Lionel Richie (SAP Arena Mannheim)

lrFür die Einen ist er eine Motown-Legende, für die Anderen die Verkörperung weichgespülten Popsouls, der einem im Radio oder von CD im Einkaufszentrum aufgezwungen wird: Lionel Richie. Mit mehr als 100 Millionen verkaufter Alben und einer beachtlichen Serie von Nummer-Eins platzierter Charthits, zählt der mittlerweile 59-jährige Sänger und Saxophonist jedoch unzweifelhaft zu den erfolgreichsten Musikern aller Zeiten.

Seit Lionel Richie 1974 – noch zusammen mit der Soul-Formation The Commodores – auf dem Album Machine Gun sein musikalisches Debüt feierte, hat er bis heute in regelmäßigen Abständen für neues Material gesorgt. Für seine aktuelle CD Just Go, die erst vor einem Monat das Presswerk verlassen hat, arbeitete er unter anderem mit Akon, Ne-Yo und weiteren angesagten Künstlern aus dem Bereich Rhythm & Blues zusammen.

Mehr als 6000 Fans hatten sich heute in der Mannheimer SAP-Arena versammelt, um der Show des charmanten Mannes aus Alabama beizuwohnen. Ganz ohne Vorgruppe betrat Mr. Richie pünktlich und ohne Tamtam die Bühne, um sofort den Welthit Easy zu präsentieren. Unverfälscht jugendlich erklang dabei die Stimme Lionel Richies und dank des Einsatzes seines zotteligen Rockers an der E-Gitarre, war die Darbietung weitaus mehr an das Cover von Faith No More angelegt als an das etwas unspektakuläre Commodores-Original.

3544940Ohne Akon ging es direkt weiter mit dem brandneuen Stück Just Go. Begeistern konnte der Showman das Publikum aber umso mehr mit seinen über die Jahrzehnte angesammelten Hits wie Penny Lover oder Stuck on You, bei denen ihm die Begleitung der Fans jeweils sicher war. Nach klassischen Balladen legte Richie oft schnellere Songs hinterher, die seine begeisterte Anhängerschaft immer wieder von den Sitzen rissen. Angefeuert durch heftige Klatschchöre – wie sie bei der diesjährigen Adler-Saison in der SAP-Arena ausblieben – lief Lionel zu Höchstform auf, so dass ihm der Schweiß nur so von der Stirn perlte.

Dass die Klatschpresse nicht von ihm, sondern von seiner Adoptivtochter Nicole Richie regelmäßig mit Skandalen versorgt wird, hielt den Überflieger aus den 80er Jahren nicht davon ab, das eigens für Nicole geschriebene Ballerina Girl zu performen, das Richie heute seiner Enkeltochter Harlow widmete. Nach dem ohnehin schon langsamen Say you, Say me schaltete der schwarze Barry Manilow noch einen Gang runter, ließ die Band pausieren und setzte sich für Hello bei gedämmtem Licht alleine an das Piano. Gänsehaut verbreitete sich flächendeckend bis in die oberen Ränge.

Mit der auftreibenden Funk-Hymne Brick House war danach erstmal Schluss mit harmlosem Kuschelpop, denn jetzt wurde dem Disco-Soul der Commodores gefröhnt. Jetzt ließ Richie den Soulman raus und nahm mit einem Grinsen so breit wie die Bühne die Arena ein. Mit den ruhigen Titeln wie Three Times a Lady und Sail On aus den Zeiten der Commodores sorgte der Schmusesänger wieder für Kaminknistern. Leider ohne Diana Ross wurde mit Endless Love weiter geschmachtet, ehe die Party mit Dancing on the Ceiling und All night long (all night) nochmals steil ging und ein gelungenes Konzert mit einem äußerst sympathischen Lionel Richie endete.

Andreas Margara (17. April 2009)

The Commodores – Nightshift


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