Masta Ace & Edo G (Cafe Central Weinheim)

Kein Rapper schafft es Tradition und Fortschritt in einen derart perfekten Einklang zu bringen wie Masta Ace und Edo G das tun. Einerseits genießen beide den Status „Oldschool-Legende“, andererseits sind sie Garanten für innovative Neuveröffentlichungen. Nachdem es musikalisch schon häufig zum Aufeinandertreffen von Ace und Edo kam, ziert seit letztem Monat endlich ihr erstes gemeinsames Album „Arts & Entertainment“ die Verkaufsregale. Mit dem Flieger ging’s dann gleich auf Europa-Tournee, denn hier haben die Ikonen eine besonders treue Anhängerschaft.

Ein Geheimtipp ist Boston in Sachen HipHop längst nicht mehr. Kein Wunder also, dass Edo G auf die Tour Verstärkung aus seiner Heimatstadt in Form von Akrobatik und Paten Locke mitgebracht hatte. Und dass die Drei – trotz der winterlichen Temperaturen – nicht nach Weinheim angereist waren, um eine Teeparty im Cafe Central zu feiern sollte sich schon bald herausstellen. Energiegeladen stellte sich das reimende Muskelpaket Akro mit dem Track A to the K vor, dass die Wände nur so zu zitterten. Unterstützung bekam er dabei von Paradiesvogel Paten Locke an den Turntables, der sich anschließend auch als exzentrischer Rapper entpuppte. Black Hell Breaks Loose von Akrobatiks letztem Album Absolute Value hat Paten selbst produziert, mit einer gelungenen Vorstellung feierten sie den Underground-Hit gemeinsam ab. Auto Reverse, eine Hommage an die Tape-Generation, weckte schließlich großes Interesse an Lockes gerade erschienenem Album Super Ramen Rocketship. Entgegen den weit verbreiteten Gerüchten um die tödliche Krankheit des angeschlagenen HipHop-Patienten, resümierte Akrobatik am Ende der hervorragenden Wam-up-Show als bisheriges Tour-Fazit: HipHop is alive and well all over the world!

Jetzt wurden die Decks vom stämmigen DJ Chiefrocker Moe D eingenommen, der den beiden Eastcoast-Veteranen Masta Ace und Edo G gleich einen gebührenden Empfang im gut gefüllten Cafe bereitete. Zunächst gab es mit Tracks wie Claimin‘ Respect oder Wishing eine kleine Zusammenfassung dessen, was die beiden bereits vor ihrem Kollabo-Album zusammen aufgenommen haben. Die Brücke von der Oldschool in die Gegenwart schlug Masta Ace dann zum ersten Mal an diesem Abend mit Crooklyn Dodgers (1994) und Da Grind (2004).

Wenn der Mann aus Brooklyn auftritt, handelt es sich stets um eine durchdachte Performance mit ausgefeiltem Konzept. Passenderweise hat er sich diesmal mit Edo G dazu entschlossen, den wegweisenden Rap-Duos der HipHop-Geschichte Tribut zu zollen. So präsentierten sich die beiden Rapper – eingebaut in Bill Withers Song Just The Two Of Us –in stilechter Aufmachung als EPMD, Nice & Smooth, A Tribe Called Quest und Mobb Deep. Ein äußerst sehenswertes Spektakel – Arts & Entertainment eben! Vom neuen Album gab es dann Over There und das zynische Little Young zu hören.

Obwohl die fast vollendete Europa-Tour deutliche Spuren an ihnen hinterlassen hatte, gaben Ace und Edo ihre letzten Energiereserven. Die Großmeister boten einfach alles auf, besonders gefielen die Wechsel zwischen den Rap-Klassikern von damals und heute. So erinnerte Edo G mit Love Comes And Goes und I Got To Have It an seine frühen Zeiten mit den Bulldogs, als er sich noch Ed O.G. nannte, um im nächsten Moment das DJ Premier Brett Say Something aufzufahren. Masta Ace, der im gestreiften Polohemd des 1. FC Köln erschien, bekam hingegen erst volle Unterstützung für den Juice-Crew-Classic The Symphony von 1988 und das bassgetriebene Born to Roll aus den frühen 90ern, anschließend steuerten die durchweg begeisterten Fans die Zeilen für die A Long Hot Summer-Hits Good Ol Love und Beautiful bei. Nur dass die Yankees die Boston Red Sox wegfegen, damit war Edo G natürlich nicht einverstanden.   Fans hieß dann das letzte Stück, mit dem die Sympathieträger Edo G und Masta Ace – wie schon so oft – einen genialen und schweißtreibenden Abend ausklingen ließen. In der Top-Five der besten Live-Rapper aller Zeiten hat Masta Ace seinen Platz problemlos gesichert.

Andreas Margara (15. Dezember 2009)

Ed O.G. and the Bulldogs – Love Comes And Goes

4 Kommentare

  1. Pingback: Reimreport 2009 « Blog Party
  2. Pingback: Weinheim - Blog - 17 Dec 2009
  3. Pechie Wörsta

    Ich merke gerade in diesem Moment dass ich deinen Blog wesentlich mehr lesen müsste ;) – da komme ich wirklich auf krasse Einfälle

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s