Interview mit Mitchman

p7Seit September 2003 war der „Studentenbunker“ Cave54 ein Anlaufpunkt für ambitionierte Nachwuchs-Rapper aus der Rhein-Neckar Region, die sich zum „Basement Jam“ trafen. Tief unten im Kellergewölbe wurde bei dieser Untergrund-Veranstaltung gejammt, gefeiert und natürlich gefreestylt. Nach fünf Jahren poetischer Improvisationen und lyrischer Duelle ist nun Schluss. Die bewährte Reihe fand am 1. September 2008 zum letzten Mal statt. Grund genug, ein paar Worte mit Mitchman (einer der Hauptverantwortlichen) zu wechseln.

Was hat dich 2003 dazu veranlasst solch eine Institution in Heidelberg zu schaffen und wer hat dich dabei unterstützt?

Mitchman: Der Basement Jam war die Idee von First Son & mir, wir haben das von Anfang an zusammen durchgezogen. Ich hatte damals schon ein bisschen Erfahrung, da ich zusammen mit meinem alten DJ bereits ein paar Jams organisiert hatte. Es gab früher, so um 2001/2002, in Mannheim im Soho jeden Sonntag HipHop & Open Mic. First und ich waren fast jeden Sonntag da, um zu rappen. Aber das mit dem Open Mic hat dann irgendwann nachgelassen. An einem Abend haben wir bis zwei Uhr gewartet, während die Veranstalter sich auf der Sofaecke auf einem Laptop einen Porno angeschaut haben. Open Mic gab es dann gar nicht mehr. An dem Abend sind wir zurück nach Heidelberg gefahren und haben beschlossen, dass Heidelberg einen eigenen Jam brauche. Vorbild war ganz klar die Sache im Soho, aber wir wollten das nicht jede Woche machen. Die meisten raffen sich leider nicht jede Woche auf, darum ist glaube ich die Sache im Soho damals auch irgendwann eingeschlafen. Es sind immer weniger MCs & Gäste regelmäßig gekommen, wie das eben so läuft, wenn man etwas immer haben kann. Für mich war das Cave54 die erste Adresse für einen Jam, denn der Laden hat einfach Seele. Wir sind dann einfach mal mit unserer Idee reingeschneit und haben unsere Chance bekommen. Obwohl First und ich die treibende Kraft waren, hätten wir den „Basement Jam“ niemals alleine durchziehen können. Wir hatten immer eine ganze Menge DJs, auf die wir uns verlassen konnten, und ohne die das Ganze nie gelaufen wäre. Alleine beim ersten Jam waren sechs DJs dabei – Spectra & Proof, Joolz & Nanoc (damals Teil der Illdividualz DJ Crew), Samu & Shockwave. Ich habe uns alle als Team gesehen und das sollte auch so rüberkommen, auf den ersten Flyern waren immer unten die Siluetten von allen drauf, die beim ersten Mal dabei waren. Die DJs haben dann aber auch immer wieder gewechselt. Spectra & Proof sind extra aus der Nähe von Stuttgart gekommen, das war natürlich eine Ausnahme. Später kamen dann Step, Cut X (heute Soundtrax), Motion, Platinum & Plasticman dazu. Ohne die ganzen DJs hätte der Jam nie funktioniert

 

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Das letzte Basement Jam

Am 1. September 2008 fand nun die letzte „Basement Jam“ statt. Wieso habt ihr euch für das Ende der mittlerweile seit fünf Jahren etablierten Reihe entschieden?

Mitchman: Die Frage habe ich jetzt so oft gehört und habe immer noch nicht die 100% passende Antwort. Mir kommt alles, was ich sage, immer irgendwie falsch vor, weil ich den Jam sehr vermissen werde! Die beste Antwort die ich habe ist: Fünf Jahre sind ne lange Zeit und irgendwie stand dieses fünfjährige Jubiläum seit einer ganzen Weile als Ende im Raum. Es gibt Gründe wie: ich habe jetzt weniger Zeit als früher und muss Dienstags jetzt immer früh raus, oder der Jam war 2008 auch nicht immer so gut besucht… Diese Liste ließe sich noch ne ganze Weile fortsetzen, liefert aber immer nur Bruchstücke einer Erklärung. Für uns war eben einfach der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören.

Welcher Emcee konnte als letzter das Golden Mic im 1-gegen-1-Freestyle-Battle gewinnen?

Es ist eine schöne Fügung, dass der letzte Champion des Golden Mic zugleich der erste Champion war, nämlich Lookey (Strike) von Freakshit. Wir hatten aber einige Champions und es gibt sehr viele Battles, bei denen ich wirklich Tränen gelacht habe. Erwähnen will ich da unbedingt RGM, Chillbert und Mars, die alle zweimal Champion waren, und Hodi, der als einziger dreimal in Folge gewinnen konnte und wie Lookey jetzt ein Golden Mic mit nach Hause nehmen durfte. Es gibt aber auch MCs die nie Champion waren, obwohl sie es meiner Meinung nach absolut verdient hätten, wie z.B. Schmizock oder Asket Akbar; sehr dope, was die bei den Battles gebracht haben.

Was war für dich der absolute Höhepunkt in der „Basement“-Zeit?

Einen absoluten Höhepunkt zu benennen fällt mir schwer, da jeder Jam etwas besonderes war. Aber ich erinnere mich, das ich bei einem Jubiläum (ich glaube es war das dreijährige) irgendwann hinten beim Mischpult gestanden bin, das brechend volle Cave gesehen habe und mir bewusst geworden ist, dass wir es wirklich geschafft hatten einen sehr dicken Jam zu etablieren. Einen Jam mit allem was dazugehört, das war für mich ein besonderer Moment.

 

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Wie lautet dein abschließendes Gesamtresümee über die doch sehr ereignisreiche Zeit im Cave54?

Ich bereue nichts! (grinst) Nein, Spaß beiseite. Für uns war der Jam unser Baby und ich weiß, dass es vielen, gerade auch jüngeren Leuten, sehr viel bedeutet hat dabei zu sein. Das hinterlässt ein sehr gutes Gefühl. Wir haben einfach unser Ding gemacht und ohne darüber nachzudenken haben wir damit ein Teil von dem zurückgegeben, was uns die Musik gegeben hat.

Sind für die Zukunft neue oder zumindest ähnliche Projektreihen geplant?

Ja und Nein. Es gibt ab September eine neue Party in Heidelberg: Re:SOULution. Die findet (große Überraschung) im Cave statt. Jeden 2. Freitag im Monat gibt es dann Oldschool, Funk, HipHop und Breaks auf die Ohren. Das Ganze läuft ohne Live-Shows, Open Mic und all das. Die Tanzfläche bleibt Tanzfläche, darum ist es neu, aber nicht unbedingt ähnlich, auch wenn die Jungs im Hintergrund dieselben geblieben sind. Andererseits können alle die gerne beim „Basement Jam“ waren bedenkenlos vorbeikommen, die werden sich sicherlich auch bei der Re:SOULution wohlfühlen!

Neben deiner Präsenz im Heidelberg Cypher hast du 2008 auch eine eigene EP veröffentlicht, was kannst du uns darüber erzählen?

Mit meinem letzten Album Flosophie (2006) bin ich bei „S17 Music“ gelandet. Dort ist die EP08 entstanden, die im Februar 2008 rausgekommen ist. Die EP ist absolut rund geworden, die Beats kommen als Ruff-Mixes größtenteils von Gee Pierce (UBeU) und wurden von H-Two (S17), der alles produziert hat, noch perfektioniert. Mit der EP habe ich einen gewaltigen Schritt in die für mich richtige Richtung unternommen, das Ganze ist sehr viel musikalischer geworden. Auf der Platte finden Inhalt, gute Musik und guter Sound zusammen. Die ganze EP kann man sich online anhören, den Link dazu findet man u.a. auf meiner Seite. Aber labern tun viele. Die Musik soll für sich selbst sprechen, wen es interessiert, der soll einfach reinhören!

 

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Gibt es schon Pläne für deine weitere musikalische Zukunft?

Die gibt es in der Tat. Ich habe bei S17 sehr viele gute Musiker kennengelernt und arbeite zur Zeit an einem neuen Projekt. Die Musik wird „Handmade“ und Computer verbinden, es gibt sehr viel echte Gitarren kombiniert mit Drumcomputer, es wird voraussichtlich ein Sax geben und sicherlich den einen oder anderen Synthie-Sound. Ich weigere mich, das stilistisch irgendwie bezeichnen zu wollen. Es wird einfach gute Musik! Ich hoffe, dass die Scheibe im nächsten Frühjahr fertig ist, sogar der Name steht schon fest – den verrate ich aber noch nicht.

Am Ende nochmal Props an dich für die coole Zeite im Cave. An dieser Stelle  hast du selbst noch die Möglichkeit offen, ein paar Grüße an die Vielzahl der beteiligten Emcees und Leute rauszuschicken, durch die die „Basement Jams“ erst zu dem geworden sind, was sie waren…

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Das ist ein guter Abschluss. Ganz zuerst will ich all denen Props geben, die in fünf Jahren immer wieder da waren und so erst möglich gemacht haben, dass der „Basement Jam“ zu dem geworden ist, was er war. Damit meine ich all die Leute, die da waren und zugehört haben, wenn MCs im Cypher Freestyles rausgelassen haben, die Lärm gemacht haben, wenn DJs ein krankes Set hingelegt haben, die Liebe haben für Rap und für Turntablism! Wenn die Leute das nicht gefeiert hätten, wäre der „Basement Jam“ sang und klanglos nach ein paar Monaten verschwunden gewesen. Dann müssen wir uns alle, das hab ich vorhin schon erwähnt, bei den DJs bedanken. Nanoc z.B. war wirklich vom Anfang bis zum Ende dabei, ohne DJs wäre das nicht möglich gewesen. Und dann die Acts, die Monat für Monat für Benzin und Maxi Menü (!) nach Heidelberg gekommen sind, um im Cave zu spielen. Wir haben in den fünf Jahren natürlich sehr viele Leute kennengelernt, deren Sound ich sehr schätze und die ich immer wieder gerne treffe, dazu gehören z.B. Luis Baltes, Mad Mike (Prosa Nostra), Brad Pitch (Wortsport), Lookey (freakshit), die Jungs vom Techniks Restaurant oder Backwoods Bunch, und natürlich die ganzen Südwestwind Jungs, die ja selbst nicht nur musikalisch sehr aktiv sind, sondern auch die Corner rausbringen! Darüber hinaus gibt es in Heidelberg eine ganze Reihe sehr guter MCs, die irgendwie mit dem Basement „aufgewachsen“ sind. Ich denke, die werden alle ihren Weg gehen und wir hören hoffentlich noch das eine oder andere Ding von Jungs wie Asket Akbar, Hodi & Schmizock oder Chillbert.

Und ganz am Ende muss der alte Mann noch seine Weisheit auspacken (lachen). Wir sind natürlich direkt angesprochen worden, ob wir nicht irgendwie mitmachen würden bei was neuem, ein neuer Jam, alle zusammen und so. Das ist an sich eine sehr gute Idee und ich denke Heidelberg braucht unbedingt einen Jam. Nur ist meine Erfahrung, dass so etwas nicht im Kollektiv funktioniert, in dem sich jeder auf den anderen verlässt und am Ende außer heißer Luft nicht viel rauskommt. Ich hoffe, dass irgendwer einfach loszieht, eine Location klarmacht und was aufbaut. First und ich sind die ersten, die da sein werden, um im Cypher zu rappen und das zu feiern. ONE LOVE!

Andreas Margara (15. September 2008)

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