer um Frontmann Fred Durst mit Bands wie Korn zur Speerspitze des Nu-Metal Genres. Nach jahrelangen Turbulenzen und Umformierungen melden sich die fünf nun Live in Originalbesetzung zurück!

Um gleich vorneweg die Balance zwischen Metal und HipHop zu halten, haben sich Limp Bizkitfür zwei Vorbands entschieden. Den Anfang machte die vierköpfige Alternative Metal-Formation Psyko Dalek, die mit massiven Gitarrenbrettern ordentlich durch den Gehörgang fegten. In ihrem halbstündigen Set gab die Band aus Glasgow Titel aus ihrem Album Dead To Some zum Besten, die vom Publikum bereits putzmunter aufgenommen wurden. Weniger Beliebtheit bei den mit roten Baseball-Caps und buschigen Ziegenbärten uniformierten Zuschauern erfreuten sich die Horrorcore-Rapper Dope DOD aus Holland. Die fade Live-Performance der Gruftrapper, die von der musikalischen Ausrichtung her an die Insane Clown Posse erinnert, wurde mit den Klassikern aus dem Werkzeugkoffer des Haters diskreditiert: Buh-Rufe und Becherwürfe. Metal vs. HipHop – 1:0.

Gold Cobra heißt das brandneue Limp Bizkit Album, das erst seit letztem Freitag in den deutschen CD-Regalen steht. Nicht immer wird ein Comeback-Album im Vorfeld derartig von der Presse abgefeiert. Nicht immer werden Opener eines neuen Albums derartig positiv vom Publikum aufgenommen: 5.500 sprangen bereits zu Gold Cobra und dem Sound der Shotgun. Fred Durst scheint mit seinem goldenen Glitzerhandschuh in Jacko-Manier ein neues Accessoire für sich entdeckt zu haben, kurzerhand ließ er damit selbst die Gitarre aufheulen. Mit Bring It Back machten John Otto an der Schießbude, Sam Rivers am Bass, DJ Lethal an den 1 & 2’s und der frisch in die Band zurück gekehrte Wes Borland an der Klampfe weiter Dampf. Der Sound so brachial, dass die SAP-Arena ins wanken geriet. Limp Bizkit sind zurück und jeder in Mannheim konnte es hören!

Hochmotiviert demonstrierte DJ Lethal seine Skills in diversen Scratchpassagen und streute mit Cuts von Eric B & Rakim (My Melody) ein wenig Rap in die Rockparty ein. Im Publikum formierten sich bei My Generation hingegen erste Moshpits, bei denen jeder seine Kratzer abbekam – schön anzusehen von den Rängen aus. Mit Fast Lane und My Way Or The Highway sorgte Redcap für weiteren Treibstoff für den tobenden Pulk. Supersympathisch aufgelegt zelebrierte es Fred Durst regelrecht die Songs zeitverzögert einzuspielen um die Menge noch weiter anzuheizen. Break Stuff schien dann den vorläufigen Höhepunkt des Abrisskommandos zu markieren.

Falsch gedacht! Was der durchgeknallte Borland mit seiner Blinkebrille und der dynamische Durst in einer weiteren Stunde fabrizierten war eine 90er Nu-Metal Show par excellence. Für den legendären Fuck Song zog sich Fred Durst einen Fan aus der ersten Reihe auf die Bühne, der die letzte Strophe vor den wild durcheinander springenden Bizkits zu Ende performen durfte. Nach dem „besinnlichen“ Rearranged schickte er mit Take A Look Around Grüße an „Fucking Tom Cruise“ raus. Gänsehaut machte sich breit, als sich die komplette Arena zu den Klängen von Mission Impossible hinsetzte um kurz darauf zu Borlands Gitarreninferno komplett auszurasten. Da musste selbst der erfahrene Fred seinen roten Hut ziehen. Zur Belohnung gab’s ein Publikumsbad zu Nookie, das dem exorbitant kopfnickendem DJ Lethal sicher noch den ganzen Rest der Tour Nackenschmerzen bescheren wird. Als weiteres Dankeschön verlangte Durst bei It’ll Be OK nach Freibier für die gesamte Arena. Leider schien diese Info nicht ganz bis zum Ausschank durchzudringen.

Mit dem Ententanz und Oktoberfeststimmung verschwanden Limp Bizkit anschließend von der Bühne. An einer Zugabe kamen die Rockstars heute aber definitiv nicht vorbei. Mit Behind Blue Eyes und Faith gab es zunächst die Hommagen an The Who und George Michael, ehe mit den wummernden Bässen von Rollin’ noch einmal ein letztes Ausrufezeichen gesetzt wurde. Ein eindrucksvolles Comeback. Die Gold Cobra ist zurück ins Business geschlängelt.

Andreas Margara (26. Juni 2011)

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