Egyptian Lover (Roter Salon in Mannheim)

egyptian_loverWie kaum ein anderer Begriff steht „HipHop“ heutzutage für gewaltverherrlichende und drogenglorifizierende Inhalte. Das war aber nicht immer so: In den Anfangsjahren waren Kreativität und gegenseitiger Respekt die Triebkraft dieser Kultur. Auf dem M-Pire HipHop Jam hiess es deswegen: back to the roots!

Die Mannheimer HipHop-Szene ist eng mit dem Namen M-Pire verknüpft. 1995 gründete DJ MoERockZ das Plattenlabel M-Pire Records, über das unter anderem Mannheims Vorzeigerapper Pal One groß geworden ist. Im Jahr darauf eröffnete der mittlerweile schon legendäre M-Pire Recordstore, wodurch die Szene einen Treffpunkt fand und ein reger Austausch verschiedenartiger Künstler entstand. Unvergessen sind auch die dazugehörigen M-Pire Jams, auf denen regelmäßig allen HipHop Elementen gewürdigt wurde. 2008 schlägt das M-Pire zurück und die alten Traditionen werden wieder belebt. Als passende Location bot sich dazu der Rote Salon im Lagerhaus an, in dem auf zwei Floors gebreakt, gerappt und gescratcht wurde.

Los ging es um 15 Uhr mit Gee One und Graffiti-Action an der Spiegelfabrik. Für den Abend wurden neben den B-Boy Veteranen Speedy und Steve unter anderem DJ Easyone, Back Q und das Mannheimer DJ-Team Knightz of Bass hinter die Turntables eingespannt, um der Menge feinsten Old School HipHop und Elektro-Funk zu servieren.

Passend zu ihrem Re-Release des ersten deutschen Rapalbums Watch Out For The Third Rail, waren auch die Gebrüder Rick: Future Rock und Rick Ski mit Defcon am Start, um als L.S.D.-Soundsystem aufzulegen. Tanzbare Old School Tracks und Breaks zogen sich quer durch das Set. Denn, wie es sich auf einer Jam gehört, galt die Hauptaufmerksamkeit ganz den B-Boys, die im Kreis ihre Moves präsentierten. Neben der 711 Crew waren unter anderem noch True Rockin Soul, Too Funky, Da Funkstas und Rockin Till Death auf dem Linoleum vertreten. In familiärer Atmosphäre, bei der sich besonders viele Heads von Früher zeigten, bewiesen in die Jahre gekommene Breakdancer, dass sie längst noch fit für den Tanz sind. Allgemein war der starke Andrang beachtlich und das Jam offenbarte sich als wahrer Publikumsmagnet.

Nächster Act auf der Bühne war das Elektro-Urgestein, Funkmaster Ozone, der zu den Schlägen der analogen Drum Machine mit seiner Talk-Box performte. Zeit für die Tänzer sich im dazugehörigen „Popping-Boogaloo“-Style zu bewegen und den De Lorean für eine Zeitreise in Richtung 1980er Jahre zu starten!

1146178511_lHeadliner des Mannheimer Jams war der aus Los Angeles stammende Egyptian Lover, ein weiterer Pionier in Sachen HipHop-Bewegung, der direkt nach  MC T-Rocks Vocoder-Darbietung die Bühne enterte. Bereits Anfang der 1980er baute der mittlerweile 44-jährige Egyptian zusammen mit keinen Geringeren als Dr.Dre und Ice-T die HipHop-Szene der amerikanischen Westküste auf. Seine Elektro-Hits Egypt Egypt oder Baddest Beats Around haben Kultstatus in der Szene und haben viele bedeutende Künstler in ihrem Schaffen beeinflusst. Bewaffnet mit zwei Plattenspielern, Vocoder und dem TR-808 Rhythm Composer schoss er scharf und unterbreitete seine originalen MC-Qualitäten – das war HipHop in seiner geschichtsträchtigen Anfangszeit, als die Beats noch geknackt haben und die Battles noch „live“ ausgetragen wurden.

Breakdance auf zwei Floors – so etwas gab es schon länger nicht mehr. HipHop back to the roots, gemischt mit einem durchweg friedvollen Old School-Feeling, das frei von Gewalt blieb. Am Ende kann man nur ein rundum gelungenes Jam resümieren, wovon es in naher Zukunft hoffentlich noch mehr zu sehen gibt.

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