Cajus vom Blumentopf im Interview

cajus1Wieso hast du dich entschieden – nach fünf gemeinsamen Blumentopf Alben – Solo zu debütieren?

Cajus: Es war sowohl eine Selbstfindung, so wie eine Selbstverwirklichung, als auch eine Herausforderung, an der ich wachsen wollte. Das ist auch tatsächlich passiert und ich kann jetzt sagen, dass es genau die richtige Entscheidung war, mal ein Soloalbum zu machen. Der Zeitpunkt hat gerade auch einfach gut gepasst. Wir kamen von der ersten Musikmaschine-Tour zurück und hatten erstmal keine Termine bis zur zweiten Tour. Da hab ich einfach mal angefangen vor mich hin zu produzieren und zu schreiben und daran hab ich Blut geleckt und wollte das Ganze auf ein komplettes Album hinauslaufen lassen.

Planet Cajun ist ein sehr persönliches Werk. Wen möchtest du damit erreichen?

Cajus: Ich sprech jeden an, der guten Rap hören will. Jeder der sich für Rap in Deutschland ein besseres Image wünscht. Und letztlich jeder, der angesprochen werden möchte mit: „ey, was’n das, cooler Sound den Du da hörst!“ (grinst)

Keiner vom Topf hat sein Rapper-Alias häufiger geändert als du. Wie kam es, dass du dich zuerst Master P (wie der No Limit-Labelboss) nanntest, dann Heinemann und nun Cajus?

Cajus: Anfangs dachte ich einfach ich bräuchte ein Pseudonym – wie alle anderen Rapper auch. Irgendwann fand ich das aber bescheuert und hab mich ab dem letzten Topfalbum einfach so genannt wie ich auch heiße – Cajus.

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Musikalisch heben sich deine und Buba Stylez’ Synthie-Produktionen deutlich von dem bisher gekannten Topf-Sound ab. Ist das mehr dein persönlicher Style, der dich nun besser charakterisiert, oder wolltest du einfach so viel wie möglich experimentieren?

Cajus: Ich wollte Beats, die frisch für meine Ohren sind. Beats, auf die ich bisher noch nicht gerappt habe. Beats, die mich durch ihre Frische inspirieren und auf neue Gedanken und Styles bringen. Außerdem wollte ich mein Soloalbum auch soundmäßig von Topf-Alben seperieren und als eigenständiges Ding präsentieren. Ich wollte auf keinen Fall ein BlumentopfAlbum machen, bei dem der einzige Unterschied ist, dass nur ich rap.

Wie kamst du auf die Idee das Album Planet Cajun zu nennen und dem Ganzen diesen „galaktischen Rahmen“ zu verpassen?

Cajus: Die Idee entstand aus der Musik heraus, sprich also im Laufe der Aufnahmen. Nachdem der Sound schon viele spacige Elemente hatte, lag das Konzept nahe. Genauso hat aber auch meine Arbeitsweise zu der Titelfindung beigetragen. Planet Cajun steht für meinen geistigen Freiraum, meine künstlerische Welt, in die ich abtauche, um mit dem nötigen Abstand die Dinge von außerhalb zu betrachten und diese Eindrücke musikalisch zu verarbeiten. Wenn ich mich nun hinsetze um Musik zu machen kapsel ich mich auch vollkommen ab, bin für niemanden zu sprechen und voll konzentriert bei der Arbeit. Für mein soziales Umfeld bin ich in dem Moment nicht greifbar, so als wäre ich in ganz ganz weiter Ferne auf einem anderen Planeten.

Was waren deine Auswahlkriterien für die Features?

Cajus: Minute ist ein langjähriger Freund und nachdem ich auf seinem Album gefeaturet bin war es klar, dass ich ihn auch auf meinem Album haben will. Orange Son hab ich im Laufe der Produktion über Bubu kennen gelernt. Er ist ein guter Rapper und Sänger und da er auch ein cooler und zuverlässiger Typ ist hab ich mir ihn als Backup für Live ausgesucht. Naja und dann lag das Feature natürlich sehr nahe.

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Wer wäre dein aktuelles Traumfeature aus den USA?

Cajus: Biggie! (lacht)

Ist der Gedanke für dich komisch, bei deiner Releaseparty am 12.9. ohne deine Crew auf der Bühne zu stehen?

Cajus: Ich hatte jetzt schon ein paar Soloauftritte, konnte da also schon mal ein paar Erfahrungen machen. Ich steh nicht komplett allein auf der Bühne, ich hab Minute von 4zu1 als DJ, und Orange Son als Backup MC dabei, aber ich hab natürlich die Verantwortung für die Show und das Heft in der Hand. Ich mag es. Man wird da natürlich noch mal ganz anders gefordert als beim Topf. Beim ersten Konzert hab ich gemerkt was das heisst – man kommt ja gar nicht mehr aus dem Rappen und Ansagen machen heraus. Aber ich bin auch ein Typ, der sich im Lauf eines Konzerts so ein bisschen warmquatscht und eher aufpassen muss, dass er das Publikum zwischen den Liedern nicht zu lange volllabert. Das wird sich von Konzert zu Konzert noch entwickeln, ebenso wie das Zusammenspiel mit den anderen beiden.

Wie gesagt, mir macht so ein Soloauftritt auf jeden Fall sehr viel Spass.

Wird es eine Solo-Tour zum Album geben?

Cajus: Ich bin jetzt erstmal ab Ende September für drei Wochen mit dem Goethe Institut auf Afrik-Tour. Südafrika, Namibia, Malawi, Tansania und Zimbabwe stehen auf dem Plan. Dort werde ich neben Konzerten auch Workshops geben und mit Musikern vor Ort jammen und mich austauschen. Im November, Dezember werde ich dann ein paar Clubgigs spielen, die gerade gebucht werden. Anfang nächsten Jahres wird es dann wohl eine Tour geben.

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Legen die anderen Jungs vom Topf nun mit Solo-Platten nach?

Cajus: Also Roger uns Sepalot haben ihr Alben ja schon vor ein paar Wochen veröffentlicht. Die sind auf jeden Fall auch sehr gut geworden und absolut hörenswert, also wer die noch nicht kennet, nachholen! Schu arbeitet gerade mit Janne, die wir das ein oder andere mal schon auf Topf-Platten gefeaturet haben, an einer Platte. Die wird wohl Anfang nächsten Jahres rauskommen und ist auch ein ganz eigener Sound. Man darf gespannt sein. Tja, und Holunder macht kein musikalisches Soloprojekt, sondern eher ein wissenschaftliches in Form von seiner Doktorarbeit in Physik.

Bei der diesjährigen EM und auch schon bei der WM 2006 hat der Topf seine Affinität zum Fußball zu erkennen gegeben. Schlägt dein Herz für 1860 oder für Bayern München?

Cajus: FCB ole, ole!!!

Andreas Margara (11. September 2008)

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