Gary Moore (im Maimarktclub Mannheim)

Gary Moore ist bekannt für seine explosiven Live-Auftritte und sein atemberaubendes Gitarrenspiel. Seine musikalische Bandbreite reicht von Hardrock bis hin zu softem Blues. Als Unterstützung für seine Deutschland-Tour hat er sich den Blues-Musiker Otis Taylor mit ins Boot geholt.

Gary Moore

Robert William Gary Moore ist einer der begnadetsten Hardrock- und Blues- Gitarristen auf dem Erdball. Sein genreübergreifendes Talent hat der 55-jährige Nord-Ire schon in den unterschiedlichsten Bands zur Schau gestellt – Skid Row, Thin Lizzy und Colosseum II sind nur ein paar wenige Stationen seiner langen Karriere. Solo hat sich Gary Moore besonders ab Mitte der Achtziger hervorgetan: auf Empty Rooms folgte mit Still Got The Blues die Bluesballade schlechthin und auch das als Aufmacher für einen Werbeclip verwendete Walking By Myself hallt ihm noch nach. Seit Mai 2007 steht nun seine neuste CD Close as you get in den Plattenläden. Das Album beinhaltet eine interessante Songmischung aus neuen Stücken und Coverversionen, bei denen sich der Gitarrengott auch an einigen Klassikern der Bluesgeschichte versucht hat. Der letzte Tourtermin in Deutschland war im Mannheimer Maimarktclub angesetzt, in dessen fast restlos ausverkaufte Halle Scharen von Menschen meist reiferen Alters pilgerten. Das Vorprogramm wurde vom König des Acoustic-Blues, Otis Taylor, gestaltet, wobei die Betonung mehr bei „Acoustic-Blues“ als bei „gestaltet“ lag. Im Sitzen und ohne die Verstärkung einer Band, gab der bärbeißige Afroamerikaner einen Einblick in sein sympathisch minimalistisches Repertoire, indem er abwechselnd zum Banjo oder seiner Mundharmonika griff. Zum Besten gab Taylor auch das Stück Nasty Letter vom Album Truth is not Fiction (2003), das Teil des Soundtracks zum Hollywood-Blockbuster Shooter mit Mark Wahlberg ist.

Nach der Umbauphase erschien Gary Moore mit seinen drei Begleitmusikern und zog das Tempo – ohne dabei viele Worte zu verlieren – mit seinem Klassiker Oh Pretty Woman gleich mächtig an. Obwohl der Ire Linkshänder ist, spielt er seine Gibson Les Paul über rechts und gab gleich zu Beginn die volle Breitseite. Passend zum Gitarrensound verzerrte Moore seinen Gesichtsausdruck, was in Kombination mit seiner zottelig gehaltenen Mähne ein schönes Bild auf der Bühne abgab. Für Since I Met You Baby wählte der Virtuose gleich einen Gitarrenwechsel in seinem Klampfensortiment – es ging weiter mit der bluesgerechten Gibson E-335. So hielt es sich auch mit der Titelauswahl, die einen sauberen Mix aus Rockigerem und wieder langsameren Bluesstücken ausmachte.

Wortkarg folgte auf Bad For You Baby die Ankündigung für das brandneue Stück Down The Line, um kurz danach auf die Coverversion Have You Heard von John Mayall überzuleiten. In dieser Extended-Version huldigte Gary Moore dem Vater des englischen Blues-Revivals und verlor sich zum ersten Mal richtig in ausgedehnten Gitarrenausflügen, indem er einen Höhepunkt auf den Nächsten trieb. Das nächste Stück, Mojo Boogie, folgte erst rund 15 Minuten später, und damit erste Versuche das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Über zehn Mal wechselte Gary im Laufe des Konzerts seine Gitarre und präsentierte seine enorme Fingerfertigkeit durch verschiedenartiges Spiel, unter anderem auch die von Bluesmusikern mit Bottleneck gespielte Slide-Technik.

Anschließend verschrieb sich Moore wieder ganz den Coverversionen. Angefangen bei dem vom Blues verzerrten klassischen Rock’n’Roll-Titel Thirty Days von Chuck Berry, über das mit mehr als nur einer Prise Soulblues versehenem I Love You More Than You’ll Ever Know von Donny Hathaway, bis hin zu der in Blues transformierten Funk-Nummer Too Tired von Johnny Guitar Watson, spielte Moore jetzt eine bunte Mixtur diverser Stilrichtungen, die mit dem Blues in verwandtschaftlicher Beziehung stehen. Unverkennbar verspielt, nutzte er fortan jede sich bietende Möglichkeit, um in einen tiefen Soli-Rausch abzutauchen und jedem Stück seine einzigartige Note zu geben. Hier setzte sich der Gitarrist noch auffälliger von seinen eiskalt in den Schatten gestellten Bandmitstreitern Pete Rees (Bass), Vic Martin (Keyboards) sowie Sam Kelly am Schlagzeug ab. Abgesehen von einem marginalen Frage-Antwort-Spiel zwischen Gitarre und Orgel degradierte Moore die Band zu austauschbaren Rhythmuslakaien und ließ das Spotlight einzig auf sein – am Ende in schweißgebadetem – Schopf erleuchten.

Zu guter Letzt ließ Gary Moore seine beiden größten Hits Still Got The Blues und Walking By Myself erklingen, wobei nun ebenfalls die mehr dem Mainstream zugeneigten Fans auf ihre Kosten kamen. Als Zugabe legte Moore mit Walkin‘ Thru The Park nach und bei The Blues Is Alright gab es ein Wiedersehen mit Otis Taylor auf der Bühne. Getragen vom einzigartigen Gitarrenspiel des irischen Meisters ging damit eine sensationelle One-Man-Show zu Ende.

Andreas Margara (21. März 2008)

Gary Moore & Phil Lynott – Out in the Fields

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