Interview mit Nosliw

nosliw_pressefoto01_credit_niculai_constantinescu_smallestDein neues Album hat den Titel „Heiss & Laut“. In wie weit wolltest du damit bewusst mehr in Richtung Dancehall gehen als auf den Alben zuvor?

Nosliw: Ganz weit. Ich habe für das letzte Album Dancehall-Stücke produziert und dann wieder verworfen, weil sie nicht in den Kontext gepasst haben. Das war nicht so schlimm, aber ich wollte dafür dann das nächste Album voll der Tanzhalle widmen. Hab ich auch geschafft. Es gibt dann aber doch noch am Ende ein rootsig/dubbiges Stück drauf und auch Rap und Drum’n’Bass und auch Politics. Viele verstehen das ganze als Image-Wechsel, was aber totaler Bödsinn ist, da ich immer schon auch Dancehall gemacht habe. Live gibt es natürlich auch die „alten Hits“.

Weil du Drum’n’Bass gerade ansprichst. Wie kam die Connection zwischen Dir und Bassface Sascha zustande?

Über Franksen, der eine Sendung auf YouFM hat. Wir haben uns im Sender getroffen als ich bei einer Kollegin wegen meines letzten Albums zu Gast war. Sascha und Franksen haben sich als Fans geoutet und wir bekamen die Idee zwei Remixe von den Jungs machen zu lassen (Immer wieder hören und Mehr davon). Das ging so dermassen ab, dass wir unbedingt weiter miteinander arbeiten wollten. Ihr könnt mir garnichts ist das Ergebnis. Der erste deutschsprachige D’n’B-Release der gesamten weiten Weltgeschichte! Ich arbeite gerade an einem weiteren Song für sein Album.

Im letzten Jahr wurde das Rude7 in Mannheim zum besten Reggae-Club in Deutschland gewählt und überholte dabei sogar das Yaam in Berlin. Du selbst trittst oft in beiden Clubs auf. Was sind deine persönlichen Lieblings-Locations?

Rude 7/Mannheim, U-Club/Wuppertal, Yaam/Berlin, Waagenhalle/Hamburg, Zollamt/Stuttgart, Röhre/Stuttgart, Kamp/Bielefeld , Backstage/München, Schüür/Luzern, Rote Fabrik/Zürich. Habe bestimmt noch zwei, drei vergessen, die sind aber auch echt geil!

Und auf welchen Festivals wirst du im Sommer einheizen?

Auf so ziemlich allen! Jetzt gibt’s aber erst einmal die unglaubliche „Heiss & Lautour“ mit meiner Band Feueralarm, dann werden die Festivaltermine veröffentlicht (alle Dates auf http://www.nosliw.de)

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Früher warst du als Rapper bei DUG („Die Unendlichen Gedichte“) aktiv. Wie siehst du die Entwicklung der Rap-Szene in Deutschland?

Früher war natürlich alles besser. Die Szene, falls es eine solche im klassischen Sinne überhaupt noch gibt, interessiert mich nicht mehr. Ich bin nur noch Fan, meist von Ami-Zeugs. Es gibt noch immer und wieder einige sehr gute Rapper in Deutschland, leider supporten die Massenmedien überwiegend das, was nur durch Kontroversen glänzt und/oder Anzeigen kauft. Aber das wissen wir ja alle…

Siehst du dagegen Vorteile in der aufkommenden Reggae-Szene hierzulande?

Nein, keine. In der Reggae-Szene gibt es genauso große Talente, die nie gefördert werden und dagegen jonglierende, brunnenbauende Straßenmucker, die mit ihrer Ska-Latino-HipHop-Klezmer-NDW-Rock-und-auch-ein-bischen-Reggae-Interpretation den Campus und den Feuilleton rocken und somit das Bild von der „Szene“ verzerren.

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Deine Texte handeln oft von der Politikverdrossenheit der Jugendlichen und mangelndem Aktionismus. Wie betätigst du dich selbst politisch und was erwartest du dir von den Politikern im so genannten „Superwahljahr“ 2009?

Ich betätige mich darin Songs zu schreiben wie aktuell Maulauf, darin andere anzuschubsen, zum Nachdenken anzuregen, eine Meinung zu bilden und später die hoffentlich richtige Wahl zu treffen. Ehrlich gesagt erwarte ich überhaupt nichts von den Amtsanwärtern 2009, ich erwarte etwas von den Wählern, die ihren Vertretern klar machen sollen, dass sie derbe Probleme mit ihren vermeintlich Untergebenen bekommen, wenn sie wiedermal Scheiße bauen. So wie in Frankreich, da hat die Regierung Angst vorm Volk und nicht umgekehrt. Viel zu wenige machen hierzulande von ihrer Stimme gebrauch, ich habe wenigstens ein Mikrophon.

Kannst du als Reggae-Artist auch etwas mit der Religion der Rastafaris anfangen?

Ich bin definitiv offen für spirituelle Ansätze. Religionen jeglicher Art sind aber immer damit beschäftigt andere auszugrenzen. Aber Reggae ist nicht gleich Rasta und Kiffen, das wird ja sehr gerne in einen Topf geschmissen.

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Was für Erfahrungen konntest du bisher mit Reggae-Größen aus Jamaika machen? Wird man da als deutschsprachiger Reggae-Künstler z.B. auf Festivals überhaupt respektiert?

Beenie Man hat sich meine Show auf der Summerjam bis zum Ende angeschaut und mir von Herzen gratuliert. Morgan Heritage waren in Stuttgart auch voll dabei. Sean Paul hat nix gesagt. Es geht nicht darum in welcher Sprache jemand singt, sondern wie gut. Ich habe schon vor Franzosen, Ghanaern und Kanadiern gespielt, die haben alle gecheckt was geht, auch wenn sie kein Wort verstanden haben, ausser „Yes man!“, „Riddim!“ und „Pull up!“.

Und zum Schluss: Hast Du aktuell ein Traum-Feature?

Michael Hirte, der Mann mit der Mundharmonika!

Danke für deine Zeit!

Andreas Margara (25. März 2009)

Ein Kommentar

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