Aphroe, Toni-L & Nosliw (Halle02 Heidelberg)

foto_toni_l05Die Jam-Reihe „Feuer Frei“ ist ein Mix aus einer HipHop-Jam und einem Reggae-Clash. In der Heidelberger Halle-02 trafen unter anderem Dreimaleins, Mr.Bayse, Movement Occidental und Künstler aus dem Heidelberg Cypher auf Größen wie Toni-L und Aphroe von RAG. Für den nötigen Dancehall-Vibe auf dem HipHop und Reggae Clash sorgten dabei der Berliner Kimoe und der charismatische Nosliw aus dem Rootdown-Camp. Es entwickelte sich ein Clash, der besonders durch den übergreifenden Vibe der verschiedenen Stilrichtungen überzeugte.

Den Anfang an diesem ereignisreichen Abend machte Dago aus dem Heidelberger Cypher. Unterstützung für sein „lyrisches Feuer“ bekam der Rapper und Poetry-Slammer von Lingo, mit dem er gemeinsam einen guten Auftritt hinlegte. Momentan arbeitet Dago an seinem Album Agapan und leitet außerdem einen Rap-Workshop in einem Jugendtreff in der Heidelberger Altstadt. „HD City-Cypher“ nennt sich das Projekt, und durch den Auftritt ihres Mentors bot sich nun auch für die Jugendlichen die Gelegenheit, die Mikros für einen Track live zu testen und erste Bühnenerfahrung zu sammeln

Für eine Kombination aus Modern-Roots Reggae und Dancehall sorgte anschließend Kimoe aus Berlin. Während DJ Axlclaat vom ShiningSpliffSound die Riddims spielen ließ, forderte Kimoe dazu auf, den Club „abzufackeln“. Feuer frei also im wahrsten Sinne des Wortes – die Stimmung konnte er allemal anheizen, man darf also gespannt auf Kimoes Album sein, das im Sommer erscheinen soll.

Danach gab es erneut einen musikalischen Bruch, denn mit Aphroe von der Ruhrpott AG (RAG) war wieder HipHop in seiner Urform angesagt. Als Raid (zusammen mit DJ Wiz) war Aphroe auf nahezu jedem stilprägendem Deutschrap- Sampler vertreten und als Mitglied des Künstlerkollektivs La Familia hat er maßgeblich zu einer neuen Qualität im deutschen HipHop beigetragen. Als Unterstützung hat Aphroe seinen Kumpel Rheza aus dem Pott mitgebracht, den man unter anderem von Pahels Soloalbum Natur Des Menschen kennt. Kein Solodebüt (in Albumlänge) wird von der hiesigen HipHop-Gemeinde sehnsüchtiger erwartet als Kavaliersdelikt von Aphroe. Eine erste Kostprobe davon gab es an diesem Abend mit Kleiner Mann, bei dem sich der – leider etwas kleiner als erwartete – Menschenpulk vor der Bühne mit Kopfnicken und tosendem Applaus bedankte. Das RAG-Album Untertage ist ein absoluter Meilenstein in der Geschichte des deutschen Sprechgesangs – die inhaltliche Tiefe auf die Galla, Pahel und Aphroe dabei abgetaucht sind, ist nach wie vor unerreicht. Grund genug, dass Aphroe den Fans ein kleines Medley, bestehend aus Westwinde, Untertage und Kopfsteinpflaster, darbot und die Meute damit zum Ausrasten bewegte. Weiter ging’s mit neuerem Material: Requiem for a Dream und Bedienung zusammen mit Rheza. Auch an einer Zugabe kam der „most anticipated“-MC nicht herum, deshalb unterstrich Aphroe am Ende noch einmal auf Pharcyde’s Drop-Instrumental wer der King im Textekicken ist!

l_466353d86628e7a7fc629e9118aeeaebNosliw, der seine Roots mit seiner alten Crew, Die Unendlichen Gedichte (DUG), ebenfalls im HipHop hat, war gespannter Zuschauer bei Aphroes Performance und trat anschließend selbst auf die Bühne. Hört nicht auf bildete den Auftakt für den Good-Vibration-Sound des sympathischen Mannes aus Bonn. Nosliw ist ein sehr vielseitiger Künstler, der neben seinen melodischen Reimen unter anderem auch Gesang in seine Musik einfließen lässt. Ihn kann man Immer wieder hörn und speziell das weibliche Publikum weiß seine sanfte Seite (Oh My Gal, Königin) sehr zu schätzen. Doch gerade durch seine politischen Statements und die clever verpackte Gesellschaftskritik zeigt Nosliw, dass er ein ernstzunehmender Künstler mit hohem Anspruch ist. Mehr Davon, Mr.Wilson! (Im Sommer wird Nosliw u.a. beim Chiemsee Reggae Festival performen.) Die kleine Halle hatte sich mittlerweile noch weiter gefüllt, nächster in der Reihe war das Heidelberger HipHop-Urgestein Toni-L.

Live setzt der einstige Hardcore-Gladiator inzwischen mehr auf den Funkjoker und weckt mit seiner feinen Melange aus Funk, Soul und Sprechgesang in jedem Partybesucher das Funkanimal. Durch seine langjährige Bühnenerfahrung hat Toni ein unerschöpfliches Repertoire an Styles und Skills, was man in jeder seiner Shows zu spüren bekommt. Den restlichen Teil der Jam füllten wechselnde Deejays und das Movement Occidental-Kollektiv. Auch Mr.Bayse, den wir vor kurzem ausführlich interviewt haben und zwei Drittel der DreimaleinsCrew (leider ohne Rapper Lookey) durften sich noch am Mic  präsentieren.

Am Ende bleibt ein interessanter Clash zu resümieren, der besonders durch den übergreifenden Vibe der verschiedenen Stilrichtungen überzeugte und sowohl Newcomern als auch alten Hasen eine Plattform bot.

Andreas Margara (20. Mai 2008)

RAG – Kopfsteinpflaster

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