Souls of Mischief (Karlstorbahnhof Heidelberg)

l_d2775a3bea38435689cc97511a954c60[1]Was vom Namen her so klingt, wie eine esoterisch angehauchte Metalband, zählt unter Rap-Connaisseuren seit 1993 zum absoluten Pflichtprogramm in der Plattensammlung: Souls of Mischief. 93 Til Infinity heißt die bekannteste Single und zugleich das Debütalbum der kalifornischen Rapper, mit dem sie den von Gangsterposses dominierten Westcoast-Rap chillige Rhythmen und inhaltlich neue Impulse verliehen. Alles andere als unheilvoll war der Live-Auftritt der Souls of Mischief in Heidelberg, zu dem sich jede Menge treue Seelen begaben.

Nachdem Produzentenlegende Prince Paul als Toursupport der Souls of Mischief aufgrund von familiärer Schwierigkeiten kurzfristig ausfiel und vor Ort im Karlstorbahnhof sogar noch das Gerücht die Runde machte, dass die Souls nur zu dritt – ohne Tajai – angereist waren, begann die Vorfreude auf die Show schlagartig zu sinken. Mit Mr.Brady von Deep Rooted hatten die Rapper aus dem Sonnenstaat allerdings noch ein Ass im Ärmel, das sie als Vorgruppe geschickt ausspielten. Fast eine halbe Stunde lang sorgte der Rapper und Beatproduzent aus San Diego zusammen mit DJ Lex für einen sensationellen Auftakt. Überraschenderweise gelang ihm das wie im Schlaf, denn Brady öffnete bei seinem Auftritt nicht ein einziges Mal seine Augen! High wie Cheech & Chong präsentierte der reimende Rastamann seine äußerst ausgefeilten Beats und ließ auch raptechnisch keine Wünsche offen. Höhepunkte setzte er zum Schluss mit dem Deep Rooted-Track Crazy, dessen Drums dermaßen knarzten, dass selbst die Barfrau im Vorraum die Füße von dem gewaltigen Basslauf massiert bekam. Die HipHop-Hymne Let My Record Rotate, die Rob The Viking meisterhaft arrangiert hat, hätte DJ Lex noch den ganzen Rest des Abends in Endlosschleife laufen lassen können, ohne dass er sich damit Feinde im Karlstorbahnhof gemacht hätte.

soulscartoon1Gegen die anschließende Performance der Souls of Mischief hatte hingegen natürlich auch niemand etwas einzuwenden. Tajai stand dann wider erwarten doch mit auf der Bühne und machte auch gleich auf sich aufmerksam, indem er dem Soundmann rüpelhaft aber nicht ganz zu Unrecht wegen derzu leisen Mikrofone anpöbelte. Ohne Rapper A-Plus war das reimende Quartett aus Oakland dennoch unvollständig erschienen, der große Einsatz der MC’s Opio, Tajai und Phesto machte den Ausfall im Verlauf des Abends aber wett. Die Souls of Mischief sind allesamt auch Mitglieder des achtköpfigen Kollektivs Hieroglyphics und deshalb gab es heute auch einige Hiero-Hits wie Powers That Be oder den Rap-Klassiker You Never Knew auf die Ohren.

Das beständige Duell zwischen den drei Rappern und dem Soundmann, durch das so mancher Rappart zu einem Acappella improvisiert wurde, zog sich quer durch die gesamte Souls-Show. Passenderweise spielte das Trio Chaos And Turmoil deshalb etwas chaotisch mit übersteuerten Mikros. Den glanzvollen Schlusspunkt der sehenswerten und engagierten Performance setzten Opio, Phesto, Tajai und der technisch versierte DJ Lex erwartungsgemäß mit 93 Til Infinity. Auch 2009 ist der Alltime-Classic immer noch richtungweisend in Sachen entspannter Flows und lässig inszeniertem Sampling (Billy Cobham: Heather). Obwohl mit Prince Paul der Produzent des bald erscheinenden Souls of Mischief Albums Montezuma’s Revenge leider abwesend war, endete der Abend für die Fans erfreulich. Selbst der Sound klang am Ende versöhnlich.

Andreas Margara (16. November 2009)

Mr. Brady – Let my record rotate

3 Kommentare

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  2. whatthefuck?

    also ich find es schon krass wie hier fakten verdreht werden um das karlstor gut aussehn zu lassen. ich bin seit jahren treuer s.o.m fan u habe sie auch shcon einmal in weinheim live gesehen. damals war die show der hammer und ich habe mich drauf gefreut sie nochmal zu sehn.

    die show im ktor dagegen war einfach eine unverschämtheit. da sagt prince pual ab (war ok da der preis gesenkt wurde).
    dass dann aber nur tajai opio und phesto auf die bühne kommen und den ganzen abend kein wort über a-plus verlieren ist schon ziemlich wack. wobei eigntlich keine überraschung da sie eh nur 40 min auf der bühne standen, ein halbgares lustloses set runterratterten und anschliessend schion wieder verschwanden nach 1 1/2 strophen ihres klassikers 93 til infinity (bei dem sie noch den text verkackten)

    dazu kam das der sound furchtbar war u noch schlimmer das tajai die kommplette stimmung auf den tiefounkt brachte durch sein rumschreien und stress scheiben.

    ein trauriger abend für hip hop und meinen geldbeutel
    hab mich geschämt dort zu sein

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