Murs & Slug – Felt 3: A Tribute To Rosie Perez

Aus der albernen Tourbuswette, wer wohl zuerst die Schauspielerin Christina Ricci aufgrund seiner Wortgewandtheit in die Kiste bekommt, entstand 2002 das spontane Albumprojekt Felt: A Tribute To Christina Ricci. Murs aus dem Kreis der Living Legends und Slug von Atmosphere waren die beiden Akteure, die sich dieser Herausforderung stellten – zu Gesicht bekam Christina am Ende jedoch keiner. Auf ging es also mit dem nächsten Wortgefecht um die Gunst eines Hollywood-Starlets: Felt 2 und das Tribut an Lenny Kravitz’ Ex, Lisa Bonet, war geboren. Mit einer Hommage an Rosie Perez geht die Kultserie nun in die dritte Runde. Diesmal hat sich kein Geringerer als Aesop Rock vom Definitive Jux Label den Produktionen angenommen. Nachdem mit dem Opener Protagonists besonders DJ Big Wiz durch erquickende Cuts auf sich aufmerksam macht, treibt Rock die zwei reimenden Wettstreiter anschließend mit seinem komplexen Bassmonstrum Felt Chewed Up zu ersten Höchstleistungen an. Abstrakt, verschachtelt oder einfach nur grotesk, lässt sich ein Zugang zu Aesop Rocks vielschichtigen Beats meist erst nach mehrfachen Hörgängen erschließen. Like You, bei dem Aesop die Hookline gleich selbst einrappt, schmiegt sich mit sehr eingängigem Thema hingegen direkt ins Ohr. Anders als die Vorgängeralben, die Ant und The Grouch produziert haben, trägt die Rosie Perez Widmung eine weitaus finsterere Handschrift, wie die düster komponierten Tracks Permanent Standby oder Ghost Dance Deluxe verdeutlichen. Mit brachialen Bässen sorgt Aes für mächtig viel Druck und ergänzt das bestens miteinander eingestimmte Felt-Team perfekt. Im Back-to-back sorgen Murs und Slug für ein ausgewogenes Zusammenspiel an Rapzeilen und überzeugen einmal mehr mit Wortwitz und ausgefeilten Lyrics. Neben ihrem Faible für weibliche B-Promis der amerikanischen Filmlandschaft, zollt das Independent-Rap-Duo auch Respekt an seine musikalischen Wegbereiter wie EPMD oder Run DMC. So liefern sie mit We Have You Surrounded einen postmodernen Ansatz einer Neuinterpretation des Klassikers Sucker MC’s. Murs und Slug in bestechender Form, unergründliche Beats von Aesop Rock und jede Menge Scratcheinlagen von Big Wiz machen Felt 3 zu einem innovativem Gesamtkunstwerk. Für den Fall, dass es diesmal mit Rosie wieder nicht klappen sollte, hat Slug vorsorglich einen vierten Teil von Felt angekündigt, bei dem bereits das in Hollywood-Kreisen umtriebige Callgirl Heidi Fleiss in der engeren Auswahl steht.

Andreas Margara (18. November 2009)

2 Kommentare

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