The HipHop Anniversary Tour (Halle02 Heidelberg)

ws_lgHipHop feiert Geburtstag und wer würde sich dabei besser als Gastgeber eignen, als die versammelte Gemeinschaft an Urhebern und Erzeugern? DJ Grand Wizard Theodore, Kurtis Blow, The Original Sugar Hill Gang und Melle Mel haben nicht nur einige Jahre auf dem Buckel, sondern auch eine Menge Styles & Skills im Gepäck.

Diese fulminante Old-School-Kombo kann den ersten bekannten Rap-Hit, den ersten Scratch, den ersten Rapper mit Plattenvertrag und vor allem The Message für sich verbuchen – genug HipHop-Historie, um an diesem Abend jung und alt aus allen Ecken des Einzugsgebiets zu locken. Der massige Andrang vor der Halle02, dem Welttourneestop in Heidelberg, war kaum zu bändigen. Zum Aufwärmen wurden die HipHop-Heads und B-Boys von Plattenleger T-Ill mit Tracks aus dem goldenen Zeitalter des Rap versorgt, wobei sofort erste Anzeichen des Jam-Charakters aufkamen.

Nachdem Toni-L gegen 1 Uhr seine eigenen Inspirationsstifter in seiner Funktion als Host angekündigt hatte, übernahm DJ Grand Wizard Theodore die Decks und präsentierte eine Show mit ausführlichen DMC-Routines und seinen berühmten needle-dropping-Skills, bei denen er die Plattennadel auf dem Vinyl rhythmisch hüpfen lässt. Natürlich muss an dieser Stelle auch an die berühmte Anekdote erinnert werden, wie dieser Mann aus Boogie Down Bronx das Scratchen erfand: Nach der Schule im Sommer 1975 war der junge Theodore mit seinen Turntables gerade fleißig am Üben, als seine Mutter ihn wegen der lauten Musik anschrie und aufforderte sie sofort leiser zu stellen. Abrupt hielt er die Platte zu seiner rechten Hand an und genauso die am anderen Plattenspieler, wodurch ein völlig neuer Effekt eintrat. Ein paar Versuche später war der Scratch geboren! Selbst ohne die Anwesenheit seiner Mutter lieferte der Grand Wizard heute ein vernünftiges Set ab.

grand wizard theodore

Der nächste Pionier stand schon in den Startlöchern: Melle Mel, der erste Rapper der sich selbst als „Master of Ceremony“ betitelte. Außerdem ist der Bruder von Kid Creole als Führungsfigur der Furious 5 bekannt, die zusammen mit Grandmaster Flash über eine ganze Reihe Old-School-Hits verfügen und bisher als einzige Rapgruppe in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurden. Neben einer an Narzissmus kaum zu toppenden Muskelshow in Oberkörperfrei – passend zu Grandmaster Mele Mel’s neustem Album Muscles – blieb allerdings nur eine äußerst schwache Playback-Performance von The Message haften.

Mit Kurtis Blow im Anschluss, nahm die Nacht an qualitativem Output von Seiten der Bühne erstmals richtig Form an. 35 Jahre ist Blow mittlerweile im Game, womit kein Rapper der Welt mithalten kann. Eine geladene Bühnenshow in Zusammenarbeit mit den Breakdancern der Air Force Crew mündete unter anderem mit Party Time und If I Ruled The World in seinen größten Hit The Breaks. Zwei Uhr in der Nacht war es unterdessen schon und die Party schien erst richtig loszugehen. Als die eigenen Titel ausgingen lieh sich der Preacherman mal eben die Titel Friends von Whodini und Raw von Big Daddy Kane für sein Set, um schließlich den beiden Mitgliedern der Original Sugarhill Gang das Feld zu überlassen. Ausgelassen feierten alle Anwesenden die bewährten Old School Klassiker Apache, 8th Wonder und Living In The Fast Lane.

MelleDer Höhepunkt des Abends kam dann natürlich mit der Präsentation des weltweit ersten Rap-Hits überhaupt: Rapper’s Delight, bei dem sich die beiden MC’s noch einmal der Audience vorstellten: „See I am Wonder Mike and I’d like to say hello: to the black to the white, the red and the brown, the purple and yellow“ und sein weitaus kleinerer Partner: „I said M-A-S, the T-E-R, a G with a double E, I said I go by the unforgettable name of the man they call the Master Gee.“ Rewinds und eine spezielle We Will Rock You-Einlage markierten das Ende der insgesamt langen Gesamtpeformance aller Beteiligten, die sich zum Abschluss gemeinsam auf der Bühne zeigten. Auch Melle Mel ließ die aufgepumpten Muskeln noch mal wackeln.

Der Uhrzeiger hatte die Drei mittlerweile längst umrundet, doch die Aftershow war gerade erst angelaufen. Hartgesottene B-Boys mobilisierten ihre letzten Kräfte, um sich zu battlen und das Wild Style Klassentreffen der besonderen Art schien nie zu enden. Fragt sich nur warum Grandmaster Caz und Kool Herc das Anniversary Treffen schwänzten…

Andreas Margara (10. März 2008)

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