Mark Knopfler (SAP Arena Mannheim)

dire_straitsIm Hörfunk kommt man am Sound von Mark Knopfler einfach nicht vorbei. Ob Solo oder als Kopf der Band Dire Straits: mit mehr als 117 Millionen verkauften Alben zählt der Schotte zu den absolut erfolgreichsten und populärsten Musikern auf der ganzen Welt. Am 11. April startete in der SAP Arena in Mannheim seine Solotour.

Das Who’s Who der Musikbranche hat schon mit ihm zusammen gearbeitet, angefangen bei Bob Dylan und Eric Clapton bis hin zu Sting oder Tina Turner. Dazu gilt das Dire Straits Album Brothers In Arms aus den Achtzigern als eines der bedeutendsten Veröffentlichungen in der Rockgeschichte und gehört in jede ernstzunehmende Platten- und CD-Sammlung. Dass Mark Knopfler auch heute noch den Geschmack seiner Hörerschaft trifft, hat er mit seinem neusten Werk Kill To Get Crimson (2007) eindrucksvoll bewiesen.

Ohne viel Tamtam, mit schwarzblankem Bühnenbild und vor allem ohne Vorgruppe, nahm die puristische Show ziemlich pünktlich ihren Lauf. Ganz unbekümmert und cool eröffnete der ehemalige Dozent Knopfler seine Darbietung im ausverkauften Auditorium mit der stark vom Country angehauchten Single Cannibals. Und da er in Why Aye Man, von seinem dritten Soloalbum Ragpickers Dream, schon von Deutschmarks und dem deutschen Reinheitsgebot singt, schickte Mark den Titel zur Deutschlandtour-Eröffnung gleich hinterher. Bisher hielt sich musikalisch noch alles im relativ relaxten Bereich auf und das sollte auch mit den nächsten beiden Stücken What It Is und Sailing To Philadelphia – bei dem auf CD sonst noch James Taylor mitsegelt – weiter so bleiben.

Mark Knopfler punktete bis dato vor allem mit seiner unverfälscht vernuschelten Stimme. Wer hingegen eine riesen Bühnenshow erwartet hatte, wurde – wie vorher schon zu erwarten war – enttäuscht. Den Mittelpunkt bei einem Auftritt des 58-jährigen markieren stets das herausragende Gitarrenspiel und der Interpret selbst. Vom letzten Album Kill To Get Crimson folgten nun die erneut eher ruhigen Stücke True Love Will Never Fade und die Liebesgeschichte des Vogels mit dem ungleichen Fisch: The Fish And The Bird.

Mark Knopfler
Mark Knopfler

Das Zurücklehnen und Genießen wurde dann plötzlich doch von spürbar mitreißender Begeisterung des Publikums abgelöst, als Knopfler die ersten Klänge von Romeo And Juliet verlauten ließ. Ein Großteil der Fans schien sich also doch besonders auf die Songs der Dire Straits gefreut zu haben. Danach wurde die Anhängerschaft gleich weiter belohnt: Sultans Of Swing, aus der Zeit als Mark noch mit seinem Bruder David Knopfler gemeinsam bei den Straits musizierte, war der nächste Titel. Auf dem vorläufigen Höhepunkt gierte die Menge förmlich nach mehr, was Knopfler mit einem kleinen Solo honorierte.

Im Anschluss stellte Knopfler seine vielseitig begabte Band vor und zeigte sich äußerst sympathisch zu kleinen Späßchen bereit. Die Rhythmusgitarre spielte der aus Chicago stammende Richard Bennett, Glenn Worf am Bass, das Keyboard bediente der Multi-Instrumentalist Guy Fletcher, der Knopfler schon seit 1984 begleitet, Danny Cummings am Schlagzeug, John McCusker die Fiddle & Zither und Matt Rollins ebenfalls an den Tasten. Nach den Titeln Marbletown und Daddy`s Gone To Knoxville, fiel der schwarze Vorhang auf einmal und eine übergroße National Steel Guitar vom Brothers In Arms-Cover enthüllte sich als Bühnenbild.

Marks Lieblingsklampfe ist die rote Fender Stratocaster, für die er kein Plektrum benutzt und auf der er einmal mehr sein filigranes Fingerpicking zur Schau stellte. Angekommen bei den Wurzeln seiner Innovation, dominierten allerdings besonders die gediegeneren Country und Folk-Einflüsse des gereiften Musikers. Speedway At Nazareth und das extrem ausgedehnte Telegraph Road bildeten den Schluss der deutlich melancholischer als erwarteten Show.

Um eine Zugabe ließ der Mann aus Glasgow sich nicht lange bitten und präsentierte seinen Megahit Brothers In Arms. Hier zeigte sich erneut die Virtuosität des Gitarrengurus, einzig die etwas zu nachdenklich gemurmelte Gesangsdarbietung verhinderte flächendeckende Gänsehaut. Für die tosende Menge gab es jetzt noch Our Shangri-la und So Far Away, ehe das Konzert endgültig seinen Schluss fand. Mark Knopfler hat sich weiterentwickelt und ist hörbar gereift. Für alle seine Fans, die mit ihm gealtert und gereift sind, hat er an diesem Abend einen sehr guten Auftritt abgeliefert. Alle, die sich etwas mehr Schub und rockigere Elemente gewünscht hätten, kamen wohl nicht ganz auf ihre Kosten. Money For Nothin’ gab es zwar nicht, dafür biederten sich Mark tatsächlich „chicks for free“ an, die durch vereinzelte Zwischenrufe auf sich aufmerksam machten.

Andreas Margara (13. April 2008)

Dire Straits – Brothers in Arms

Ein Kommentar

  1. Achim Benoit

    …immer wieder total geil !!!

    und unsere mittlerweile streng doofe konservative generation, verschwindend im Kontrollwahn dieses Staates sollte sich mal dran erinnern, was wir zu der Zeit WIRKLICH wollten und gedacht haben….

    in diesem Sinne, Achim

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