Biz Markie (Capitol Mannheim)

bizmarkie„Styleinspector“ ist es mit Biz Markie gelungen, ein echtes HipHop-Schwergewicht an Land zu ziehen. Bekannt ist der MC, DJ und Beatboxer nicht nur durch seine Mitgliedschaft in der legendären Juice Crew um Marley Marl, sondern auch durch sein komödiantisches Wesen. Angeblich wird er deshalb auch von Stars wie Madonna und Will Smith zu privaten Partys als Entertainer gebucht. Diesmal durfte er seine Show im Capitol in Mannheim präsentieren.

Wir warteten bis Biz kam… und überbrückt wurden die knapp zwei Stunden durch ein vom Line-Up her gesehen durchaus illustres Vorprogramm. Neben dem deutschen Oldschool-Veteran Toni-L von Advanced Chemistry stand da noch der als vielversprechend gehandelte Newcomer Kaas aus dem Chimperator-Camp auf dem Plan. Außerdem gab es Breakdance von True Rockin Soul und Turntable-Action von DJ Tommy D. Obwohl Kaas eine vom Ablauf her durchdachte Show mit einigen Gimmicks darbot, gelang es ihm in keinster Weise, die Menge zu begeistern. Selbst Freibier in Plastikflaschen, ein Scatch im Ghostbuster-Kostüm und der Überraschungsgast Tua vom Orsons-Quartett schafften keine Abhilfe – der Funke wollte einfach nicht überspringen.

Mit einer umso größeren Enttäuschung konnte allerdings anschließend Toni-L auffahren. Ohne DJ stieg der einstige Hardcore-Gladiator in die Arena und legte sich zunächst eine Beat-CD in den Player. Gekleidet im legeren Adidas-Trainingsanzug sollten die Superstars an seinem Fuß heute das einzig abgestimmte auf der Bühne bleiben. Mit einer Bühnenpräsenz gleich Null versteckte Toni seine unbestrittenen MC-Skills unter seiner Kangol-Kappe und ließ seine Performance konzeptlos im schlecht gefüllten Capitol dahinplätschern. Wir waren mal Stars gab es Medley-artig in der Kurzversion, Funkjoker nur als Acappella. Höhepunkt markierte das Zwischenspiel der Breakdancer und Der Zug rollt. Doch dem sympathischen Italiener sei sein schwacher Auftritt verziehen, hat der Koch doch schon oft genug unter Beweis gestellt, dass er seine Pasta sonst deutlich schärfer gewürzt serviert.

Nach einem sehenswerten Set von Tommy D tauchte dann schließlich Biz Markie hinter dem Vorhang auf. Als erste Handlung bediente der gutbeleibte und mittlerweile 44-jährige Marcel Theo Hall die Plattenspieler. Neben der feinen Auswahl an Oldschool-Platten jugglete sich Biz erst in Stimmung, ehe er unter anderem den Crossfader mit dem Mund bewegte oder Backspins mit seiner Wampe ausübte. 20 Minuten waren ungefähr vergangen, als sich in der Menge flächendeckend das ungute Gefühl ausbreitete, dass Markie heute vielleicht nur hinter den Decks stehen könnte…

Biz Markie 1

Zum Glück hatte der New Yorker aber kurz darauf schon das Mic fest in seinen mächtigen Händen und präsentierte sofort seine unglaublichen Beatbox-Skills. Bei einem nicht ganz ernst gemeintem Breakdance-Versuch kam er aber allzu schnell außer Atem und holte sich sichtlich gezeichnet einen Stuhl. Die größten Hits der Oldschool-Legende gab es deshalb aneinandergereiht im Sitzen! Obwohl weit davon entfernt startete er mit Biz is Goin‘ Off von seinem ersten Album aus dem Jahr 1988. Lethargisch leitete Biz zu Make the Music with your Mouth, Biz über und untersagte zwischendurch immer wieder dass man ihn filme. Kein Wunder bei dieser trägen Performance auf dem Stuhl, auf dem auch die eigentliche Kampfansage Nobody beats the Biz unauthentisch wirkte. Den Abschluss der phlegmatischen Rap-Einlage bildeten Vapors und der Mega-Hit Just a friend. Danach konzentrierte sich der erschöpfte Hüne wieder auf das Auflegen.

Eigentlich hätte der Jam-Abend mit einem derartigen Aufgebot an Künstlern ein klarer Erfolg werden müssen, am Ende überwog aber die Enttäuschung. Nur schade, dass manche Gäste meinten, ihren Frust noch am Veranstalter ablassen zu müssen, der sicher wenig für die mangelnde Ausdauer und Motivation der Acts konnte. Rap-Veranstaltungen, die in Mannheim sowieso schon rar gesät sind, stehen jetzt wohl unter einem noch schlechteren Stern.

Andreas Margara (24. März 2009)

4 Kommentare

  1. MagicDonsen

    Menge? Ich lese hier von Menge… ich habe keine Menge gesehen, die man hätte Begeistern können und der Auftritt von Biz Markie war gemessen am Eintrittspreis unterirdisch… die einzigen, die sowas wie eine Show boten waren Tua & KAAS und Toni L bekommt massig props für seine Oldschoolshow…

    • Bam

      mit „schlecht gefülltes Capitol“ ist wohl alles Nötige gesagt. Übrigens wird Biz Markies Auftritt an keiner Stelle gelobt. Wer Toni-L schon mal live gesehen hat, der weiß, dass dieser Abend zu seinen schlechtesten gehörte und gerade mal 50 % seiner Fähigkeiten abgerufen wurden… nuff said

      Aber Danke für deinen Kommentar, es war ein frustrierender Abend…

  2. Tapeking, the

    Da muss ich als jemand der meinte seinen „Frust noch am Veranstalter ablassen zu müssen“ auch noch was dazu sagen. Es ist eine Sache wenn du dir einen Künstler ins Haus holst, dessen Selbsteinschätzung, und damit Gagenforderung, in keiner ernsthaften Beziehung zur Realität steht.

    Aber es ist eine andere Sache wenn du als Veranstalter groß kundgibst dass die Tickets nun billiger wären, den angereisten Besuchern aber an der Abendkasse von nicht wirklich über die Hintergründe informierten, und somit restlos mit Fragen überforderten, Mitarbeiterinnen trotzdem 20 EUR abknöpfst. Da sollte man in den saueren Apfel beißen und somit seine durch etliche Konzerte im rude7 erworbene Kredibilität behalten.

    Am Ende war es wohl die logische Pointe, dass Biz Markie trotz Gagenforderung in Höhe eines gebrauchten Autopreises mit die schlechteste Show abliefert, die viele der Besucher trotz Fanbrille in den letzten Jahren gesehen haben müssten. Da zahlst du halt nur noch für den Namen.

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