Interview mit B-Boy Steve

Du bist eine lebende Breakdance-Legende aus Deutschland. Wie hast du die Zeit in Heidelberg erlebt?

Steve: In den ersten drei Jahren bin ich noch alleine auf alle HipHop-Jams gefahren, zu Swift oder Sonny nach Hamburg. Dann kam Torch auf mich zu und wollte wissen wo diese Jams stattfinden. Dadurch habe ich die ganzen Leute hier kennen gelernt: Advanced Chemistry, Stieber Twins, TPM, Cora E, Point Blank Breakers. Heidelberg wurde in dieser Zeit zur HipHop-Hochburg in Deutschland. Torch, der am meisten von uns rumgetourt ist, hat überall Kontakte geknüpft. Es war eine tolle Zeit an die ich mich gern erinnere. Wir reden oft drüber wenn ich in Heidelberg bei den Stiebers im Laden vorbei komme.

Wie konntest du als einer der ersten Breakdancer in Deutschland deinen Style entwickeln, ìn einer Zeit, lange bevor es Video-Anleitungen und Workshops gab?

Steve: Stimmt, heute ist es einfacher anzufangen da alles schon vorgegeben ist. Damals war jeder noch sein eigener Lehrer. Das hat es aber besonders interessant gemacht: jeder Tänzer hatte einen anderen Style und keiner glich dem anderen. Storm, Kenny, Swift, Speedy, Maurizio und wie sie alle heißen… Man hätte jedem eine Mütze übers Gesicht ziehen können – trotzdem hätte man ihn noch an seinem Tanzstil erkannt. Diese großen Unterschiede sind heute verwischt.

Rares Video- und Bildmaterial von B-Boy Steve

Wie beurteilst du die Rollenverteilung des „Elements“ B-Boying innerhalb der HipHop-Kultur?

Steve: Rollenverteilung? Die gibt es doch gar nicht mehr. Die Elemente gehören lange nicht mehr so zusammen wie es früher auf HipHop-Jams üblich war, als MC’s auf der Bühne standen und B-Boys dazu im Kreis gerockt haben. Ihre Shirts ließen sie sich von den Writern bemalen – das war HipHop. Schade, dass die B-Boys nicht mehr zusammen im Kreis rocken, sondern nur noch battlen. Obwohl das auch anders ablief. Bei einem richtigen Battle gibt es keine Jury und auch kein Zeitlimit – das ist doch alles gestellt. Ich bin froh, dass ich noch die Phase von B-Boying miterleben durfte.

Gibt es spezielle Moves die dir zugeschrieben werden?

Steve: Mein Style zeichnet sich vor allem durch Footworks (Six-Step) aus, obwohl ich lange Zeit eigentlich nur Powermoves gemacht habe.

Wie siehst du die artistische Entwicklung im B-Boying?

Steve: Als viele B-Boys nur noch Handstand gemacht haben, hat mich das eher abgeturnt. Sie haben total vergessen, dass die Füße auch noch da sind. In den letzten vier Jahren habe ich allerdings beobachtet, dass es häufiger wieder schöne Footworks gibt und die B-Boys schöne Ideen haben, das gefällt mir sehr.

Was würdest du dir von den Medien in Bezug auf die Berichterstattung über HipHop wünschen?

Steve: Es ist sehr schade, dass die Leute die Positives bewegen wollen kaum Gehör in den Medien finden und andere, die diese Möglichkeit haben oft nur Müll reden und Schlechtes ausstrahlen. Soll ruhig jeder sein Geld machen, mir tun nur die Kids leid, die dann diese schlechten Vorbilder haben. Wenn man heute erzählt, dass HipHop mal gegen Drogen war, das glaubt doch heute kein Mensch mehr. Es geht fast nur noch um Ghettogehabe und Straßenrap, dabei waren viele der Leute die HipHop in Deutschland groß gemacht haben aus dem Mittelstand. Viel der positiven Energie ist dabei verloren gegangen. Im Soul und Funk finde ich diese positive Energy immer noch – allein die Plattencover verdeutlichen das im Vergleich. Leute wie Torch und die Stiebers wären heute wichtig. Auch wenn ich einen Jan Delay im Fernsehen sehe freue ich mich immer darüber was er redet und ausstrahlt.

Bist du immer noch als Tänzer aktiv und welche Erfahrungen hast du mit zunehmendem Alter beim breaken gemacht?

Steve: Ich trainiere immer noch zweimal die Woche. Natürlich denk ich manchmal „Wow, das warst du mal“, wenn ich alte Aufnahmen von mir anschaue, als ich um die 18 Jahre alt war. Aber man kann auch auf andere Tricks ausweichen, was es wieder interessant macht. Tanzen macht mir immer noch viel Freude, es ist wie bei einer Sängerin, die nicht aufhört zu singen.

Mit der Line „Ich geh zu Steve, der für Kies auf der Straße breakt, HipHop lebt wenn sich auch dein Arsch mitbewegt“, erweist die Luxus Chris von den Stieber Twins großen Respekt auf dem Stück Malaria. Wann hast du’s das erste Mal gehört und wie war deine Reaktion?

Steve: Bevor der Track veröffentlicht wurde hat Chrissy mir schon gesagt, dass ich in seinem Text vorkomme. Damals hätte ich aber nicht gedacht, dass der Titel so zeitlos ist und etwas bei den Leuten hinterlässt. Danke noch mal an die Stiebers, Torch und Spax für meinen Namen in euren Texten!

Vielen Dank für deine Zeit!

Das Interview führte Andreas Margara (Februar 2011)

6 Kommentare

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  2. Tomek

    Steve, nicht nur ein guter Tänzer und Lehrer sondern vor allem sehr guter Mensch!!!! Hoffe wir spielen mal wieder Schach zusammen!!! Gruss Tomek

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