KRS-One & Buckshot: „Survival Skills“

Survival_skillsAch, was hat die moderne Technik nicht schon für grausige Spielarten von Rapmusik hervorgebracht? Jüngstes Beispiel dafür ist der Verzerr-Effekt Auto-Tune, mit dem einst Naturschönheit Cher ihr Chart-Comeback feierte. Die Pop-Rap-Fraktion um Kanye West, T-Pain und Black Eyed Peas lässt sich dank dem inflationären Gebrauch dieser Tonhöhenkorrektur klanglich kaum noch auseinander halten. Wie man sich hingegen über Jahrzehnte hinaus im Business behauptet, ohne fernab der traditionellen HipHop-Produktion zu experimentieren, davon können KRS-One und Buckshot ein Liedchen singen. Auf ihrem Kollabo-Album Survival Skills singen sie gleich 14 davon. Vorab sorgte das Duo mit der Single-Auskopplung Robot schon für Wirbel, da sie damit die mangelnde Originalität vieler Künstler anprangerten und besonders den übersteigerten Einsatz nervtötender Gimmicks kritisierten. HipHop-Puristen und Verfechter klassischen Boom Bap Sounds müsste das Jointventure aus Teacher KRS-One und Buckshot, dem Kopf der Boot Camp Clik, also restlos überzeugen. Eröffnet wird Survival Skills direkt mit dem gleichnamigen Titelthema. Routiniert ergänzen sich hier die beiden Rapper im Wechselspiel auf den eingängigen Beat von Ill Mind, den DJ Revolution mit jeder Menge Cuts verziert. Weitaus melodischer wird es mit The Way I Live, wobei Buckshot behutsam seine Reime aneinandersetzt und Mary J. Blige gesangliche Unterstützung leistet. KRS-One hingegen nimmt die von Black Milk zwischen smooth und peitschend arrangierte Soundkulisse aus vollem Lauf und entlädt dabei so einiges an Energie. Neben den obligatorischen Hardcore-Vertretern der Boot Camp Clik, kommen mit Talib Kweli, Pharoahe Monch, Immortal Technique und Slug gleich vier begnadete Lyricists als Feature auf jeweils einem eigenen Track unter. Für Think of All the Things haben die New Yorker ein weiteres interessantes Feature eingespannt: den aus Mogadischu stammenden K’Naan, der für seine politischen Texte bekannt ist. Überraschungen gibt es noch gegen Ende. Zum einen trifft KRS-One bei Murder 1 auf die Dancehall Legende Bounty Killer, zum anderen hat 9th Wonder zum krönenden Abschluss mit Past*Present*Future doch tatsächlich das gleiche Sample ausgegraben, das deutschen Rapfans sicherlich noch vom mittlerweile zehn Jahre alten Eins Zwo Album Gefährliches Halbwissen bekannt sein müsste. Achtung, Achtung: ein gutes Album!

Andreas Margara (19. September 2009)

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