GZA / The Genius: „Pro Tools“

gza_pro_toolsMit Pro Tools steht nun GZA’s fünftes Soloalbum bereit. Verglichen mit anderen Wu-Tang Clan Mitgliedern ist das nicht mal viel, wenn man bedenkt, dass Ghostface Killah mit zehn Alben fast ein eigenes CD-Regal im Laden belegt. Dabei war es 1993 GZA, der unter dem Pseudonym „The Genius“ als erster Rapper der späteren Supergroup Wu-Tang Clan ein Album (Words from The Genius) vorzuweisen hatte. Schon beim betrachten der Grafik auf der CD-Rückseite von Pro Tools werden erste Erinnerungen an sein Meisterwerk Liquid Swords (1995) wach. Beim Einlegen setzt sich der Flashback fort, denn die Beats dringen wieder gewohnt satt und düster durch die Boxen. Wie maßgefertigt erklingen die einzelnen Produktionen für Gary Grices dumpfe Membran, für die sich unter anderem Dreddy Kruger, Black Milk und Wu-Tangs Live-DJ Mathematics verantwortlich zeigen. Natürlich trägt der wiederbelebte Shaolin-Boom-Bap-Sound auch die Handschrift des New Yorker Beatmessias RZA. Auch wenn GZA sich bei 0% Finance von Jose Reynoso re-samplen lässt und auf gleichen Beat wie schon bei Stay in Line (vom Vorgängeralbum Legend of the Liquid Sword) neu einreimt, steckt diesmal mit kräftigerem Gitarrenriff deutlich mehr Druck dahinter. Der bereits bekannte 50 Cent Diss-Track Paper Plate wird vom Kopf des Wu-Tang Clans noch durch ein Interlude erweitert, was sicherlich für neuen Zündstoff im G-Unit–Wu-Tang-Beef sorgen wird. Beim erneuten Hören offenbaren sich immer wieder neue lyrische Raffinessen, die der Genius in seinen komplexen Reimen verschachtelt hat. Alphabet birgt zum Beispiel ein interessantes Spiel durchs ABC. Absolutes Highlight der Scheibe markiert Firehouse, das Rock Marcy mit einem Clan-spezifischen Violinen-Loop arrangiert hat, bei dem sich der mittlerweile 42-jährige Wortakrobat allerdings dezent im Hintergrund hält und Rapper Ka den Vortritt gewährt. Dank dem Indie-Label Vertrag mit Babygrande präsentiert sich GZA pur und lässt sich keine am Trend orientierten Major-Konzepte aufzwingen. Wu-Tang forever!

Andreas Margara (7. November 2008)

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