Dynamite Deluxe: „TNT“

dynamiteDass in Hamburg nicht nur die Fünf Sterne „deluxe“ sind, sollte man spätestens seit dem beachtlichen 2000er Debütalbum Deluxe Soundsystem des Hansestadt-Trios Dynamite Deluxe wissen. Acht Jahre sind vergangen, ehe sich Rapper Samy Deluxe nach Soloausflügen, Beef und Features wieder mit den Produzenten Tropf und DJ Dynamite zusammengefunden hat, um deutschen Rap nahe den eigentlichen Wurzeln zu präsentieren. TNT heißt das Kind, das dabei entstanden ist. Die erste Single Boombox sorgte derweil mit seinem klaren Fokus auf die vier Elemente von HipHop für reichlich Gesprächsstoff in der Szene. Gleich beim Eröffnungsstück Erster Song wird deutlich, dass ein Vergleich zur ersten LP unangebracht wäre, trotz der omnipräsenten wir-waren-früher-schon-so-derbe-Attitüde. Während Samy abgeklärter und zugleich unmotivierter reimt, versorgen ihn Dynamite und Tropf mit an ami-orientierten Claps und von Bass angetriebenem Synthiesound. Thematisch versucht der Wickeda MC den Bogen zwischen seiner großen Fanbase an HipHop-Kiddies und alteingesessener Dynamite Deluxe Fangemeinschaft zu spannen, um am Ende so oder so den Ego- und game-orientierten Gaul zu reiten. Genauso wie Alles bleibt anders mit erquickendem Chorus von Jan Delay und die hitverdächtige Liebeserklärung Mein Problem (Take it easy) auf einen chilligen Reggae-Riddim herausstechen, nerven das obercool-arrogante Komma Klar und die durch Voice Box verzerrte Hook von Weiter. Die vielen Uptempos und Drums eignen sich bestens für eine Live-Umsetzung, lassen aber einen Hauch von Authentizität vermissen. Da „Kiffen“ aus Samys Versinhalt gestrichen wurde, scheint der Themenschwerpunkt mittlerweile nur noch bei monotoner Selbstbeweihräucherung zu liegen. Alles in allem geht das Album steil nach vorne und wird seinem Titel damit gerecht. Alle, die sich Deluxe Soundsystem zurückwünschen, werden vermutlich enttäuscht sein. Wer dem neuen Dynamite Deluxe-Sound eine Chance gibt, wird sicherlich auch seinen Spaß haben. Als Bonus gibt es noch eine DVD obendrauf.

Andreas Margara (14. Februar 2008)

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