Jan Delay: „Pop Portrait“-Compilation

popportraitMit der über Pias veröffentlichten Kompilationsreihe Pop Portrait würdigen etablierte Musiker ihre deutschsprachigen Wegbereiter und -begleiter. Zum Auftakt der Serie portraitiert Beginner Jan „Eißfeldt“ Delay 18 seiner Lieblings-Tracks. Alpha und Omega des Samplers bildet – welch Überraschung – kein geringerer als Udo Lindenberg, der als einziger Künstler mit Commander Superfinger und Radio Song gleich doppelt vertreten ist. „Meines Erachtens hat Udo nicht nur die Tür für authentische deutschsprachige Musik aufgemacht, sondern das ganze Haus gebaut, die Tür eingesetzt und dann aufgestoßen“, begründet Jan seine Wahl. Wer nun für den Rest der Spielzeit ein Stelldichein des Who’s Who der hiesigen HipHop-Szene erwartet, befindet sich auf dem Irrweg. Außer den obligatorischen Meilensteinen Fenster Zum Hof von den Stieber Twins und Kapitel I von Torch, teilen sich nur Dynamite Deluxe mit Deluxe Soundsystem, Freundeskreis mit Telefonterror und Der Tobi & Das Bo mit Is Mir Egal jeweils einen der raren Plätze in Jans ganz persönlicher Top of the Pops-Liste. Eine interessante Klangfarbe bekommt die Zusammenstellung durch die bunte Mixtur an unterschiedlichsten Genres, bei der unter anderem Falcos Synthie-Pop mit Ösi-Charme auf Mias Elektro-Pop aus Berlin trifft, die sommerliche Seeed-Fraktion auf das melancholisch durchzogene Ohne Dich von Selig stößt oder sich die Beatsteaks und Die Goldenen Zitronen begegnen.

Während die CD in musikalischer Hinsicht vielfältiger nicht sein könnte, verbindet die einzelnen Künstler am Ende doch eine gleichgesinnte Attitüde, die sich durch einen stets politisch motivierten Hintergrund oder explizite Gesellschaftskritik im Inhalt ausprägt. Einzig die ehemalige Schülerband Echt fällt in der Auswahl etwas aus dem Rahmen und zu Recht stellt sich die Frage, wieso sich Hamburgs bekanntester Nasalist nicht für die kantigere Originalversion von Rio Reiser entschieden hat. Insgesamt ein sehr gelungener Einstand für die Reihe Pop Portrait, die nicht nur Jan Delays Fans anspricht, sondern gleichfalls einen schönen Überblick über die Entwicklung deutschsprachiger Popmusik gibt. Man darf auf den zweiten Sampler gespannt sein, der von Tocotronic portraitiert wird.

Andreas Margara (28. August 2008)

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