Tito & Tarantula (Cafe Central Weinheim)

tito__tarantula_02_05_2007_kuz_kreuzBei dem Namen Tito & Tarantula hat man schnell den Klang von staubigem Wüstenrock im Ohr und das Bild von wilden Zombieschlachten vor Augen. Kein Wunder, zählt die mexikanische Band doch seit dem Film „From Dusk Till Dawn“ zur Stammbesetzung der Filmemacher Quentin Tarantino und Robert Rodriguez. Immer wieder lieferten die Kultmusiker um den charismatischen Frontmann Tito Larriva Beiträge zu den einzigartigen Tarantino-Soundtracks ab. Zurzeit befinden sich die Rocker auf großer Deutschland-Tour.

Einen Hauch von der Atmosphäre einzufangen, die Tito & Tarantula bei ihrem Auftritt in der legendären Bikerbar „Titty Twister“ versprüht haben, war wohl erklärtes Ziel aller, die an diesem Abend massenweise in das Weinheimer Cafe Central strömten. Seit 1992 musiziert Sänger und Gitarrist Tito Larriva bereits mit den Tarantulas, wobei die Band-Besetzung schon mehrfach durchwechselte und dabei ein Dutzend Musiker verschlissen hat. Aktuell bekommt Tito Unterstützung vom zotteligen Alfredo Ortiz an der Schießbude, Steven Hufsteter an der Klampfe und der Bassistin Caroline „Lucy LaLoca“ Rippy. Ohne Vorgruppe betrat die vierköpfige Band nach kurzer Wartezeit schließlich die Bühne.

Hinter seiner dunklen Sonnebrille versteckt, gab Tito zunächst The End of Everything zum Besten, ein Stück des nunmehr fünften und neuen Tito & Tarantula Albums Back Into The Darkness (2008). Musikalisch wollte der Mexikaner damit wieder einen Schritt zurück zu seinen Punk-Wurzeln machen, was ihm hörbar gelungen ist. Neben seiner Energie, die von der Bühne sofort auf das Publikum übergeht, ist es besonders seine Stimme, die Live komplett unverfälscht erstrahlt. Trotz des unverkennbaren mexikanischen Einflusses überwiegt Englisch als Sprache in den  Liedtexten.

salmaBei stilechter Höllentemperatur im Cafe Titty Twister bekam die dicht gedrängte Meute einen bunten „Mexicore“-Mix aus fast allen Alben geboten. An das treibende Torn to Pieces von Andalucia (2002) schlossen Pretty Wasted und Monsters mit Punkeinschlag an, ehe es mit Clumsy Beautiful World ins Jahr 1999 zu Hungry Sally & Other Killer Lullabies zurückging. Seiner Brille hatte sich der sympathisch aufgelegte Tito mittlerweile entledigt und nun kam es endlich zu dem Moment auf den alle sehnsüchtig gewartet hatten: After Dark.

Mal abgesehen davon, dass Salma Hayek nun leider nicht knapp bekleidet mit einer weißen Schlange um den Hals aus dem Backstage tanzte und auch George Clooney nicht die Whiskey-Zeche übernahm, blieben keine Wünsche mehr offen. Umhüllt von Rauchschwaden lieferte Tito Larriva eine astreine Performance des atmosphärischen Meisterstücks ab, das ohne Zweifel mitverantwortlich für den Erfolg des Streifens „From Dusk Till Dawn“ war. Die bis dato relativ unterhaltsame Tex-Mex-Show hatte jetzt seinen absoluten Höhepunkt gefunden.

Als Zugaben gab es anschließend zwei weitere Highlights. Zuerst spielte Tito sein spanisches Solostück Alacran y Pistolero, das aus dem Rodriguez-Film „Desperado“ bekannt ist, um am Ende den Hit Angry Cockroaches abzufeuern. Bei mexikanischer Hitze konnte die Menge durch springen und pogen jetzt die letzten Reserven an Flüssigkeit ausschwitzen. Ohne Zombie-Verwandlungen und Gemetzel war dann Schluss – man konnte zufrieden seine Heimreise antreten.

Andreas Margara (17. Juni 2009)

Tito & TarantulaAfter Dark

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