J.R. & PH7 im Interview

Wer seid ihr und woher kennt ihr beiden euch ?

J.R.: Wir sind der Peter („PH7“) und der Jörg („J.R.“) aus Köln. Kennengelernt haben wir uns vor einigen Jahren als ich für Mad Flava gearbeitet habe und wir ne 12inch gemacht haben, wo der Peter einen Track mit Access Immortal drauf gemacht hatte. Damals wohnte er noch in Mannheim, ist dann aber wegen des Studiums nach Köln gezogen und von da an hat sich ne gute Freundschaft entwickelt und wir haben immer mehr Musik zusammen gemacht.

Und wie funktioniert bei zwei Produzenten die Arbeitsteilung?

PH7: Das funktioniert bei uns sehr gut und schaut folgendermaßen aus: J.R. übernimmt bei uns größtenteils alle geschäftlichen Aufgaben und ist musikalisch für die Ideen und bei unserer samplebasierten Musik für die Auswahl und das „Diggen“ der alten Platten verantwortlich. Meine Aufgabe ist dann das ganze ausproduzieren, anhand der von ihm an der MPC erstellten Beatskizzen und das einspielen von live Sachen wie hier ein Rhodes, dort eine Bassline usw. Desweiteren mische und arrangiere ich auch unsere Lieder. So hat jeder seinen eigenen Bereich und es funktioniert wunderbar bei uns…

Im Frühjahr ist nun euer erstes gemeinsames Album The Standard erschienen, auf dem neben gestandenen US-Größen wie Edo G eine ganze Reihe amerikanischer Acts aus dem tiefsten Untergrund vertreten sind. Wie kam der Kontakt zu Ami-Rappern wie Planet Asia, Rakaa Iriscience, Guilty Simpson, Black Milk und Kev Brown zustande?

J.R.: Joa, das hat sich alles so über die Jahre hin entwickelt. Ich hab 2003 bei Sevenheads in New York ein Praktikum gemacht. Von da an hat man sich dann so ein Netzwerk aufgebaut. Auch so konnten wir viele Kontakte über unser direktes Umfeld bekommen. Viele der Künstler hat man dann auch getroffen als sie hier auf Tour waren und einfach connected. Wir haben da eigentlich nur positives Feedback bekommen und es haben sich auch einige Freundschaften und weitere Projekte entwickelt.

Wie lief das mit den Rappern ab, habt ihr alle mal persönlich getroffen?

J.R.: Wir waren knapp mit der Hälfte unserer Features selber im Studio, der Rest wurde über’s Internet geregelt, wobei man sich öfter auch vorher schon getroffen hatte, auf Tour aber einfach keine Möglichkeit bestand bzw. keine Zeit da war etwas aufzunehmen.

Und wie gut haben die Absprachen über das Internet geklappt?

Wir hatten bisher zum Glück keine Situation wo wir mit den Resultaten nicht zufrieden waren. Ich glaub die Amis verstehen da schon, dass wir keinen Mist machen… (lacht)

Welche Wunschfeatures stehen noch auf eurer Liste, die bisher noch nicht verwirklicht werden konnten?

PH7: Da gabs nach dem „Standard“ Album auf jeden Fall einige Leute mit denen man gerne was macht. Mittlerweile sind wir mit dem Nachfolgealbum schon fast fertig und konnten auch einige der Wunschkünstler dafür gewinnen. So haben wir zum Beispiel auf dem neuen Album Elzhi von Slum Village, der sowohl für J.R. als auch mich einer meiner absoluten Lieblingsrapper ist, sowie Sean Price von Heltah Skeltah mit dem wir schon immer zusammen arbeiten wollten und natürlich noch viele weitere. Aber natürlich gibt’s dann selbst nach dem Lineup des zweiten Albums noch Künstler mit denen man gerne was machen würde.

JR: Für mich wär’s ein Traum was mit Phonte (Anm. d. Red.: von Little Brother) zu machen! (grinst)

Zur Single Top Rank gibt es ein sehr nett gemachtes Video, wer war dafür verantwortlich?

J.R.: Das Video wurde von Maik Lohmar und Malte Kraus konzeptioniert, gedreht und geschnitten. Vielen Dank nochmal an die beiden an dieser Stelle!

J.R. & PH7 feat. Black Milk and Guilty Simpson – Top Rank

J.R. & PH7 The standard
The standard

In Köln scheint es momentan wieder gewaltig zu grooven. Neben euch beiden verdeutlichen Acts wie Huss & Hodn und das Fleur Earth Experiment aktuell das ungeheure Potenzial an anspruchsvoller Musik, besonders aber der guten Musikproduktionen. Gibt es da eine Vernetzung untereinander und wie erklärt ihr euch diesen Aufschwung der gerade in der Domstadt passiert?

J.R.: Ich glaube es tut der Musikszene hier gut, dass wieder viele verschiedene Leute mit guten Sachen um die Ecke kommen. Es gab und gibt schon immer einiges an Potenzial hier, mir kommt’s jedoch so vor, dass gerade erst in letzter Zeit die Sachen immer mehr an Aufmerksamkeit bekommen. Wobei, wir bekommen jetzt auch nicht so viel davon ab (lacht). Aber es freut mich generell angenehmen Sound aus unserer Stadt zu hören.

Mittlerweile ist The Standard schon vergriffen. Hat sich das Album eher in den Staaten oder hierzulande verkauft?

PH7: Das Album hat sich sowohl in Europa als auch in den Staaten ganz gut verkauft und hat uns auch sehr viel gute Resonanz und Feedback gebracht! Aber auch Japan war verkaufstechnisch nicht zu verachten. Daher würde ich sagen sagen dass unsere LP weltweit gut ankam und uns auf jeden Fall ein kleines bisschen Aufmerksamkeit verschafft hat auch bei verschiedensten Künstlern aus Amerika, von denen man selber seit Jahren Fan ist, was einen natürlich auch ein bisschen mit Stolz erfüllt!

Einige eurer Beats haben mich von den Grundzügen her an den „futuristischen“ MPC-Sound erinnert, den ich aus Deutschland bisher nur von den ganz neuen Produktionen der Stieber Twins her kannte. PH7 kommt ursprünglich sogar aus Heidelberg, gibt es da eine Verbindung, bzw. siehst du dich in Tradition von Mr.Mar?

PH7: Naja, also ursprünglich komme ich aus Augsburg – also dem tiefsten Bayern! Aber wie gesagt, ein paar Jahre habe ich in Mannheim verbracht und dadurch einige Musik mit Martin Stieber (Mr.Mar) gemacht, so ist unter anderem auch die Instrumental Platte „Twin Plastic – Speechless“ entstanden. Daher hat mich auf jeden Fall die Art der Musik die Martin macht geprägt und inspiriert. Ich selber arbeite ja ohne MPC, sondern rein am Mac mit Logic aber ich sehe auf jeden Fall Parallelen zwischen J.R. und Martin die beide noch auf „klassische Art“ an ihre Beats rangehen. Martin hat immer noch seine SP am laufen während J.R. auf die MPC schwört. Aber gerade das arrangieren und hinzufügen von Synthesizern und solchen Sachen am Mac ist vielleicht das was diesen Sound ähnlich klingen lässt, das heißt man kombiniert das „Alte“ mit den neuen Möglichkeiten die sich durch das sequenzen per Rechner ergeben! Die Einflüsse die Jörg und Martin haben sind auf jeden Fall die gleichen, ich würde auch ihren Musikgeschmack als sehr sehr ähnlich beschreiben.

Und jetzt zum Schluss noch mal ein Blick in die Zukunft: Was erwartet uns neben dem zweiten „J.R. & PH7 Album“ noch an Projekten von euch?

J.R.: Es kommt jetzt im Januar zunächst eine neue limitierte 7inch von uns. Bei unserem zweites Album schauen wir gerade noch, bei wem wir das labeltechnisch am besten unterbringen können. Ansonsten machen wir einfach weiter Sound und schauen mal was sich ergibt…

Danke für eure Zeit!

Andreas Margara (30. November 2009)

2 Kommentare

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