Mouse on Mars in Ho-Chi-Minh-Stadt

Ho-Chi-Minh-Stadt, bei seinen Einwohnern besser bekannt unter dem früheren Namen Saigon, ist eine Stadt der Geräusche. Ein konstanter Lärmpegel erfüllt die Millionenmetropole, der wie eine Komposition aus knatternden Motorrollern, zügellosem Gehupe und dem geschäftigen Treiben auf den Straßen erklingt. Ähnlich experimentell klingt die Musik des deutschen Elektro-Duos Mouse on Mars, die am 13. November ihre ausgedehnte Asientour bei einem Openair-Konzert in Saigon ausklingen ließen.

Es war eine aufregende Tour durch Asien für Mouse on Mars. So wurde ein Gig in China kurzerhand von der Polizei gesprengt und dem deutschen Duo sogar politische Propaganda vorgeworfen. Auf Einladung des Goethe-Instituts Vietnam machten die DJs auch in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt Halt, wo gerade das Deutschlandjahr stattfindet. Mit letzten Reserven trafen Jan St. Werner und Andi Thoma in Südvietnam ein, um das große Tourfinale zu feiern.

Besondere Unterstützung für ihre Vietnam-Gigs bekam das Gespann von dem vielseitig talentierten Electro-DJ Tri Minh. Verschiedene Projekte, bei denen der Vietnamese beispielsweise Geräuschkulissen der Straßen von Hanoi zu experimentellen Electro-Beats verarbeitet hat oder Kollaborationen mit Musikern aus dem klassischen Bereich hat er auch schon in großen deutschen Clubs wie dem Berliner Tresor präsentiert. Schon von weit entfernt drangen die bassgewaltigen Beats vom großen Vorplatz des Youth Cultural House durch die Straßen Saigons. Bei freiem Eintritt war der Platz direkt an der Notre-Dame Kathedrale äußerst gut besucht. Tri Minh bereitete den anströmenden Massen unterdessen den elektronischen Einstand. Unter die vietnamesischen Besucher hatten sich auch einige im Ausland lebende Westler gemischt.

Verwunderlich wirkten zunächst die für Elektro-Parties unüblichen Stuhlreihen vor dem DJ-Pult. Da ein Plastikstuhl in Vietnam aber zum festen Inventar gehört, bremste auch das nicht die äußerst gute Stimmung. Sphärische Syntheziser-Sounds und erschütternde Basslines animierten einzelne Besucher sogar zu einer spontanen Breakdance-Session vor der Bühne.

Schweißgebadet gab der deutsche Elektro-Exportschlager alles, um die frenetische Menge weiter anzutreiben. Hinterlegt wurden die experimentellen Klänge der Marsmäuse von einer Lightshow und einer mit Beamer projizierten Videoinstallation, auf der auch verschiedene Sinnsprüche zu lesen waren. Hier lag nun also der Grund des Anstoßes für die Freidenkerpolizei in China, die zum Gigabbruch führte. Heute verlief alles reibungsfrei und nach einer Zugabe ging ein gelungener Auftritt mit einem eindrucksvollen Electro-Set zu Ende.

Andreas Margara (15. November 2010) für regioactive.de

Fotos: Tri Minh

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