Too Strong (Halle02 Heidelberg)

toostrongToo Strong ist weitaus mehr als HipHop. Es ist eine Art Religion, die Pure Doze und Der Lange vor einer gefühlten Ewigkeit in Dortmund begründet haben. Noch immer ist die Anhängerschaft der Ruhrpott-Rapper in der Kulturbewegung „Silo-Nation“ organisiert. Beim Tourstopp in Heidelberg haben wir uns unter die Too-Strong-Jünger gemischt…

Für den Auftakt in der Halle-02 sorgte das Reimtrio Armada aus dem Rhein-Neckar-Delta. Akzente setzte besonders DJ Ill-1, der mit technischer Raffinesse an seinen rotierenden Arbeitsgeräten überzeugte. Das Gespann an den Mikros konnte das Publikum hingegen mit ihren Texten auf Instrumentals von Ol’ Dirty Bastard oder den Beatnuts erwärmen. Auch gute Eigenproduktionen, wie Der Lauf der Dinge, stellte die Armada vor – ohne dabei unterzugehen. Kein Wunder, hatte der rappende Flottenverband doch Rückenwind aus dem Publikum.

Im zwanzigsten Jahr, sechs LP’s – so lautet die beeindruckende Bilanz der einmaligen Underground-Rap Karriere von Too Strong, die lustigerweise mit einem als Greatest Hits betiteltem Erstlingswerk begann. Auch wenn sie mit zu den ersten deutschen Rap-Formationen überhaupt zählen – Anzeichen von Altersschwäche lassen die Dortmunder jedoch noch lange nicht erkennen. Pure Doze und Atom One (formerly known als Der Lange)  wirkten frisch und präsent wie eh und je. Musikalisch unterstützt wurden die Veteranen heute von DJ Toni Rocksta an den Drehscheiben, Clitko an der Gitarre und dem extrovertierten Muskelpaket Brenna an den Drums.

tnDetail_DerLange1Eröffnet wurde das Too-Strong-Set mit der Single Rap Music is Life Music vom gleichnamigen neuen Album, ehe es mit den Tracks 2 von 7 aus 98 und Nummer Eins Team erstklassiges Material von Die Drei vonne Funkstelle zu hören gab. Genau wie Atom ankündigte, war der Kindergeburtstag jetzt vorbei, der Pott holte zum wuchtigen Punch mit dem Vorschlaghammer aus. Statt des eigentlichen InterCityFunks mit Der Kurs ist vorherbestimmt, sorgte der wüst tobende Pulk in den ersten fünf Reihen mit Pogo für InterCityPunk, der die Halle-02 zu einem Schlachtfeld transformierte.

Auch bei der Sprayer-Hymne The Real Deal von Atom One bewiesen die erfahrenen Oldschool-MC’s, dass sie echte Crowd-Pleaser sind. Für den kompletten Abriss sorgten die überdrehten Einlagen des agilen Live-Drummers Brenna und die metalesken Riffs von Clitko. Oberkörperfrei dominierte Brenna das Szenarium an seiner Schießbude und ließ sich dazu in Rockstar-Manier feiern wie ein zweiter Keith Moon. Sozialkritisch wurde es anschließend mit der neuen Single Polizisten. Ähnlich kontrovers wie der Auftritt wirkte das Bühnenbild mit Pure Doze, der in etwa so groß ist wie Napoleon und seinem ungleichgroßen Mitstreiter, der nicht umsonst „Der Lange“ genannt wird.

Dass eine Too-Strong-Show zu Ende geht, erkennt man entweder daran, dass die Silos im Publikum vor Anstrengung bewusstlos werden oder wenn die Sirenen aus der Star-Wars-Titelmusik ertönen. Dann nämlich ist es Zeit für den berüchtigten Empire Remix von Rabenschwarze Nacht. Hier müssen alle noch ein letztes Mal alles geben, ansonsten verteilen die Dortmunder zum Antrieb auch gerne persönlich Arschtritte. Überraschend gab es diesmal sogar noch einen obendrauf: Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist. Diese Trinkhallen-Hymne entstand 2006 in gemeinsamer Arbeit mit der legendären Punkband Die Kassierer aus dem benachbarten Bochum-Wattenscheid. Damit verabschiedete sich Too Strong aus Heidelberg, wo sie eine kurze aber intensive Performance abgeliefert hatten.

Andreas Margara (9. November 2009)

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