Kool Savas: „Tot oder lebendig“

cover_kool_savas___tot_oder_lebendig___72dpiNach nunmehr fünf Jahren meldet sich Kool Savas, der „King of Rap“, mit seinem zweiten Soloalbum unter dem Titel Tot oder lebendig zurück. Doch was hat sich in dieser halben Dekade nicht alles in der deutschen Raplandschaft verändert? Aggro hat sich in Berlin etabliert, die Charts sind voll mit kommerziellem Gangster-Rap und bei Maischberger werden provokative Porno-Texte schon zwischen King Orgasmus und Alice Schwarzer diskutiert. Technik und Flow, die Savas einst nebst den anstößigen Inhalten konstituierte, spielen längst keine Rolle mehr.

Savas Yurderi ist der Mann mit dem oft kopierten aber in seiner Einzigartigkeit nie erreichten Reimstil. Nun ist er zurück, um seiner Ausnahmestellung im Rap-Game weitere Legitimation zu verleihen. Für die Savasschen Produktionen war einmal mehr die bewährte Berlinerin Melbeatz zuständig. Weitere Unterstützung gab es von Amardeus und vom Heidelberger Face Error. Extrem ambitioniert beginnt das Album bereits mit dem T.O.L.-Intro. Eine konstante Steigerung zieht sich anschließend weiter über die erste Singleauskopplung Der Beweis und On Top, bei dem das einzige rappende Gastfeature Azad seine Lines legen darf, bis hin zum Ausnahmestück Mona Lisa. „Meine Texte ficken alles, wie Matrosen auf Landgang“, kann man bei diesem Brett zweifelsfrei unterschreiben. Wortakrobatik, Flow und Reimverschachtelungen zeigen SAV in bestechender Form, bei seinen innovativ-abstrakten Vergleichen muss nicht nur Mona Lisa schmunzeln.

Dennoch unterstreicht das Album eine neue Ernsthaftigkeit, die sich deutlich aus dem Genre des Battle-Raps abhebt. Wirklich skandalöse LMS-Texte sind ohnehin längst passé, das hat KKS schon mit seinem ersten Album Der beste Tag meines Lebens (2002) verdeutlicht. Dazu ist sein eigener Großvater wieder auf einem Dede Skit vertreten. Leider sind diese kritischen Worte nur für Menschen verständlich, die der türkischen Sprache mächtig sind. Mit dem R’n’B-Sänger Moe Mitchell aus dem hauseigenen Optik-Label und der etwas überraschend gastierenden Senna von den Popsternchen Monrose, werden durchaus auch mal besinnlichere Töne angeschlagen. Sozialkritik und eine Nicht-aufgeben-Ethik mischen sich immer wieder zwischen die lyrischen Kampfansagen und Battle-Rhymes der Scheibe. Doch gerade wenn sich die egoorientierten Verse abseits des Battlefelds bewegen, offenbaren sich vereinzelte Schwächen. Die Texte wirken dann nicht immer ausgereift und driften vergleichsweise ins Belanglose ab.

Ein Intro, zehn Tracks und ein Skit umfasst das Werk. In der Bonusedition gibt’s zusätzlich noch eine DVD mit Live-Auftritt vom splash! 2007, dem neuen Video zu Der Beweis, ein Interview und zwei weitere Tracks obendrauf. Kool Savas Fans bekommen also einiges geboten. Tot oder lebendig erweist sich insgesamt als würdiger Nachfolger des ersten Soloalbums, allerdings ohne dessen Level zu toppen.

Andreas Margara (20. Dezember 2007)

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