Raekwon: „Only Built 4 Cuban Linx… Pt. II“

Raekwon-OnlyBuilt4CubanLinxIICoverMit Enter the Wu-Tang (36 Chambers) hatten die neun Mitglieder des Wu-Tang Clans 1993 eindrucksvoll widerlegt, dass zu viele Köche den Brei verderben. Zwei Jahre später kredenzte Chefkoch Raekwon Only built 4 Cuban Linx… und zeigte damit welchen Flavour seine ganz eigene Suppe hat. Das Werk zählt zu den absoluten Klassikern der Rap-Geschichte und gilt wegen der vielen Referenzen zu italienischen Gangsterfilmen als Geburtsstunde des oft kopierten „Mafioso-Rap“. 14 Jahre später erscheint nun Only Built 4 Cuban Linx… Pt. II, das allein vom Namen her noch nicht von allzu großer Innovation zeugt. Natürlich drängt sich da die Frage auf, ob man einen Klassiker überhaupt fortsetzen sollte. In diesem Fall definitiv ja! Schon Popa Wus Weisheiten auf das Gänsehaut-Sample Mellow Mood der Einführung bringen vielmehr Kinoatmosphäre als herkömmlichen Audio-Sound ins Wohnzimmer. Das vorab veröffentlichte Comic-Video zu House of Flying Daggers hätte ohnehin seinen Oscar schon verdient. Wenn Inspectah Deck alias Rollie Fingers, Ghostface Killah alias Tony Starks, Method Man alias Johnny Blaze und GZA alias Maximillion als Gangster-Besetzung dann allesamt noch in ihre Wu-Gambino-Rollen schlüpfen, um über den pulsierend-zirpenden Streicherloop von J Dilla zu rappen, herrscht Feierlaune in den 36 Gehörkammern. Die weitere Produzentenliste liest sich wie ein Spaziergang auf dem Walk of Fame der Beatbastler: Pete Rock, Marley Marl, Dr. Dre, Alchemist, Eric Sermon und natürlich RZA alias Bobby Steels. Dennoch ist zu spüren, dass Raekwon alias Lex Diamonds hier den Regiesessel alleine platt gesessen hat. Passgenau und szenisch korrekt, befindet sich jedes noch so verspielte Interlude genau an der richtigen Stelle. Wie schon OB4CL – das vom Cover und Booklet detailverliebt nachgeahmt ist – lebt die Fortsetzung vom Wechselspiel der unnachahmlichen Reimtechniken von Lex Diamonds und Tony Starks. Die betont melodische Soundkulisse ist mit Smokey Robinson, Margie Joseph, The Dramatic und Bobby Womack wieder stark von Soul-Samples der 60er und 70er Jahre durchtränkt. Mit New Wu hat OB4CL2 auch eine waschechte Clan-Hymne, die mit simpler Genialität verdeutlicht, wie der Wu-Tang Sound im neuen Jahrtausend klingen sollte. Ason Jones ist eine würdevolle Hommage an den verstorbenen Ol’ Dirty Bastard, auf dem slow-arrangierten Have Mercy trifft Raekwon seinen Doppelgänger Beanie Sigel. Weitere interessante Features auf der 24 Titel starken Scheibe stammen von Slick Rick, Styles P, Jadkiss und Busta Rhymes. Ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Konzeptalbum, das nicht nur ein würdiger Nachfolger des 95er Meilensteins ist, sondern das bisher beste Rap-Album im Jahr 2009.

Andreas Margara (10. Oktober 2009)

4 Kommentare

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