Afrob: „Der Letzte seiner Art“

afrob-letzte-seiner-artGerade 20 Jahre war Robert Zemichiel alt, als er 1999 zusammen mit Ferris MC als Reimemonster durchstartete und die Musikkanäle mit Rap auf Deutsch eroberte. Auch heute wird Afrob häufig auf diesen sinnfreien Partyklassiker reduziert. Und dass, obwohl er sich zwischenzeitlich mit den Brothers Keepers gegen rechte Gewalt engagiert oder 2003 mit seinem Freund Samy Deluxe das beachtliche Kollabo-Album Wer hätte das gedacht? veröffentlicht hat. Nach vier Jahren meldet sich Afrob jetzt mit dem Album Der Letzte seiner Art zurück im schnelllebigen Rap-Geschäft. In neuem Gewand mit Clap-Beats und düsteren Verzerr-Effekten, überraschte der Stuttgarter schon vorab mit der Single Wo sind die Rapper hin?. Auch wenn die Meinungen darüber zwiegespalten waren, ließ sich diesem neuen Afrob-Style ein gewisser Charme nicht absprechen. Schon mit Wat is los, dem zweiten Stück der Scheibe, verfliegt dann jegliche Erwartungsfreude. Überdrehte Synthesizer-Produktionen prasseln fortan wie heftige Regenschauer auf den Gehörgang nieder. Nach dem plastischen Beat-Massaker Schnelle Nr., das durch eiliges Skippen wenigstens seiner Betitelung gerecht wird, bestätigt sich dann mit Babygirl die Befürchtung, dass Afrob auch Auto-Tune zum Einsatz bringen wird. Musikalisch einfallslos geht es dann weiter mit So lange her. Es ist kein Geheimnis, dass Afrob kein ausgefeilter Lyricist ist, doch was Zemichiel uns hier an Reimpaaren anbietet, hält allenfalls das Niveau eines Kindergeburtstags. Unzählige Male muss „Obama“ als Reimwort herhalten. Afrobs Phrasengedresche konstruiert sich aus peinlichen Punchlines und penetrantem Narzissmus. Immer wieder streut er in seine Raps pseudo-politische Anspielungen ein, die im faden Sumpf aus bouncendem Club-Sound allerdings völlig verfehlt wirken. Immanent sind dabei ständige Verbindungen zu Hautfarbe und Rassismus, die wie der Titel des Stücks Mein Kampf auf Provokation abzielen. Die Feature-Liste liest sich mit Camouflow von Breite Seite, Samy Deluxe und den Chanteusen Brixx und Cassandra Steen zwar anständig und abwechslungsreich, kann aber an dem Umstand, dass hier ein Rapalbum der schlechteren seiner Art vorliegt, wenig ändern.

Andreas Margara (12. September 2009)

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