Interview mit Face Error

l_7acbfb225b7743f1878cb7a2cb5c9092Face Error ist Rapper und Beatbastler aus Berlin. Unter anderem hat er Kool Savas‚ letztes Album Tot oder Lebendig mitproduziert. In seiner Heidelberger Zeit war er unter dem Namen Beatbone als Live-Drummer – ein Novum zu dieser Zeit – bei den HipHop-Pionieren Advanced Chemistry beschäftigt, die für ihre energetischen Shows berüchtigt waren. Andreas Margara unterhielt sich mit Face über damals und heute…

Andreas Margara: Stell dich doch bitte zunächst Mal unseren Lesern kurz vor…
Face Error: Mein Name ist Face Error oder auch FacelaFace, früher war mein Name Beatbone, als Drummer von Advanced Chemistry.

Du bist schon sehr lange am Musik machen. Kannst du dich noch erinnern, wie das damals bei dir angefangen hat?
Ich habe mit dem Schlagzeugspielen angefangen. Meine erste richtige Band hieß Throb Throb. Im Rhein-Neckar-Kreis waren wir berüchtigt für energiegeladene Shows, der Sänger war ein Tier auf der Bühne. Es war eine Mischung aller Musik, die wir damals so hörten: Punk, Indie, Funk und Rock. Wir veröffentlichten ein Tape und dann einen Track auf der ersten „Heidelberg Compilation“ überhaupt. Der Gitarrist Jochen Seiterle stieg übrigens, als ich gerade bei AC anfing, bei der Ska Band The Busters ein, ebenfalls aus dem Heidelberger Raum.

Wie kam es dann dazu, dass du von Rock und Punk zum HipHop gekommen bist und schließlich bei Torch und AC an der Schießbude gelandet bist?

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Advanced Chemistry mit Beatbone an den Drums

Ich kannte Torch über meinen damaligen Kumpel Monti. Als ich mit Monti abhing, habe ich natürlich auch ihn kennen gelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb. Eines Tages rief er mich an und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, für die Live-Auftritte der geplanten Tour von AC Schlagzeug zu spielen, denn er wusste, dass ich Schlagzeug spiele und schon viel Live-Erfahrung gesammelt hatte. Ich sagte „warum nicht“ und schon standen wir das erste Mal zusammen auf der Bühne. Es funktionierte gleich sehr gut und man kann wohl mit Recht sagen, dass wir live ziemlich rockten. Das coole war, das die Leute richtig Pogo tanzten, ich kannte das bis dahin nur von Punk- und Hardcore-Konzerten. Unser erster Gig war glaube ich in Stuttgart. Danach spielten wir praktisch jedes Wochenende in den nächsten zwei Jahren plus zwei komplette Deutschland-Touren.

Wie stehst du heute in Kontakt mit den Oldschool-Veteranen, nach deinem Umzug von Heidelberg nach Berlin?

Die Kontakte zu alten Kollegen aus der Szene bestehen aus einer Hand von Leuten, wie z.B. den Stieber Twins, Melbeatz und Kool Savas, wobei Savas und Mel ja erst später dazukamen. Man sieht die alten Gesichter manchmal auf größeren HipHop-Jams, das ist dann so wie ein Klassentreffen. „Ach damals, weisst du noch?“ ist dann ein Satz, der oft zu hören ist.

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Face Error
© http://www.myspace.com/faceerror

Damals war die deutsche Szene noch klar zu überschauen. Welche Aktivisten hast du während den Touren persönlich treffen können?

Wir haben sehr oft mit den Beginnern gespielt, die waren damals ja auch schon sehr umtriebig. Eigentlich kannte man jeden, der irgendwas in der Szene zu sagen hatte. Wir waren sehr vernetzt mit der Kölner Szene. Linguist wohnte ja auch in Köln. Aber das Netzwerk erstreckte sich über ganz Deutschland, von Norden nach Süden.

Heutzutage sind Live-Musiker bei Auftritten der erfolgreichen Rap-Gruppen kaum noch wegzudenken. In den 1990er Jahren hingegen waren Instrumente auf den Bühnen weitaus rarer. Wie waren die Reaktionen des Publikums?

Wir waren tatsächlich die erste deutsche HipHop-Band, die Live-Drums am Start hatten. Ich kannte das von Bands wie den Disposable Heroes of Hipocracy aus USA oder Urban Dance Squad aus Holland. Die Leute waren geflasht, denn die Live-Drums waren natürlich viel energetischer als Beats aus der Dose. Auch Lautstärke-technisch waren wir einfach wuchtiger, als alle anderen HipHop Live-Acts von damals. Die Beginner verstanden das sofort und hatten bald auch einen Live-Drummer. Ich spielte einfach auf die vorproduzierten Beats drüber, die Beats liefen ultralaut auf den Monitorboxen. Das Timing musste stimmen, das ist klar.

Warum hast du dich schließlich entschieden selbst Beats zu produzieren und mit welchem Equipment?

Ich wollte schon immer meine ganzen Ideen verwirklichen, die Samples, die ich für cool hielt, in Beats packen – und das so unkompliziert wie möglich. Ein Freund zeigte mir damals das Programm Fruity Loops und ich war sofort begeistert. Ich besorgte mir die Vollversion und fing an Samples zu schneiden und Beats zu produzieren, mit der Zeit wurde der Sound auch immer besser. Das Programm wurde auch immer professioneller und umfangreicher. Also man kann sagen ich habe den größten Teil meiner Beats mit Fruity Loops produziert. Auf einem Pentium 2 PC! Mit Mel haben wir dann natürlich auch auf der MPC und Cubase gearbeitet, bis heute…

Den wenigsten Savas-Fans dürfte bekannt sein, dass du unter anderem auch sein neues Album Tot oder Lebendig mitproduziert hast. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Mel und Savas?

Mel und ich kennen uns über einen gemeinsamen Freund aus Berlin, den ich wiederum über Arnd aka Ed Winter kennenlernte. Aus Spaß fingen wir an gemeinsam Beats zu basteln. Savas, mit dem Melanie damals zusammen wohnte – sie waren ja ein Paar –, hörte die Ergebnisse und war begeistert. Er fragte uns, ob er einen Beat, den wir zusammen produziert hatten, für seine Produktion benutzen könnte. Mit den Jahren kamen dann ein paar Titel zusammen, der letzte war der Titeltrack seines letzten Soloalbums Tot oder Lebendig, den Mel und ich Co-produziert hatten. Ansonsten arbeiten wir auch an ganz anderen Sounds, was aber noch geheim bleiben muss (grinst).

Was ist als nächstes von dir zu erwarten?

Als Drummer habe ich eine neue Band in Berlin namens Knete. Wir sind gerade dabei ein Live-Programm auf die Beine zu stellen und gehen bestimmt auch ins Studio. Live kann man Face Error aber jederzeit buchen, der letzte Gig war in Stuttgart mit den „Wordsound“-Jungs aus New York. Es bleibt also spannend…

Andreas Margara (24. Oktober 2009)

Ein Kommentar

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