Interview mit Prinze Low

prinzwlow_querStell dich doch bitte zunächst kurz vor, falls dich einige Leser vielleicht noch nicht kennen!

Hi, mein Name ist Prinze Low, ich bin aus Mannheim, mach seit 1997 Musik und habe am 28. März 2008 mein neues Album Fenster zur Strooß deutschlandweit veröffentlicht. Meiner Meinung nach ist meine Musik etwas besonderes, da ich meinen eigenen Stil habe und nicht den aktuellen Trends hinterher renne oder mich durch ein gefaktes Image zu verkaufen versuche. Musikalisch, stimmlich und textlich habe ich einen eigenen Style.

Zu deinem neuen Album: Was im Titel gleich auffällt, ist die Assoziation zum Album Fenster zum Hof der Stieber Twins. In wie weit besteht da der Zusammenhang, kann man von einer Hommage sprechen, oder wie war das gedacht?

Die Hook ist ja definitiv eine Hommage, wobei ich den Song geschrieben habe, als ich ziemlich abgefuckt war. Der Song Fenster zur Strooß ist ja auch eher ein deeperer Song vom Inhalt her, der meine Situation beschreibt, in der ich Probleme hatte und wie ich damit umgehe. Aber durch die Hook, die natürlich Fenster zum Hof ähnelt, ist die Verbindung zu den Stiebers natürlich sehr nahe. Die Stiebers waren die deutsche HipHop-Gruppe, die mich dazu gebracht hat, auf deutsch zu rappen. Deshalb ist es auch eine Ehre, dass Martin Stieber auf dem Song vertreten ist, was immerhin in den letzten Jahren keiner geschafft hat. Ich hab die Hook aber in erster Linie aus dem Bauch raus geschrieben und da der Song sehr gut geworden ist und auch live gut ankam, hab ich das Album so genannt, zumal der Titel auch die Stimmung und Thematik der LP aufzeigt. Ich stehe hier in meiner Wohnung und schau von oben aus dem Fenster raus auf die Straße, rauch meine Kippen, trinke und beobachte die Szenerie. Dabei denkt man natürlich viel nach und wird inspiriert.

Inwiefern charakterisiert das sphärisch ausgewählte Coverfoto deinen Rapstyle oder deine Person? Und wie ist die Geschichte dazu, in Mannheim scheint’s ja nicht fotografiert worden zu sein…

Es zeigt perfekt die Stimmung auf dem Album. Eher rau, dunkel, mit vielen kleinen besonderen Details. Das Coverbild zeigt eine Momentaufnahme, bei der man aus dem Fenster auf die Straße rausschaut. Du siehst links etwas, rechts was besonderes, wenn du genau schaust, erkennst du da hinten noch etwas. Das ist bei meinem Rap auch so. Ich beobachte vieles und mach mir darüber Gedanken. Stillschweigend aufsaugen und danach in Texten verarbeiten. Das Foto ist ursprünglich ein stinknormales „Urlaubsfoto“ aus Bronx, New York gewesen, das ich 2006 geschossen hab. Ich weiß noch, dass da unten links kurz davor ein Auto mit ein paar Bloods vorbeifuhr. Naja, neulich ging ich die Bilder auf meinem PC wieder mal durch und hab das Foto gesehen und dabei gedacht – verdammt – das wird mein Cover, weil es genau aus dem Fenster zur Straße zeigt. Zumal ich auch nicht so ein 08/15-Cover haben wollte, wo ich mit Sonnenbrille und böser Mine abgebildet bin. Schau mal, auf 95% der Rapcovers ist der Rapper abgelichtet. Immer dasselbe. Ich hebe mich von diesem Scheiß ab, indem ich ein wunderschönes Bild habe.

Mir gefällt das Cover auch sehr gut! Wie beurteilst du deinen eigenen Reifeprozess im Vergleich zu deinem Mixtape, So wie ich bin?

Oh, da ist viel passiert in den zwei Jahren. Das wichtigste war der Schritt dahin, zuhause selbst meine Songs zu recorden. Ich hab hier meine kleine Ausrüstung im Zimmer stehen, da nehme ich wann immer ich will meine Songs auf und brauch auf niemanden warten, brauch kein Studiogeld an andere Leute zahlen und kann das beim einrappen so machen, wie es einfach perfekt ist. Seitdem ich hier aufnehme, mach ich 2-3 Takes und die Raps sind drin. Insofern hab ich mich auch stimmlich endlich gefunden, weiß, welche Beats ich picke, damit meine Stimme perfekt zur Geltung kommt, nämlich einfach natürlich und nicht so gedrückt wie früher. Inhaltlich kotze ich mich viel aus, was auf dem Mixtape nicht so ist. Es ist ein unheimlich professionelles Album, von sashliQ krass gut abgemischt und von Busy geil gemastert – obwohl es ein independent Release ist.

Prinze Low 2007

Nach welchen Kriterien hast du die echt vielfältige Produzentenmischung ausgewählt? Unter anderem sind ja bekannte Namen wie ersguterjunge Screwaholic, J.Rusch aus den Staaten und die Beatgees mit am Start.

Wie ich schon sagte, ich achte darauf, dass ich Beats picke, die zu Prinze Low passen. Sie müssen meiner Stimme Platz machen und sollten nicht so überladen sein. Ich steh‘ auf generell etwas düstere Beats, teilweise auch monotone Sachen. Wobei, so was wie See me Cry liebe ich genauso. AZ beispielsweise pickt nur so feel-good-Beats, die sind alle geil. Aber generell sind es harte und schwere Drums, und gute Basslines. Das machen viele Produzenten noch falsch, sie haben teils gute Samples, aber scheiß Drums, die nicht ballern. Generell steh ich schon auf Samplebeats, nicht so auf Synthiesachen. Wobei jemand wie Screw oder Jay Baez ja mittlerweile auch viel mit Synthies arbeiten, und ihre Beats trotzdem alle der Wahnsinn sind. Das Thema Beats hat mir am meisten Bauch- und Kopfschmerzen bereitet bei dem ganzen Album. Ich hab hier hunderte Beats zuhause, von unbekannten und wirklich sehr bekannten und namhaften Produzenten. Ich hätte hier auch problemlos komplett nur die ganzen bekannten deutschen Producer auf das Album packen können. Aber oft haben die Beats auch nicht gepasst, da ich einen roten Faden verfolgt hab und ein Beat eben auch in die Stimmung der LP gepasst haben muss.

Würdest du auch mit Bushido auf einen Screw Beat kollaborieren?

Ja, natürlich würde ich das machen. Ich wäre ja blöd, wenn ich das nicht machen würde. Solange der Song gut wird und ich mit dem Thema down bin. Dieses permanente auf dem und dem Rumgehacke find ich eh schade. Hey, Bushido macht doch gute Songs, da passt doch alles. Klar sind da Songs, deren Texte mir nicht gefallen. Aber Fakt ist, dass Bushido eine krasse Aura auf seinen Songs hat. Vielleicht denken die Leute von mir, da ich ein MC bin, der für den ehrlichen Rap steht, dass ich Leute wie Bushido, 50 Cent, Young Jeezy oder andere kommerziell Erfolgreichen nicht gut finde. Ich hör mir lieber einen von denen an, oder einen Rick Ross, als die fünfzigste Canibal Ox oder so ein 7L and Esoteric-Müll. Versteht mich nicht falsch, ich höre HipHop seit 1991, ich weiß, was gut und was schlecht ist. Ich weiß wer Scheiße labert, wer gut rappen kann, wer Technik hat, wer sich gut verkauft, wer real ist etc. Ich hab auch Moment of Truth von Gang Starr gefeiert, aber die Zeiten haben sich geändert. Ich hab auf meinem Album mit sashliQ den Produzenten für die ganzen Curse-Alben dabei – genauso gut aber mit Screwaholic den Bushido-Produzenten. Auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Welten. Aber letzlichlich geht es um gute Musik. Ich hör’ immer noch Group Home oder DITC, aber ich bin nicht hängen geblieben in den 90ern. Ich könnte hier jetzt wirklich lang und groß ausholen, mit dir über die Entwicklung von HipHop, Realness, Inhalte in Texten, independent zu bleiben, Erfolg und alles reden, aber letztendlich, um deine Frage zu beantworten: Ja. Jetzt kommt bald das Album von Screwaholic, das auf ersguterjunge veröffentlicht wird, da werde ich drauf sein, also haltet die Augen auf.

prinze low

Natürlich muss ich auch nach der Connection mit Timbo King fragen, wie kam das zustande?

Ich war in New York gewesen, bin da abends in Downtown die Straßen entlang geschlendert bis da ein Typ war, der seine Mixtapes verkauft hat. Der Typ war Timbo King und wir kamen ins Gespräch. Naja, wir haben geredet und geredet, über Wu-Tang, Verträge und sonst was. Dann hab ich ihn gefragt, ob er nicht einen Track mit mir recorden wollte, da ich auch MC bin. Ajo, er war down damit, wir sind zusammen nach Harlem ins Studio gefahren und haben dort gechillt. Er hat sich seine Blunts eingebaut, ich hab 40z getrunken und mir einen typischen Wu-Tang Beat von Kelvaar 7 aus Detroit gepickt. Das war alles sehr gechillt dort, Sav Killz hat mit uns gechillt, J.Ronin, mit dem ich heute noch Kontakt habe. Ist halt cool für mich, erfreulich, da ich früher krasser Wu-Tang- und Royal-Fam Fan war, das Lied von ihm mit IAM ist in Europa eine Hymne. Und ich, Prinze Low, habe einen Track mit ihm gemacht. Das freut mich.

Auf der Releaseparty von Pal One in Weinheim hat man mit den vielen Gastrappern aus der Gegend fast eine Art Mannheimer Rapszene ausmachen können. Wie beurteilst du die Szene speziell in Mannheim?

Ach was soll ich da groß sagen? Pals Releaseparty war echt geil, weil wir, alle, die miteinander cool sind, zusammen waren. Aber es gibt, wie in jeder anderen Stadt auch, Leute die rappen, ein paar Leute die schön länger dabei sind, ein paar Neue. Die Einen sind gut, die Anderen weniger. Ein paar haben es geschafft, auch außerhalb der Stadtmauer bekannt zu sein. Mit den meisten bin ich cool, meiner Meinung nach. Aber ganz ehrlich, Mannheim schießt sich ja selbst ins Bein mit seiner Haltung, deswegen interessiere ich mich für meine Jungs, und der Rest ist mir relativ egal. Mittlerweile.

Wie sind deine Eindrücke vom Splash und vom HipHop Kemp letztes Jahr aus dem Blickwinkel als Performer? Wirst du diesen Sommer wieder Festivals spielen?

Das Splash war absolut geil, ich hab den ganzen Tag im Backstage nur VodkaRedbull getrunken und Spaß gehabt, alte und neue Bekannte getroffen und zur Krönung mit Pal 40 Minuten auf der Hauptbühne spielen dürfen. Das war vielleicht einer der Höhepunkte in meiner Laufbahn als MC. Beim HHK in Tschechien war ich einfach nur total besoffen, abgefuckt von den Packungen Zigaretten zuvor, müde und kaputt und hab‘ eine weniger gute Show abgeliefert. Sorry. Aber scheiß drauf, ich hatte ne Menge Spaß. Dieses Jahr wurde ich noch von keinem Festival gebucht. Vielleicht wollen sie nicht, dass ich wieder zuviel trinke, hehe…

Wie kommt es, dass du und mnemonic so guten Kontakt zu Donato und Inferno nach Dortmund pflegt, die ja auch alle auf deiner Releaseparty am 5. April dabei sind?

Ganz einfach – wir sind Freunde. mnemonic ist ein guter Freund von mir, mit Inferno bin ich auch gut befreundet, auch wenn ich uns aufgrund der Distanz nur alle paar Monate sehen. Dann telefoniert man eben viel. Aber Micha (Inferno) ist echt mein Bro. Mit Donato bin ich auch down. Also hey, wir verstehen uns einfach gut und ich persönlich bin auch Fan von deren Musik. Passt doch. Genauso wie mit Screw, mit dem ich auch gut befreundet bin, ständig mit ihm telefoniere, auch wenn wir uns nicht so oft sehen.

Prinze Low

Man trifft dich auf vielen Rap-Konzerten an und erkennt, dass du selbst großer Fan der Musik bist. Andere aktive Rapper hingegen hängen oft nur in ihren Studios ab und sind selten anzutreffen. Was hörst du selbst am liebsten? Der Einfluss des französischen Rap ist ja z.B. auch unüberhörbar in deinem Stil verankert.

Ja das steht ja außer Frage. Bin ja kein VIP, sondern ein ganz normaler Typ, der Montag bis Freitag bei seinem Arbeitgeber arbeitet und darüber hinaus gute Musik veröffentlicht und rappen kann. Und klar bin ich Fan, auch wenn mir das reine Musikhören mittlerweile schwer fällt. Ich achte ja immer auf alle Details in Songs. Wie ist der Song aufgebaut, wie hat der seine Adlips, wo ist da die Bridge? Ach ich hör so viel, echt von Sefyu oder Soprano aus Frankreich bis AZ, Alicia Keys bis Prodigy, Teddy Pendergrass bis Sade, D-Block, Kanye West, Nas bis House oder auch mal Minimal Mucke. Was ich am französischen Rap mag, ist dessen melancholische Stimmung, weil ich da echt aufblühe.

Was ist bei dir als nächstes geplant?

In Urlaub fahren will ich bald. Nee, musikalisch werde ich jetzt erst einmal abwarten, wie das Album läuft. Wenn es gut läuft, freu ich mich sehr und werde nach vorne schauen. Wenn das Album sich aber nicht verkauft, zumindest so wie ich das will, dann können mich die Leute am Arsch lecken. Ich mach den ganzen Kram alleine, hab kein Label hinter mir, das mich finanziell oder marketingmäßig unterstützt. Von A bis Z mach ich alles selbst und habe hier ein Album auf den Markt gebracht, das musikalisch und vom Erscheinungsbild mit jedem Major-Release mithalten kann. Wirklich. Wenn das keiner wertschätzt, sondern nur illegal runterläd‘, dann werde ich nicht weiter so dumm sein und mein Geld investieren in irgendwelche CDs und eigene Musik. Dann behalte ich mein Geld lieber und fahr dafür in Urlaub und kann in meiner Freizeit endlich mal chillen, ohne mir Gedanken über Musik machen zu müssen. Dann rappe ich eben nur noch in der Dusche für mich selbst. Aber ich will ja nicht schwarz malen, bis jetzt ist die Resonanz ja echt sehr gut.

Andreas Margara (4. April 2008)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s