Dynamite Deluxe (Karlstorbahnhof Heidelberg)

Kaum hat sich die deutschrap Formation Dynamite Deluxe (Samy Deluxe, Tropf, DJ Dynamite) wieder vereinigt, geht das Trio schon wieder mit neuem Album auf Tour quer durch die Bundesrepublik. Unterstützt werden die Hamburger von D-Flame, DJ Haitian Star besetzt die Position der Vorgruppe. Der Sound des Trios Dynamite Deluxe steht symbolisch für die glorreichen Jahre des Hamburger HipHop und war stilprägend für den viel gefeierten deutschen Rap um die Jahrtausendwende.

Dynamite Deluxe 7

Angefangen als Undergroundcharttrendsetter zusammen mit Denyo auf seinem Demotape (das komplett in der legendären Eimsbush Label-Reihe releast wurde), über seine wichtigen Beiträge als einer der kreativen Köpfe des Künstlerkollektivs Mongo Clikke, bis hin zu dem Meilenstein Deluxe Soundsystem (2000), gilt Rapper Samy Deluxe als Ausnahmeerscheinung im HipHop. Obwohl seine Art zu reimen den deutschsprachigen Rap zweifelsohne auf das nächste Level brachte, hat Samy auf der anderen Seite auch den Battlerap chartfähig gemacht und damit für einen kommerziellen Boom gesorgt. Was danach folgte, war die Trennung von seinem Produzententeam DJ Dynamite und Tropf, um als Samy Deluxe eine Solokarriere zu starten. Dabei ging schließlich auch ein Stück des früher oft durch Reime untermauerten Idealismus verloren.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2008, HipHop ist sein Battleimage durch die von den Labels gecasteten Gangster längst überdrüssig und ein Hauch von „keep it real“ weht durch das Land. Dynamite Deluxe reunieren sich, konzentrieren sich wieder ganz auf die vier Elemente mit denen alles begann, droppen das Album TNT und packen Deutschraps Vater Torch als Vorgruppe in ihr Live-Programm.

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Kurz vor zehn ging es im komplett ausverkauften Karlstorbahnhof mit DJ Haitian Star – wie sich Torchmann als DJ nennt – los. In seinem halbstündigen Set, in seiner Heimatstadt Heidelberg, ließ Haitian Star seine Old-School-Platten heftig rotieren, rappte nebenbei Texte und heizte dem Publikum gehörig ein. Auf einmal stürmten die B-Boys von Seven Eleven, unter der Leitung des Southside Rockers Scotty, die Bühne und präsentierten ihre Breakdance-Skills, während Heidelbergs Haitianer einen deutschen 90er-Klassiker nach dem andern aus seinem Köfferchen auspackte. Plötzlich erschien sogar der Funkjoker Toni-L aus dem Hintergrund. Es folgten die Titel Wir waren mal Stars und Der Zug rollt – explosiver konnte man eine Show für Dynamite wohl kaum starten.

Mit So laut es geht erklommen wenig später Samy, D-Flame, DJ Dynamite und zwei Backgroundsängerinnen die Bühne, um der bereits bestens aufgelegten Menge das neue Dynamite Deluxe Album TNT zu servieren. Nach Newcomer des Jahres durfte es mit Wie Jetzt? auch mal ein Stück vom ersten Album ein. Als Überbrückung zwischen den Songs griff Samy immer wieder zum Mic um einen Freestyle auszupacken, wobei man allerdings feststellen musste, dass seine Improvisationen längst nicht mehr dem hohen Standard von vor einigen Jahren entsprechen. Im Anschluss gab es die neue Single Boombox zu hören, in der Samy Lobeshymnen auf des HipHops gute alte Zeit vorträgt. Etwas verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er doch selbst einer der Hauptcharaktere war, der für frischen Wind und eine zweiseitige Entwicklung im Rapbusiness beigetragen hat. Umso schöner dagegen ist heute Abend zu sehen, wie Samy Deluxe seine Popularität nutzt, um jüngeren Generationen ein Bild von HipHops Vielfalt zu zeigen und in seiner Show ständig Platz für unterrepräsentierte Elemente wie Breakdance, Freestyle und Beatbox einräumt und Respekt an Vorreiter wie Scotty, Torch und Toni-L bekundet. Hervorragend klappte außerdem natürlich das Zusammenspiel mit dem hauseigenen Soundmann Tropf, sowie dem lang gewachsenen DJ Dynamite an den Decks.

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Weiter ging es mit Wickeda MC, Ab und zu und noch mehr Freestyle, zum Beispiel auf Snoops GZ and Hustlas-Instrumental. Komma Klar, mit dem Samy abfeiert was für ein geiler Typ er ist und das sich gegen aufdringliche Fans richtet, wurde trotzdem – wie fast alle Stücke – vom Großteil der Fans mitgesungen. Nach der anschließenden Grünen Brille, trieben die HipHop Beats – begleitet von süßlichem Rauch – langsam in Reggae-Gefilde (Mein Problem) vor. Schließlich mündete die Show mit D-Flames Soloausflug Check sogar in lupenreinen Dancehall. Bei all dieser von Marihuana angetriebenen Musik, hinterblieben am Schluss dann doch noch leichte Zweifel, ob Samy das Kiffen tatsächlich aufgegeben hat, wie er in neuer Vorbildfunktion bei Christiansen stolz verriet.

Ein Blick auf die Uhr verriet zumindest, dass man heute auch vom Zeitpensum her einiges geboten bekam. Mit dem Stück Weiter war TNT nun live fast vollständig umgesetzt. Damit war es an der Zeit, der nach-mehr-geifernden-Masse ein paar Hits aus dem etwas verstaubteren Repertoire darzubieten. Dreist und Ladies & Gentleman verlangten dem Pulk im überfüllten Club somit noch mal alles ab. Einen ganz ausgefallenen Akt hatte sich Samy Deluxe für das Ende der zündenden Power-Show aufgehoben. Im Hochgeschwindigkeitsrap reimte er die Verse von Let’s Go auf ein kleines Breakbeat-Medley von Prodigy: auf Smack my bitch up, Breathe und Firestarter verdeutlichte der Wickeda MC seine ganzen Fertigkeiten. Bei Mein Flow ist bekam die Crowd dann zum x-ten Mal das Riesenego des Brothers Keepers verbal zu spüren.

Als verdiente Zugabe für die feierwütige und springende Menge gab es Joints & Heineken von D-Flame und Samy in Zusammenarbeit, die Sneak Preview von ASD und als ganz besonderes Sahnehäubchen den eigentlich aus der Live-Performance verbannten Klassiker Pures Gift (in der No One Version von Alicia Keys) obendrauf. Neben der fast schon enervierenden Arroganz und Selbstbeweihräucherung von Samy Deluxe bleibt eine wirklich beeindruckende Show mit vielen Gimmicks zu vermerken, die auch von dem sehr gut aufgelegten Publikum getragen wurde.

Andreas Margara (11. Februar 2008)

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