CunninLynguists (Karlstorbahnhof Heidelberg)

Die US-HipHoper von CunninLynguists gehören mit ihren schlauen Texten zu den wichtigsten Vertretern des Conscious-Rap. Seitdem sie 2001 ihr Debütalbum „Will Rap For Food“ gedropt haben, verbinden sie geistreiche Lyrics mit ausgekochten Beats und machen ihrem Namen alle Ehre. Im Heidelberger Karlstorbahnhof, wo die Organisatoren inzwischen das Monopol auf Rap-Veranstaltungen in der Region übernommen zu haben scheinen, eröffneten Hilltop Hoods den Konzertabend.

CunninLynguists
CunninLynguists

Hilltop Hoods aus Adelaide im südlichen Australien sind der beste Beweis dafür, dass das Einflussgebiet von HipHop grenzenlos ist und die universelle Message sogar von Crews aus Down Under unverfälscht repräsentiert werden kann. Fünf Alben haben die Hoods schon veröffentlicht und genießen mittlerweile nicht mehr nur bei den Ausis den Status einer der besten Live-Acts zu sein. Besonders auf der gemeinsamen Tour mit den CunninLynguists ist bisher zu erkennen, wie positiv Suffa, Pressure und DJ Debris von den europäischen Fans aufgenommen werden.

Erstaunlich viele Leute hatten sich schon zu Beginn ihres Sets im Saal eingefunden und feierten die Australier gebührend ab. Wie die Kängurus wurde bis zu den mittleren Reihen zu Hits wie The Hard Road gesprungen. Nächster im Programm war Rapper Tonedeff aus Virginia, der ebenfalls eigenen Platz für seine Tracks eingeräumt bekam. Seine Mixtur aus schnell gerappten Versen auf Drum’n’Bass Beats, Comedy und merkwürdigem Liedgut wie Pervert und Porcelaine, stieß allerdings auf gespaltene Resonanz. Auf der anderen Seite konnte der Auftritt auch als willkommene Raucherauszeit oder Refill-Pause vor dem unmittelbar bevorstehenden Auftreten der CunninLynguists ausgekostet werden. Mit dem sphärischen Instrumental von The Gates, bei dem Tonedeff von den Lynguists gefeaturet wird, wurde schließlich auch dahin übergeleitet.

Cunninlynguists
CunninLynguists

Dirty Acres heißt das nunmehr vierte Album der Jungs aus Kentucky und mit KKKY gab es gleich die erste Videoauskopplung davon. Die Energie, die nun von der Bühne aus zu spüren war, begann sofort wieder mitzureißen. Leider war auch gleich festzustellen, dass sich Deacon the Villain und Natti bei den vorherigen Auftritten wohl ziemlich heißer gerappt und gesungen hatten. Dazu schien auch der Soundmann nicht unbedingt seinen besten Tag erwischt zu haben. Immerhin gab es ja noch Unterstützung an den Mics für die beiden Emcees vom rappenden Produzent Kno. Hellfire, das auf das bekanntes Vocal-Sample von Arthur Brown aufbaut war das nächste Stück. Interessant zu beobachten war dabei, wie die „listigen Linguisten“ es schafften, ihren extrem atmosphärischen Sound in ein zündendes Live-Programm zu übertragen. Aus Konzeptalben gerissene Tracks wie Nothing To Give oder Nasty Filthy sind in der Transformation auf einmal absolute Party-Banger, die von der sprungfreudigen Menge zelebriert werden. Anschließend kam der durch sein Geigen-Loop unverkennbare Hit Lynguistics von Will Rap For Food, dem ersten Album der Südstaatler.

Love Ain’t und Wonderful, bei dem auf Dirty Acres eigentlich noch Devin the Dude mitwirkt, folgten als nächstes im Reimgalopp quer durch die vier Alben. Immer wieder war zu spüren wie die Rapper mit ihren rauen Stimmbändern zu kämpfen hatten. Mit Caved In gab es Support des Gnarls Barkley-Chartstürmers Cee-Lo Green, der mit seinem unvergleichlichen Gesang von Platte eingespielt wurde. Wie schon auf dem HipHop Kemp Festival im letzten Jahr, priesen die CunninLynguists mit Beautiful Girl wieder die Qualitäten von Cannabis an, indem sie das Publikum zum mitsingen aufforderten: „Marihuana is gooood! Roll it up, light it up, smoke that shit!“ Das musikalische Meisterwerk Seasons, das kein Geringerer produziert hat als RJD2 und auf dem Masta Ace zu hören ist, gab es danach auf die Ohren. Hier kann man sich vom lyrischen Feinschliff der drei Rapper überzeugen, die sich inhaltlich nach und nach den Weg durch die vier Jahreszeiten von Rap reimen.

Wohl aufgrund der durch die Tour bereits extrem abgewetzten Membranen war nach Mexico schon abrupt Schluss. Nicht einmal für eine volle Stunde hat die Energie gereicht, was man sonst eigentlich nicht von der Kentucky-Crew gewohnt ist. Dennoch: eine eindrucksvolle Performance die dem hohen Anspruch der Alben gerecht wird.

Andreas Margara (25. Februar 2008)

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