Gorillaz: „The Fall“

„Einmal Gorillaz zum mitnehmen, bitte!“ So in etwa könnte man sich den Drive-Thru-Aufnahmeprozess des neuen Gorillaz Album The Fall am trefflichsten vorstellen. 15 Tracks sind entstanden, als die Band letztes Jahr quer durch die Vereinigten Staaten getourt ist und dabei immer mal wieder Stücke mit ihrem iPad aufgenommen hat. Vom einstigen Crossover aus Indie-Rock und experimentellem HipHop ist dabei wenig übrig geblieben. Experimenteller Elektro trifft es im Falle von The Fall besser. Während sich im Eröffnungsstück Phoner To Arizona ein Delphin telefonisch um eine Stelle bei den Gorillaz zu bewerben scheint aber nicht ganz bis zu Damon Albarn durchkommt, überzeugt Revolving Doors mit dem urtypischen Gorillaz-Sound, bei dem Innovation auf Melancholie trifft. Ein Ohrwurm, der sich festsetzt und so schnell nicht mehr loslässt. Bei Hillbilly Man, auf dem die Klampfe von Mick Jones (The Clash) zu hören ist, machen sich erstmals die Einflüsse des Tourens bemerkbar, die auf The Fall immer wieder zum tragen kommen. Wie knallige Fahrzeuge oder Lichter von Städten wie Detroit, Dallas, Amarillo und Phoenix rauschen diese am Fenster des Tourbusses vorbei. Zu oft klingen die verspielten Arrangements jedoch nur nach lückenfüllenden Interludes. Musikalisches Gesamtkonzept: Fehlanzeige. Bis auf Albarns Gesang fehlt es an den charakteristischen Gorillaz-Merkmalen und leider auch an Glanzpunkten. Einen der wenigen aber bedeutenden Gastauftritte markiert Soulsänger Bobby Womacks Kontribution bei Bobby in Phoenix. Disharmonisch und streckenweise chaotisch kreuzen sich die Spuren, um kurz nach dem Einklang abgewürgt zu werden (California & the Slipping of the Sun). Passenderweise endet das Gorillaz-Experiment mit unerklärlichem Gejodel (Seattle Yodel), was für die Beteiligten vermutlich ein aberwitziger Insider-Gag ist, den gemeinen Hörer aber allenfalls zurück zu Revolving Doors skippen lässt.

Andreas Margara (4. Mai 2011)

Gorillaz – Revolving Doors

Ein Kommentar

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