T.O.K. (Rude 7 Mannheim)

Mit karibischen Temperaturen von 25 Grad waren optimale Rahmenbedingungen für den Auftritt der Dancehall-Stars „T.O.K.“ gegeben. Damit die gesetzliche Spaßbremse in Form des Karfreitag-Tanzverbots keinen Strich durch diese jamaikanische Rechnung machen konnte, wurde auf dem Flyer explizit noch einmal klargestellt: „Konzert, keine Tanzveranstaltung“. Stillstehen konnte das Publikum bei den treibenden Bässen am Ende dann doch nicht ganz.

Dicht an dicht drängten sich die Dancehall-Fans an diesem Gründonnerstag in Mannheims renommiertem Reggae-Club Rude 7, um T.O.K. (Abkürzung für Taking Over Kingston) live zu erleben. Auch in der Luft hing der Duft von Grünem, das vereinzelt zu dem aus Jamaika importierten Red-Stripe-Bier konsumiert wurde. Für die richtigen Tunes sorgte bereits das hauseigene Deebuzz-Soundsystem, das eine feste Institution in Mannheim ist wenn es um Reggae und Dancehall geht. So bekamen T.O.K. um Mitternacht einen gebührenden Empfang der erwartungsfreudigen Crowd bereitet. Keine zwei Minuten dauerte es, bis das jamaikanische Quartett bestehend aus Bay C, Alex, Craig T und Flexx zum ersten Mal einen von zahlreichen Reloads durchführte. Das verwunderte auch nicht weiter, denn bereits gleich am Anfang des Sets wurden Smash-Hits wie Money 2 Burn vom Stapel gelassen, bei dem die Menge mit dem größten Vergnügen einen Neustart über sich ergehen ließ. Dass die vier Männer aus Kingston auch als jamaikanische Version von BoysIIMen gehandelt werden, bekräftigten sie mit gekonnten Gesangseinlagen und ihrer vom R&B gefärbten Dancehall-Interpretation.

Neben ihrem klassischen Abgehmaterial stellten T.O.K. auch brandneue Tunes wie Friend For Life (good friends riddim) oder Bubble (brain freeze riddim) vor, was sich bei der Zuhörerschaft live allerdings noch nicht ganz durchsetzen konnte. Umso abgedrehter verhielten sich die Rude Boys und Girls dann jedoch zu Partyhits wie She’s Hot und Runaway, bei denen vom Handtuch bis zum T-Shirt alles wild durch die Luft gewirbelt wurde. Für Keep It Blazing mussten die Männer aus der Karibik nicht lange um Unterstützung bitten: unzählige Feuerzeuge wurden nacheinander in die Höhe gestreckt. Vibrierende Bässe, Gesang und teilweise bis zur Unverständlichkeit vernuscheltes Patois waren noch längst nicht alles was T.O.K. aufboten. Mit Accapellas oder durch den Einsatz von Beatbox stellten sie ihr Rhythmusgefühl nachdrücklich unter Beweis.

Außerdem hielten sie sich auch an das vertraglich versprochene „Taktgefühl“ – der schwulenfeindliche Song Chi Chi Man ist für ihre Live-Performances nach wie vor von der Setliste gestrichen. Dagegen beendeten T.O.K. ihren sehenswerten Powerauftritt mit den ruhigeren Stücken Footprints (when you cry) und Guardian Angel. Als Zugabe feuerten sie mit Eagles Cry ihren ersten Big Tune ab, der ihnen in den 90er Jahren zum Durchbruch verhalf und den Grundstein für einen lang anhaltenden kommerziellen Erfolg legte. Das Stück ist eine Neuinterpretation von When The Doves Cry von Prince. Nach knapp mehr als einer Stunde hinterließen sie damit zufriedene Raggamuffins im Rude 7, die gemeinsam mit Deebuzz noch bis tief in die Morgenstunden feierten.

Andreas Margara (25. April 2011)

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