Interview mit Kool Savas

Die Kritiker streiten sich: Ist er der „deutsche Eminem“ oder „Deutschlands Eins“? Ende November erschien „Tot oder lebendig“, das neue und lang erwartete zweite Soloalbum des „King of Rap“: Kool Savas. Nach dem ersten Teil seiner Tour hat er sich nun kurz Zeit genommen, um uns Rede und Antwort zu stehen. Mit dem Titel „Melodie“, bei dem die Sängerin Senna von Monrose gastiert, wurde aktuell auch gerade die nächste Single des Erfolgalbums veröffentlicht.

Nach fünf Jahren Wartezeit ist im November dein zweites Soloalbum Tot oder Lebendig erschienen. Auf dem Cover sieht man dich mit gesenktem Kopf und ganz vielen beschriebenen Blättern an der Raumwand. Soll das übermitteln, dass du die letzten Jahre extrem viel geschrieben hast und jetzt das Beste auf 10 Tracks raushaust?

Nee nicht unbedingt. Es zeigt mehr, dass meine Welt aus Rhymes besteht und alles um mich herum beeinflusst. Ich habe seit dem ersten Album Der beste Tag meines Lebens noch andere Dinge aufgenommen und gemacht, als dass ich die ganze Zeit für T.o.L. geschrieben hätte.

Der Beweis ist die erste Singleauskopplung. Klare Ansage an alle Hater gleich zu Beginn. Ist es alles in allem hauptsächlich auch ein Beweis für dich selbst?

Das ist ein typischer Rap-Track mit hartem Beat, Schwerpunkt auf den Lyrics und Flowveränderungen. Natürlich wollte ich mir auch selbst damit wieder was zeigen.

Was hat es mit dem Video auf sich?

Wir hatten einfach wenig Geld und wenig Zeit. Von daher war ein einfaches Konzept gefragt. Da kamen die Masken ins Spiel… Kool Savas Der Beweis: http://www.youtube.com/watch?v=ukpC9MYNrg4

Mein Lieblingstrack auf dem Album ist eindeutig Mona Lisa. Von der Wortakrobatik und stiltechnisch gesehen ist es insgesamt sehr anspruchsvoll. Feilst du noch stetig an deinem Flow, um immer schneller und sauberer in der Aussprache zu werden?

Nein. Das alles entwickelt sich im Studio. Da gibt es für mich keine speziellen Übungen oder Sonstiges. Die vielen Auftritte sind Übung genug.

Knüpft On Top mit diesen „my man“-Einwürfen an Guck my man an? Vom Gehalt her geht es ja in die Richtung von All 4 One.

In gewisser Weise schon. Das hätte auch ein One-Track sein können. Ich wollte auch ein paar Tracks mit Inhalt machen, die sich außerhalb von den Rap-Themen bewegen.

Stimmt es, dass eigentlich Nas dafür als Featurepart angedacht war?

Ja, das ist richtig. Aber das hat nicht funktioniert. Mit Azad hat es sich aber schicksalhaft gefügt und ich bin sehr glücklich darüber.

Azad ist damit auch das einzige rappende Feature. Kommen sonst aktuell keine Rapper als Gäste für dich in Frage oder wolltest du so viel Savas wie möglich offenbaren?

Nach fünf Jahren macht es für mich keinen Sinn das Album mit vielen Features zu füllen. Ich wollte einfach mich selbst präsentieren.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Senna von Monrose zustande?

Durch Mel. Wir wollten auf Melodie eine Frau und im Endeffekt ist es Senna geworden. Sie hat das super umgesetzt.

Beim neuen Album saß wieder Mel an den Tasten. Was macht MelBeatz zu deinem absoluten Lieblingsproduzenten?

Ihre Kreativität und Vielseitigkeit. Außerdem sind wir schon lange befreundet daher war das klar, dass sie das wieder macht.

Trotz vielen Battlerhymes ist auch Platz für R’n’B-Gesangsfeatures von Moe Mitchell (Optik Records) und eben Senna. Ist das ein Zeichen von Vielseitigkeit oder hast du einfach kein Bock auf zu viel Battle?

Ich höre selbst viel R’n’B und mag Gesangs-Hooks. Da wollte ich keine Kompromisse eingehen.

Was bedeutet dir die Stadt Heidelberg aus Sicht des HipHoppers Savas und wie hast du dich bisher eingelebt? Gerüchten zufolge hast du schon nen Track mit den Stiebers zusammen recordet…

Ich mag die Stadt sehr und fühle mich hier enorm wohl. Mit den Stiebers habe ich noch kein Feature. Aber hoffentlich klappt das bald!

Früher hast du einst gerappt: „Ich will Rap regiern’ wie Torch, dein Flow ist leider weak, Horst“ – Torch ist jetzt nach Zürich gezogen, für viele bist du gerade durch deinen großen Einfluss der King in Deutschland. Siehst du dich mittlerweile in ähnlicher Verantwortung für die neue Generation des deutschen Raps?

Definitiv. Die Leute schauen was man macht und lassen sich davon inspirieren. Ich nehme meine Verantwortung ernst.

Andreas Margara (26. April 2008)

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