Prinze Low: „Fenster zur Strooß“

stroossNach Veröffentlichung seines Mixtapes So wie ich bin, präsentiert der Mannheimer Rapper Prinze Low nun sein erstes Album mit dem Titel Fenster zur Strooß. Neben der offensichtlichen Anlehnung an das Album Fenster zum Hof der Stieber Twins, sticht zunächst der ghettoromantische Snapshot des Cover-Artworks besonders ins Auge. Musikalisch zerstört Lärm nach dem Intro bewusst das bisher melancholisch gebettete Klima – es wird deutlich pumpender. See me cry schlägt mit einem klassischen Soulsample aus dem Hause der Dramatics und dem Feature der Sängerin Laura Bellon hingegen wieder sanftere Töne an. Vielleicht fühlt sich an dieser Stelle noch jemand an Big L erinnert, der mit How will I make it bereits einen gewaltigen Maßstab auf selbiges Sample gesetzt hat. Prinze Low hat für sein Album mit den verschiedensten Produzenten zusammengearbeitet, unter anderem auch mit den Beatgees, die schon Culcha Candela, Rapsoul, Sabrina Setlur und Lady Bitch Ray mit ihrem Sound versorgt haben. Highlight von Fenster zur Strooß bildet der Titel Rap, bei dem der Prinze einen erstklassigen Beat von Scap serviert bekommt, der mit schnellem Geigen-Loop an beste Klangqualität aus Frankreich anknüpft und auf dem sich Low raptechnisch in Bestform präsentiert. Komplettiert wird das gute Stück durch die beiden Rapper Sinuhe aus Wu-Tal und Inferno79 aus dirty Dortmund. Danach folgt das von ersguterjunge Screwaholic produzierte Titelthema Fenster zur Strooß, bei dem auch Mr Mar ein Wörtchen mitredet. Wir pumpen ist ein eher seltsames Interlude, für Bei dir holt sich Low die Unterstützung der ebenfalls ambitionierten Rapper mnemonic und Donato. Knüppeldick wird es wenig später bei 2 Sonz, für das sich der Prinze Timbo King von der Royal Fam aus dem erweiterten Wu-Tang Kreis an Land ziehen konnte. Kevlaar7 greift dazu musikalisch tief in die Shaolin-Soul-Kiste und inszeniert den astreinen „Staten Island“-Flair. Vielfalt ist also reichlich geboten, illustre Gäste tummeln sich sowohl auf Seiten der Produzenten als auch auf der Gastrapper-Liste. Seine eigenen Raps hält Prinze Low rough und straßennah, dennoch fehlt den Reimen streckenweise der letzte Feinschliff. Trotzdem ein beachtliches Debütalbum, mit dem sich Prinze Low deutschlandweit auf die Rechnung setzt.

Andreas Margara (16. März 2008)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s