Nosliw (im Rude 7 Mannheim)

Die Fanbase von deutschem Reggae wächst beständig und immer mehr Acts schaffen es, sich erfolgreich zu etablieren. Vor allem Nosliw aus dem Rootdown-Camp erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Sein Stil, den man am besten mit „Conscious-Reggae“ charakterisieren könnte, ist ein gelungener Mix aus guter Musik und durchdachtem Inhalt.

nosliw

Reggae aus Deutschland befindet sich weiter unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Das belegte unter anderem die ellenlange Warteschlange am gestrigen Abend vor dem Rude 7, in das die DeeBuzz Crew zur Reggaeneration geladen hatte und mit Nosliw im Line-up einen wahren Publikumsmagneten darbieten konnte. In Sachen Reggae-Club steht Mannheim mit seinem Rude 7 laut der alljährlichen Umfrage der Zeitschrift Riddim ganz oben auf dem Siegertreppchen, wobei sogar Locations wie das Petit Prince in Köln, das Yaam in Berlin und der U-Club in Wuppertal auf die Plätze verwiesen werden konnten. Das hauseigene Soundsystem DeeBuzz wurde übrigens nach PowPow und Supersonic auf dem dritten Platz zu einer der beliebtesten Crews in ganz Deutschland gevotet. Hatte man sich erstmal durch die gewaltige Anstehschlange gekämpft wurde man von Mannheims Party Maschine Nr. 1 alsgleich mit den ersten Riddims versorgt. Tunes von T.O.K. und Sizzla wurden dabei mit den eigenen Dubplates vermischt. Neben dem positiven Signal, dass sich tatsächlich so viele Menschen an Reggae und Dancehall erfreuen können, wirkten sich allerdings auch gleich die negativeren Seiten mit ewig langen Wartezeiten an Bar, Garderobe und WC aus, die alles andere als preisverdächtig waren.

Musikalisch wurde nun Uwe Kaa vom Roots Rockers Soundsystem aus München der Platz am Mikrophon überlassen. Ähnlich wie Nosliw früher als Rapper bei Die Unendlichen Gedichte aktiv war, ist Uwe vielleicht noch einigen aus Fett-MTV Zeiten bekannt, als das Rap-Video zu Flying High regelmäßig rotierte und er mit seiner Crew Reim in da Tube zu sehen war. Mittlerweile hat der 31-jährige als Lead-Sänger der Roots Rockers schon einige 7 und 12“ in der Reggae-Sparte veröffentlicht und damit noch mal einen Gang tiefer in den früher ohnehin schon chilligen Tracks geschaltet. Tanzen & Schrei’n ist einer seiner Hits die bei seiner Performance nicht fehlen durften, ansonsten ging nach fast einer Stunde ein relativ durchschnittlicher Auftritt zu Ende.

nosliw mehr davon

Mit dem One-Drop Tune Lauter und einem euphorischem „Yes Mann!“ bestieg Headliner Nosliw die Bühne und erfreute sich gleich weitaus größerer Begeisterung von der dicht gestaffelten Crowd. Neben Lee Everton, Mono & Nikitaman gilt Eric Alain Wilson als Führungskopf des deutschsprachigen Reggaes und ist natürlich wie ein Großteil der ernstzunehmenden Reggae-Riege aus der Bundesrepublik auf Rootdown Records gesignt. Wenn man ihn einmal gehört hat, möchte man ihn Immer wieder hörn und so lautete auch das nächste Stück. Nosliws Repertoire ist gespickt mit schönen Roots-Nummern, die von gesellschaftskritischem bis hin zu politischen Statements reicht. Nicht zuletzt erfreut er sich vor allem bei seiner riesigen weiblichen Fanbase großer Beliebtheit durch seine Liebeshymnen mit Tiefgang. Königin zusammen mit Max Herre von seinem ersten Album Mittendrin (2004) ist nur ein Beispiel dafür.

Nosliw ist ein echter Sympathieträger und wohl weniger ein Rude Boy, was er durch seine netten Zwischenansagen unter Beweis stellt. Besonders schön zu sehen war auch, wie er das im Durchschnitt doch eher junge Publikum mit sozialkritischen Texten, wie in Wie weit, trotz des allgegenwärtigen Party-Vibes auf die vielen Missstände in der Welt aufmerksam macht und für die Politik sensibilisiert. Weiter ging’s mit dem schon älteren Titel Oh My Gal, um danach mit Bleib mal cool wieder ein Stück vom neuen Album Mehr Davon (2007) zu spielen. Auch wenn der Auftritt sicherlich durch das große Gedränge etwas leiden musste, behielt Nosliw souverän die Oberhand im Geschehen.

Anschließend war es wieder an der Zeit für das hiesige DeeBuzz Soundsystem, um mit einer geladenen Portion Dancehall noch einmal in die Vollen zu gehen. So vibrierten die Wände des Rude 7 noch bis spät in den frühen Morgen, Big Up!

Andreas Margara (2. März 2008)

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