Tone: „Phantom“ (Aus dem Dunkeln ins Licht)

phantom1„Das Frankfurter Phantom ist zurück“ proklamiert Tone im Eröffnungsstück Aus dem Dunkeln ins Licht. Wenn man bedenkt, dass der Reimroboter eine gefühlte Ewigkeit gebraucht hat um Solo zu debütieren, steht der Nachfolger von Zukunftsmusik nach nur vier Jahren Wartezeit schon überraschend früh im Verkaufsregal. Mit Chören und Fanfaren breitet sich gleich von Beginn an eine düstere Atmosphäre aus, die sich in voller Länge über das gesamte Album legt. Auf dem bassgewaltigen Bös rappt Tone ungewohnt langsam und auch bei den anderen Tracks hält er sich diesmal mehr zurück mit seinem schnell-fließenden Hessenflow. Natürlich hat der Battlerap-Pionier wieder jede Menge lyrischer Kampfansagen im Gepäck und lässt die abgedrehten Punchlines aus seinem riesigen Beleidigungs-Repertoire nur so sprießen. Zeilen wie: „Und wenn du mich nervst, flieg ich mit deiner Mutter nach Las Vegas, heirate Sie, komm zurück und geb Dir Hausarrest!“ (auf Tribute to Biggie) belegen Tones gewitzte Art zu Dissen und können sich am Ende der 70 Minuten Spielzeit dermaßen subversiv auswirken, dass man(n) sich glatt Frauenkleider bestellen möchte. Anstoß für Kritik sind einige zweitklassige Produktionen, die sich das Phantom diesmal gepickt hat. Clapbeats lassen hier beispielsweise Innovation vermissen und auch viele der elektronischen Experimente wirken nicht selten unausgereift und zu synthetisch. Harmonisch wirkt hingegen das Zusammenspiel zwischen Tones rauen Raps und dem bewusst melodiös gewählten Gegenpol, den die Gesangsgäste J-Luv, Xavier Naidoo und Cassandra Steen konstruieren. Das interessanteste Feature kommt jedoch eindeutig von Kool Savas. Denn hatte Tone mit der Single Ich diss dich 1994 das Tor für Battlereime auf Deutsch aufgetreten, war es später Savas, der damit die Charts erobern konnte. Mit Du hast Recht befinden sich Vater und Sohn des Battlerhyme jetzt zum ersten Mal gemeinsam auf einem Track. Eine Drei-Minuten-30 lange Egoparty, die selbstredend nur so vor Narzissmus und Größenwahn strotzt. Ansonsten überrascht der charismatische Frankfurter mit einer enormen Themenvielfalt, die weit über Standard-Battlephrasen hinausreicht. 

Andreas Margara (19. April 2009)

Konkret Finn – Ich diss‘ dich


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