L.S.D.: „Watch Out For The Third Rail“ (The Dope Beat Edition)

lsd_dope_beat_edtion_coverAls die 1980er Jahre sich langsam zu Ende neigen ist Rap-Deutschland noch jungfräulich und lediglich eine handvoll Breakdancer beginnen mit Mikro, Plattenspieler und C64 im Hinterstübchen zu hantieren. Die Rede ist unter anderem von Crews wie Rock Da Most aus Berlin, Too Strong aus Dortmund, Advanced Chemistry aus Heidelberg und der Frankfurter We-wear-the-Crown-Posse um Moses Pellham. Erst 1991 sorgen zwei komplett produzierte Alben für großes Erstaunen: Die Fantastischen 4 aus Stuttgart veröffentlichen Jetzt geht’s ab, ernten für ihre deutschen Texte allerdings mehr Spot als Ruhm, und die Formation L.S.D. – Lyrical(ly) Spread Dope – aus Köln releast das wenig später vom Untergrund gefeierte Album Watch Out For The Third Rail. Über das Jazzlabel „Rhythm Attack“ erscheint die durch soundtechnische Komplexität verblüffende Scheibe und schlägt schnell hohe Wellen in der noch am Anfang stehenden Rap-Szene. In bester Public Enemy- und EPMD-Manier arrangiert Produzent Future Rock hier ein verstricktes Sampleratequiz, das in seiner verwendeten Anzahl problemlos mit dem im Guinessbuch der Rekorde verzeichneten DJ Shadow-Album Entroducing mithalten kann. Epochales Beatsampeling, bei dem ihm nicht nur James Brown oder Mandrill als Template dienten, sondern auch Snap und Modern Talking ihre Verwendung fanden. Neben der bahnbrechenden Idee, Textauszüge aus Filmen in die Tracks einzuschneiden, besticht besonders der mellow gehaltene Jazzgroove, der mit schnellrasselnden Hardcore-Breaks fusioniert und durch Scratchgewitter der beiden DJs Rick Ski und Defcon belebt wird. Einzig die monoton vorgetragenen Raps auf Englisch von MC Ko Lute wirken noch dilettantisch und wenig ausgefeilt, was kennzeichnend für den Standard der frühen Neunziger war. Die weltweit wegweisenden Produktionsskills der Scheibe hingegen beeindrucken noch heute. Watch Out For The Third Rail ist ein Masterpiece, das 2008 nun in einer Neuauflage erscheint. Die so genannte „Dope Beat Edition“ von Third Rail umfasst 38 Titel und toppt damit sogar noch das vor Quantität schon strotzende Original von 1991 mit 27 Stücken und bietet nebenbei auf einer weiteren CD alle Instrumentalversionen. Flashs sind also vorprogrammiert wenn der CD-Player L.S.D. einnimmt!

Andreas Margara (30. März 2008)

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